Erweiterung: Schulhaus Schachen in Aarau

Drei Achsen mehr

Unweit der Aare, westlich der Aarauer Altstadt, liegt das Schulhaus Schachen zwischen Wohnquartieren, Sportanlagen und weitläufigen Freiräumen. Alte Bäume säumen das Schulgelände, auf der Südseite öffnet sich der Blick über den neu gestalteten Spielbereich. Dazwischen erhebt sich ein langgestreckter Bau. Helle Betonstützen und dunkle Fensterbänder geben einen gleichmäßigen Takt vor. So wirkte das Gebäude jedoch nicht immer. Bei der Einweihung 1967 wirkte der von Emil Aeschbach mit Richner + Bachmann entworfene Baukörper deutlich kürzer und kompakter. Rund fünf Jahrzehnte später haben Ernst Niklaus Fausch Partner das Haus saniert, erweitert und sein prägendes Betongerüst fortgeschrieben.

Stützen, Fensterfelder und dunkle Brüstungselemente gliedern den verlängerten Baukörper in gleichmäßigem Takt.
Auf der Südseite öffnet sich das Schulhaus zum begrünten Außenraum und zum neu gestalteten Spielbereich.
Der naturnahe Spielbereich schließt unmittelbar an die Südfassade an und erweitert den Schulalltag ins Freie.

Steigende Schülerzahlen gaben den Ausschlag: 2013 beschloss die Stadt Aarau, den Schulkreis von sechs auf zwölf Grundschulabteilungen zu erweitern. Zugleich musste der Altbau heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit sowie Brand-, Erdbeben- und Hochwasserschutz genügen. Das Gebäude präsentierte sich weitgehend in gutem Zustand, auch seine klar gegliederte Anlage bot noch Spielraum. Statt tief in dieses Gefüge einzugreifen, entwickelte das Planungsteam es weiter.

Den Bestand in die Länge ziehen

Zwei neue Achsen verlängern das Schulhaus nach Westen, eine weitere setzt es nach Osten fort. Damit verändert sich seine Silhouette merklich: Aus dem eher gedrungenen Bau der 1960er-Jahre ist ein langes, horizontal gelagertes Schulgebäude geworden. Die vorhandene konstruktive Ordnung bleibt dennoch gut ablesbar. Stützenraster, Geschosshöhen und Fassadenteilung ziehen sich über Alt- und Neubau hinweg, während leicht schräg gestellte Stirnseiten die neuen Abschlüsse markieren. Gleichzeitig bleibt der Durchgang mit seiner Sichtachse vom Schulvorplatz zum Maienzugplatz erhalten. 

Die Erweiterung folgt damit einem Prinzip, das bereits im ursprünglichen Bau angelegt war. Das Schulhaus ist als Skelettbau konzipiert, ausgefacht mit nichttragenden Mauerwerkswänden. Als konstruktives Grundmaß dienen die 73 Quadratmeter großen Klassenzimmer. Kleinere Räume entstanden durch Unterteilungen. Diese robuste Anlage ließ unterschiedliche Nutzungen zu und erwies sich auch Jahrzehnte später als tragfähige Grundlage für den Umbau.

Der Beton gibt dem Haus bis heute sein Gerüst und seinen Ausdruck. Breite Unterzüge überspannen Klassenräume und Verkehrsflächen, massive Stützen gliedern Fassaden und Innenräume. Zwischen der grauen Tragstruktur setzen die rotbraunen Backsteine der Ausfachungen einen warmen, körnigen Kontrast. An vielen Stellen bleibt die Konstruktion offen sichtbar, das Material trägt seine Schalungsspuren und die Patina der vergangenen Jahrzehnte mit in die erneuerte Schule.

Ein Treppenhaus wird zum Lernort

Am eindrücklichsten entfaltet sich diese Architektur in der Haupterschließung. Hohe Betonstützen und kräftige Unterzüge fassen die Galerien im zentral gelegenen Bestandstreppenhaus. Breite Zwischenpodeste unterbrechen die Treppenläufe und schaffen Flächen, die schon im ursprünglichen Entwurf großzügiger ausfielen, als es ihre Funktion verlangt hätte. Lange blieben sie jedoch weitgehend leer, denn als Bestandteil der Fluchtwege durften sie kaum möbliert werden.

Die Erweiterung änderte diese Situation grundlegend. An den beiden Gebäudeenden kamen neue Treppenhäuser hinzu, die nun als Fluchtwege dienen. Damit konnte der bestehende Erschließungsraum für den Schulalltag aktiviert werden – beispielsweise mit Tischen, Sitzgelegenheiten und Arbeitsplätzen. Das neue Sicherheitskonzept setzte auf diese Weise räumliche Reserven frei, die bereits seit 1967 im Bau steckten. 

Auch statisch hängen Erweiterung und Ertüchtigung eng zusammen. Die neuen Bauteile an den Stirnseiten sichern die Erdbebentauglichkeit des Gebäudes und ergänzen zugleich die Wegeführung. Die vorhandene Stahlbetonkonstruktion musste dafür nicht grundlegend neu organisiert werden. Ihr Raster funktioniert weiter, nun ergänzt um Bauteile, die zusätzliche Aufgaben übernehmen. Die Sanierung nutzt den Beton damit auf zwei Zeitebenen: als erhaltenes Tragwerk des Bestands und als konstruktives Material der Erweiterung.

Klassenzimmer im vorhandenen Raster

Die innere Aufteilung folgt der vertrauten Ordnung: Zwölf Klassenzimmer reihen sich auf der Südseite aneinander. Nördlich des Korridors liegen Spezialräume, ergänzt um weitere Fach- und Gruppenräume auf allen drei Geschossen. Der Ausbau reagiert auf heutige Anforderungen, ohne das konstruktive Gefüge aus dem Blick zu verlieren.

In den Klassenräumen bleibt der Beton präsent. Unterzüge verlaufen sichtbar unter den Decken, rote Sichtbacksteinwände setzen sich davon ab, Einbauten und Tafelflächen ergänzen die Materialpalette. Weitgehend sichtbar sind auch Leitungen und Installationen, um möglichst wenig in die bestehende Betonkonstruktion einzugreifen. Große Fenster öffnen die Räume nach Südosten bzw. Nordwesten.

Im Zuge der Sanierung erhielten die bestehenden Klassenzimmer unter anderem neue Oberflächen, Einbauten und Akustikdecken. Möglich wurde dies auch durch ein Kostenmanagement, das einen Teil der Reserven, die ursprünglich für Unvorhergesehenes eingeplant waren, für zusätzliche Verbesserungen verfügbar machte. Bei der Materialwahl orientierte sich das Planungsteam an den ökologischen Vorgaben des Schweizer Gebäudestandards Minergie-ECO. Auf eine Zertifizierung verzichtete die Bauherrschaft, da keine kontrollierte Lüftungsanlage eingebaut wurde. Künftig versorgt Fernwärme das Gebäude.

Sanieren bei laufendem Betrieb

Gebaut wurde in Etappen. Zuerst entstanden von Sommer 2018 bis 2019 die Erweiterungen an beiden Enden, danach folgte bis 2020 geschossweise die Sanierung des Bestands. So konnte der Schulbetrieb weitgehend weiterlaufen, ohne für die gesamte Bauzeit auf Provisorien ausweichen zu müssen.

Auch der Zugang änderte sein Gesicht. Im Zusammenhang mit dem neuen Lift ersetzte ein höheres, vor die Fassade gestelltes Dach das frühere Vordach und fasst den Haupteingang heute großzügiger. Südlich des Gebäudes wurde zugleich eine zuvor wenig genutzte Wiese zu einem naturnahen Spielbereich umgestaltet. Ein direkter Ausgang verbindet das Schulhaus nun mit diesem Freiraum. Nach Unterrichtsschluss bleibt das Areal öffentlich zugänglich.

Bautafel

Architektur: Emil Aeschbach gemeinsam mit Richner + Bachmann (Bestand 1968); Ernst Niklaus Fausch Partner, Zürich / Aarau (Sanierung und Erweiterung 2020)
Projektbeteiligte: Werk Plan Bau, Aarau / Erne, Zürich (Bauleitung), Wilhelm + Wahlen Bauingenieure, Aarau (Tragwerksplanung), Hefti.Hess.Martignoni, Aarau (Elektro), Raimann + Partner, Aarau (HLS), Grolimund + Partner, Aarau (Bauphysik / Akustik)
Bauherr*in: Einwohnergemeinde der Stadt Aarau, vertreten durch das Stadtbauamt Aarau (Sektion Hochbau)
Fertigstellung: 2020
Standort: Schachen 27, 5000 Aarau, Schweiz
Bildnachweise: Hannes Henz, Zürich (Fotos), Ernst Niklaus Fausch Partner AG (Pläne)

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