Escalator von Tina Keane

Es geht um Wirkung der flüchtigen Bilder aufs Auge und den damit verbundenen Perspektivwechsel, um die permanente Bewegung ohne Fortkommen und die parallel nebeneinander herhastenden Welten.
Rolltreppen rahmen die einzelnen Bildsequenzen.
Zu sehen ist die Installation noch bis zum 25. Juli 2026 im Berliner Fluentum.

Informationen

Fluentum, Berlin

Veranstaltungszeitraum
Bis 25. Juli 2026
Veranstaltungsort
Fluentum, Berlin

Das Faszinierende am Rolltreppefahren ist ja eigentlich nicht die mühelose Fortbewegung – das kennt man vom Auto- oder Zugfahren. Faszinierend ist vielmehr der gleitende Perspektivwechsel im Raum, der einer filmischen Kamerafahrt gleicht. Der flüchtige szenische Moment, unhaltbar fürs Auge des Betrachtenden, der auf der Fahrtreppe eben nicht einfach innehalten und stehen bleiben kann. Gewissermaßen entsteht im Auge das Rolltreppengefühl. 

Das machte sich die britische Video- und Performance-Künstlerin Tina Keane zunutze. Sie schuf 1988 das Kunstwerk Escalator, deutsch Rolltreppe, das nun, 38 Jahre nach Erstausstellung, erstmals wieder in seiner vollständigen Rekonstruktion gezeigt wird. Und zwar in Berlin, wo Keanes Arbeiten im Kontext mit Werken von Hilary Lloyd und James Richards stehen und gemeinsam die Ausstellung Demolition/Escape formen. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf eine weitere von Keanes Installationen, die selbst aber gar nicht Teil der aktuellen Ausstellung ist.

Escalator besteht aus 22 klobigen Röhrenbildschirmen, die paarweise auf einer fünf Meter hohen Theatertreppe arrangiert sind. Was optisch sehr retro anmutet, ist inhaltlich ein topaktuelles Werk: Denn während sich auf den linken Bildschirmen Anzugträger in glänzender Architektur bewegen, zeigen die Bildschirme auf der rechten Seite Pendelnde, Reisende und Obdachlose in U-Bahnhöfen. Die Bilder sind jeweils von Rolltreppenstufen gerahmt und wechseln, sodass der Eindruck von Bewegung entsteht. Zwei Welten, die sich paarweise entwickeln, rastlos nebeneinander herhasten, um dann, in der Wiederholung der Sequenzen, nirgendwo anders anzukommen als da, wo sie gestartet sind.

Wer sich das anschauen möchte, muss sich beeilen. Die Installation ist nur noch bis zum 25. Juli 2026 aufgebaut. -rg

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