Esplanade Tranquille in Montreal

Ein urbaner Garten für Montreal

Mit der Esplanade Tranquille hat das Büro Les architectes FABG den letzten Baustein des Quartier des Spectacles in Montreal vollendet – und dabei nicht nur einen öffentlichen Platz, sondern ein ganzjährig nutzbares Stück Stadtlandschaft geschaffen. Das Quartier des Spectacles ist ein Netzwerk öffentlicher Räume, die die Veranstaltungshallen des Viertels verbinden, in denen die wichtigsten Festivals und Kulturveranstaltungen Montreals stattfinden. Wo sich einst Bars und Varietés eines vernachlässigten Sexarbeiter*innenviertels fanden, liegt heute ein Ort, der sich zwischen Kulturraum, Freizeitfläche und grünem Rückzugsraum bewegt. Der Name des neu gestalteten Ortes ist eine Hommage an die Buchhandlung Tranquille, die sich einst an dieser Stelle befand und ein wichtiger Ort in der Zeitgeschichte Quebecs war. Unter anderem wurde dort 1948 das Manifest Refus global veröffentlicht.

Ein besonderes Detail liegt auf dem Dach des Gebäuderiegels (links im Bild): Eine großflächige grüne Dachlandschaft dient der urbanen Landwirtschaft.
Insgesamt wurden 75 Bäume, Hunderte Sträucher und Stauden sowie eine große Rasenfläche gepflanzt. Diese Vegetation schafft nicht nur Schatten und Kühlung, sondern strukturiert die offene Platzfläche in verschiedene Aufenthaltszonen.
Sitzbänke und bewegliche Stühle bieten Orte des Rückzugs und der Begegnung.

Das Projekt folgt dem Entwicklungsplan des Quartier des Spectacles und ergänzt das kulturelle Viertel um einen multifunktionalen Freiraum: Im Sommer dient die Esplanade als Veranstaltungsfläche, im Winter verwandelt sie sich in eine öffentliche Eislaufbahn. Ein linearer Baukörper entlang der Sainte-Catherine Street beherbergt Gastronomie, Verleih- und Aufenthaltsbereiche, die sich durch verschiebbare Glaswände vollständig zum Platz öffnen lassen. Massivholztragwerk, Geothermie und Wärmerückgewinnung unterstreichen FABGs Anspruch an eine ressourcenschonende Architektur.

Stadtökologie als Gestaltungsidee

Der wahre Charakter des Projekts liegt jedoch in seiner landschaftsarchitektonischen Konzeption. Gemeinsam mit dem Büro Fauteux et associés entwarfen FABG einen grünen Stadtraum, der ökologische Resilienz und urbane Atmosphäre verbindet. Insgesamt wurden 75 Bäume, Hunderte Sträucher und Stauden sowie eine große Rasenfläche gepflanzt. Diese Vegetation schafft nicht nur Schatten und Kühlung, sondern strukturiert die offene Platzfläche in verschiedene Aufenthaltszonen.

Ergänzend kommen 25 mobile Bäume in Großgefäßen hinzu, die flexibel verschoben werden können – eine Geste, die den Charakter des Platzes saisonal verändert und auf die wandelnde Nutzung reagiert. Im Sommer entsteht so eine grüne Kulisse aus schattigen Inseln, im Winter öffnet sich der Raum für Veranstaltungen und die Eisbahn.

Auch das Mikroklima wurde sorgfältig berücksichtigt: Verdunstungskühlung durch Bepflanzung und Oberflächenwasser reduziert die Hitzeentwicklung der stark versiegelten Innenstadt. Gleichzeitig bieten Sitzbänke um eine Gruppe von Ahornbäumen, Feuerschalen und bewegliche Stühle Orte des Rückzugs und der Begegnung – funktional und sinnlich zugleich.

Dachgärten und urbane Produktion

Ein besonderes Detail liegt auf dem Dach des linearen Gebäudes: Eine großflächige grüne Dachlandschaft dient der urbanen Landwirtschaft. Kräuter und Gemüse werden hier kultiviert und anschließend in der Gastronomie des Hauses verwendet – ein subtiler, aber wirkungsvoller Beitrag zur lokalen Kreislaufwirtschaft. Die Dachbegrünung unterstützt zudem die Wärmedämmung und Regenwasserrückhaltung des Gebäudes und wird so zu einem funktionalen Bestandteil des ökologischen Gesamtsystems.

Mit der Esplanade Tranquille entsteht ein Prototyp für den klimafunktionalen Stadtraum: ein Ort, der kulturelle Nutzung, Biodiversität und Energieeffizienz zusammenführt. In Zeiten zunehmender Urbanisierung und Hitzebelastung zeigt das Projekt beispielhaft, dass nachhaltige Stadtentwicklung nicht unbedingt in technischen Innovationen wurzeln muss.

Bautafel

Architektur: Les architectes FABG, Montreal (Québec)
Projektbeteiligte: Eric Gauthier, Marc-Antoine Fredette, Pierre Joly, Amandine Mortka (Projektteam); Fauteux et Associés (Landschaftsarchitektur); ALTO Design and Dikini (Designer Außenmöbel); Zébulon Perron (Innenarchitektur); TEQ inc. (Generalbauunternehmer); Petropoulos, Bomis et Associés (Klimatechnik); WSP (Maschinenbau-/Elektroingenieur); WSP (Bauingenieur/Statiker); 
Bauherr*in: City of Montreal
Fertigstellung: 2023
Standort: 1442 Rue Clark, Montréal, QC H2X 2R3, Kanada
Bildrechte: Steve Montpetit

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