Erweiterung Naturalis Biodiversitätszentrum in Leiden

Massivität und Ornamentik nach dem Vorbild der Natur

Im niederländischen Leiden erhielt das Naturkundemuseum Naturalis eine großzügige Erweiterung nach Plänen von Neutelings Riedijk Architekten. Aufgrund des wachsenden Raumbedarfs hatte sich die Museumsleitung bereits im Jahr 2013 entschieden, einen Wettbewerb auszuschreiben. Diesen konnte das Rotterdamer Architekturbüro für sich entscheiden. Die Erfahrungen von Neutelings Riedijk im Kulturbau sind vielfältig, sie haben bereits herausragende Architektur geschaffen.

Blick vom angrenzenden Park: Neutelings Riedijk ergänzten zwei konträre, einander durchdringende Baukörper.
Kontrast Wabenfassade und Naturstein
Hier lag die Idee zugrunde, geologische Gesteinsformationen abstrakt abzubilden.

Blockhaft massiv – ornamental und leicht

Das bestehende Ensemble des Museums ergänzen zwei konträre, einander durchdringende Baukörper: Einer ist rotbraun-weiß gestreift und erscheint wie aus verschobenen Steinblöcken zusammengesetzt; der andere ist höher, umfasst diesen, hat kubische Form und eine ornamentale weiße Wabenfassade. Der geschichtete Blockbau ruht im Erdgeschoss auf V-förmigen weißen Stützen. Sie markieren die einladend transparente Eingangsebene mit dem Hauptzugang in einem gläsernen Verbindungsbau zwischen Neubau und Bestand.

Die vier oberen Geschosse sind mit rotem Travertin bekleidet, der von horizontalen Schichten aus weißem Beton durchbrochen wird. Den Beton gestaltete die niederländische Modedesignerin Iris van Herpen mit einer Oberfläche wie weiche Falten von Stoff. Zugrunde lag die Idee, geologische Gesteinsformationen abstrakt abzubilden. Die Fassadengestaltung setzt sich nach innen fort.

Die ornamentierte und teiltransparente Hülle des höheren Baukörpers bildet einen starken Kontrast zur von Beton durchzogenen Natursteinfassade. Ovale und dreieckige Formen sind zu einer Gitterstruktur gefügt, ähnlich Flechten oder Korallen, aber auch der Struktur ineinandergreifender Moleküle. Das integrierte Glas sorgt für ein lichtdurchflutetes Atrium.

Organisation und Erschließung

Bei Dunkelheit illuminiert der beleuchtete Kubus den Außenraum rund um das Museum. Im Erweiterungsbau befinden sich alle Ausstellungsflächen, ein Restaurant, ein Auditorium sowie der Museumsshop. Der Altbau wurde komplett umstrukturiert und beherbergt nun die Büros, Depots und Labore.

Das Atrium verbindet Neubau und Bestand. Dominierend ist eine monumentale Treppe, die in frei tragenden Abschnitten die gestapelten Geschosse erschließt. Der Treppenlauf ist von Balkonen und Aussichtsplattformen unterbrochen, die zu den Exponaten auf verschiedenen Ebenen blicken lassen. Der Innenraum ist zudem mit fast 100 farbigen Wandpaneelen gestaltet, die Naturmotive des niederländischen Designers Tord Boontje zeigen.

Flachdach: Solarzellen für den Bestand, extensive Begrünung für den Neubau

Konsequenterweise wurde das neue Flachdach für das „Naturalis“ ökologisch nachhaltig konstruiert und die vorhandenen Dächer modernisiert. Die Dächer des Bestands wurden mit Solarzellen nachgerüstet, die Dächer des Erweiterungsbaus sind nach klassischem Regelaufbau extensiv mit Kräutern begrünt.

Da ein extensives Gründach nach dem Anlegen nicht mehr betreten wird, ist es wichtig, dass sich die Pflanzen ohne großen Pflegeaufwand selbst erhalten und weiterentwickeln können. Extensive Gründächer gleichen gerade im Stadtraum überbaute Naturflächen aus, binden Feinstaub, reduzieren Lärm und fördern die Artenvielfalt nützlicher Insekten. Niederschlagswasser wird gespeichert, überschüssiges Wasser verdunstet und das Kleinklima wird positiv beeinflusst.

Extensivbegrünung: Eigenschaften
Das Erscheinungsbild extensiv begrünter Dächer kommt einer weitgehend natürlichen, ungenutzten Fläche nahe. In der Regel überstehen die Pflanzen Standortbedingungen wie extreme Hitze, Frost und auch Wind problemlos. Extensivbegrünungen sind in der Ausführung leichter und bedürfen einer geringeren Aufbauhöhe als Intensivbegrünungen. Sie sind etwa 6 bis 15 cm hoch, das Gewicht variiert zwischen 50 und 250 kg pro Quadratmeter. Im Allgemeinen rechnet man mit Kosten zwischen 15 und 50 EUR pro Quadratmeter extensiver Dachbegrünung.

Es gilt vor Begrünung darauf zu achten, dass die Abdichtung mit großer Sorgfalt verlegt und kontrolliert wird, um Undichtigkeiten auszuschließen. Die Abdichtung sollte wurzelfest sein oder durch eine spezielle Schutzschicht wurzelfest gemacht werden. Als Materialien kommen alle gängigen Abdichtungen in Frage.

Bautafel

Architektur: Neutelings Riedijk, Rotterdam
Projektbeteiligte:
H+N+S, Amersfoort (Freianlagen); Aronsohn Raadgevende Ingenieurs, Rotterdam (Tragwerksplanung); J.P. van Eesteren, Gouda (Generalunternehmer); ABT BV ingenieursbureau, Velp (Fassadenplanung); IC ULC-Kuijpers, Utrecht (Gebäudetechnik); DGMR Raadgewende Ingenieurs, Arnhem (Bauphysik); Iris van Herpen, Wamel (Design Betonrelief); Studio Tord Boontje, London (Wandpaneele)
Bauherr:
Naturalis Biodiversity Center, Leiden
Fertigstellung:
2019
Standort:
Darwinweg 2, Leiden, Niederlande
Bildnachweis: Scagliola Brakkee Fotografie, Daria Scagliola und Stijn Brakkee, Rotterdam

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Bei einem extensiv begrünten Flachdach ist ein zusätzliches Flächengewicht von ca. 90-120 kg/m² zu berücksichtigen.

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