Fächerbad in Karlsruhe

Schwimmen unter freiem Himmel

Nach 30 Jahren, in denen das Fächerbad in Karlsruhe für badefreudige Gäste, Sportler*innen und Saunabegeisterte offenstand, war eine Sanierung dringend notwendig. 2012 lobte die Fächerbad Karlsruhe GmbH, die später gemeinsam mit der Stadt die Bauherrschaft übernahm, einen nichtoffenen Wettbewerb aus, mit dem Ziel, das Schwimmbad zu erneuern und zu einem Kombibad zu erweitern. Durchsetzen konnte sich das Architekturbüro Rossmann + Partner, welches das Bad in zwei Bauabschnitten bei laufendem Betrieb bis 2018 umbaute. 

Das neue Cabriobecken: ein 50-Meter-Becken wird überdacht von einer transparenten Membran.
Das kleinere Lehrschwimmbecken hat einen verstellbaren Hubboden.
Der Erweiterungsbau betont die bestehende architektonische Hinwendung des Bestands ins Grüne.

Den Bestand bildet ein querliegender Flachbau, der ein 50-Meter-Schwimmbecken mit darüber liegender Zuschauertribüne aufnimmt. In den zwei Gebäudearmen, die zu beiden Seiten flach abgewinkelt anschließen, sind ein kleineres Sprung- sowie ein Mehrzweckbecken untergebracht. Der bestehende Schwimmbadkomplex wird von der nördlichen Gebäudeseite aus erschlossen und öffnet sich in seiner Kubatur sowie Grundriss- und Fassadengestaltung zu dem im Süden anschließenden weitläufigen Grünraum. 

Im Grünen, unter freiem Himmel

Diese bestehende Figur und räumliche Ordnung setzte das Team um Rossmann + Partner in ihrem Entwurf fort und verstärkte die Hinwendung ins Grüne durch eine Verlängerung des einen der beiden Gebäudearme. Hier nimmt ein Neubau zwei weitere Schwimmbecken und einen Umkleidetrakt auf. Eine Besonderheit ist das Membrandach, das sich in der Größe des darunterliegenden sogenannten Cabriobeckens als Ganzes öffnen lässt, indem sich die Konstruktion aus sechs Fachwerkbindern und fünf Folienkissen über die angrenzende Dachfläche schiebt. Zusätzlich lassen sich auf den südlichen Seiten des Erweiterungsbaus in Richtung Grünraum Teile der Glasfassade öffnen, sodass der Charakter eines Freibades entsteht.

Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Fuge

Die tragende Fassadenstruktur bildet in diesem Bereich eine Pfosten-Riegel-Konstruktion, deren oberer Teil vom Dachtragwerk abgehängt ist, während der untere Teil mit den Schiebetüren auf der Bodenplatte steht. Die übrigen konstruktiven Bauteile sind in Stahlbeton gefertigt; die aussteifenden Kerne und Innenwände wurden massiv errichtet. In der südlichen Ansicht ist der Neubau durch eine deutliche Fuge mit Zwischenbau sichtbar vom Bestand abgesetzt. Im Inneren bildet die Anschlussstelle zwischen dem alten Schwimmbad und dem nördlich vorgesetzten neuen Umkleidebereich eine lange Rampe, die einen barrierefreien Übergang zwischen den beiden Gebäudeteilen schafft.

Neue Bädertechnik und zwei Sickermulden

Auch die Bädertechnik wurde im Rahmen der Sanierungs- und Umbauarbeiten erneuert. Die vorhandene Badewasser-Aufbereitungsanlage entsprach nicht mehr den geltenden technischen Anforderungen, sodass heute eine neue Anlage mit insgesamt sechs Aufbereitungskreisen alle Wasserbecken des Kombibades versorgt. Untergebracht ist die Anlage, wie auch die Lüftungs- und Elektrotechnik im Untergeschoss des Neubaus. Die Entwässerung ist im Gebäude als Trennsystem geführt und an die vorhandenen Grundleitungen angeschlossen. Das Abwasser der Gastronomieküche wird vor der Einleitung über einen Fettabscheider von fetthaltigen Substanzen gereinigt. Das Regenwasser und die Notentwässerung im Unterdrucksystem werden über zwei Sickermulden in den Außenanlagen entwässert.

Im zweiten Bauabschnitt der Sanierungs- und Umbauarbeiten wurde bis 2018 außerdem der Eingangsbereich aufgestockt und umgestaltet sowie die Fassadenteile des Bestandes dem Neubau angepasst. In einem dritten, 2022 fertiggestellten Bauabschnitt wurden die Außenanlagen der Sauna umgestaltet sowie zwei neue Saunahäuser ergänzt.

Bautafel

Architektur: Rossmann + Partner Architekten, Karlsruhe und Berlin
Bauherrschaft: Stadt Karlsruhe, Fächerbad Karlsruhe
Projektbeteiligte: THOST Projektmanagement, Pforzheim (Projektsteuerung); Architekturbüro Philipp Kern, Karlsruhe (Bauleitung); IG Bauen, Karlsruhe (Tragwerksplanung); DTF-Ingenieure, Velbert (Planung HLS); L&P Beratende Ingenieure, Haar (Bädertechnik); IBE Ingenieurbüro Elektrotechnik, Karlsruhe (Planung Elektro); Grötz (Rohbau), CENO Membrane Technology, Greven (Verfahrbares Dach), Trube & Kings Fassadentechnik, Höchstberg (Glasfassade), Robert Kopf, Karlsruhe (Abwasser-, Wasser-, Gasanlagen), Wassertechnik Wertheim, Wertheim am Rhein (Badetechnische Anlagen); ACO, Büdelsdorf (Passavant Bodenabläufe DN 70, Flachdachabläufe 2-teilig Spin DN 70, Hebeanlage Muli Duo, Fettabscheider LipuJet-P-OAP NS 4)
Fertigstellung: 2018
Standort: Fächerbad Karlsruhe, Am Sportpark 1, 76131 Karlsruhe
Bildnachweis: Daniel Vieser . Architekturfotografie (Fotos); Rossmann + Partner Architekten, Karlsruhe und Berlin (Pläne)

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