Erweiterung Helvetia Campus in Basel
Zwillingsturm für den Bestand
Am Helvetia Campus in Basel wird deutlich, wie sich ein Hochhaus der Nachkriegsmoderne architektonisch und energetisch zeitgemäß transformieren lässt. Nach Plänen von Herzog & de Meuron wurde der Hauptsitz der Versicherungsgesellschaft grundlegend neu organisiert: Ein neuer Büroturm ergänzt den bestehenden Hochhausbau aus den 1950er-Jahren als nahezu identischer Zwilling. Erst nach Fertigstellung des Neubaus wurde der Bestand umfassend saniert, mit dem Anspruch, Alt- und Neubau konstruktiv, gestalterisch und energetisch gleichwertig auszubilden.
Der ursprüngliche Büroturm entstand zwischen 1954 und 1956 südlich der St.-Alban-Anlage. Hochhäuser dieser Zeit zählen zu einem vergleichsweise seltenen Bautypus der Nachkriegsmoderne, der das Stadtbild vieler europäischer Zentren dennoch bis heute prägt. Anstatt den Bau zu ersetzen, entschieden sich Bauherrschaft und Architekt*innen bewusst für eine Strategie des Weiterbauens. Volumen, Proportionen und Fassadenrhythmus des Bestands werden vom Neubau übernommen, während dieser im Anschluss technisch, funktional und energetisch erneuert wird. Damit bleibt der historische Bau nicht bloß erhalten, sondern wird aktiv in eine zeitgemäße Nutzung überführt.
Neue Mitte, neue Erschließung
Zwischen den beiden Hochhäusern spannt sich ein transparentes Auditorium auf, das als neue Adresse und gemeinsamer Erschließungsbereich dient. Das Dach des eingeschobenen Baukörpers wird von 24 schlanken Stützen getragen, die jeweils rund zwölf Meter hoch sind und einen nahezu öffentlichen, durchlässigen Ort entstehen lassen. Die raumhohen Verglasungen sorgen für viel Tageslicht; Senkklappfenster ermöglichen eine natürliche Belüftung. Über diesen zentralen Eingangsbereich werden beide Türme mit insgesamt rund 1.200 Arbeitsplätzen erschlossen. Ein prägendes Motiv beider Türme sind die Stirnseiten mit übereinanderliegenden rautenförmigen Fensteröffnungen.
Energetische Ertüchtigung auf Hochhausniveau
Sowohl Neubau als auch Bestand erhielten eine neue Gebäudehülle auf Basis hochwärmegedämmter Aluminium-Fenster-, Tür- und Fassadensysteme von Schüco. An den Längsseiten kam eine Closed-Cavity-Fassade zum Einsatz – eine geschlossene zweischalige Ganzglasfassade mit kontrolliertem Zwischenraum, die Energieeffizienz, Tageslichtnutzung und Nutzerkomfort verbessert und zugleich den Wartungsaufwand reduziert. Heizung und Kühlung der Büros erfolgen unabhängig davon über Heiz-Kühl-Akustikdecken; die Lüftung unterstützt bei schnellen Temperaturwechseln. Neben dem sommerlichen Wärmeschutz bewährt sich das System auch akustisch.
Gestalterisch verfolgen die Architekt*innen eine differenzierte Fassadenstrategie, in der sich das formulierte Leitbild von Herzog & de Meuron widerspiegelt, mit der Fassade jedes Projekts etwas Neues zu wagen. Während die Längsseiten von einer präzise vorgefertigten Hightech-Fassade geprägt sind, erhalten die Stirnseiten eine transluzente Gussglasverkleidung aus handgefertigten, dreieckigen Elementen. Deren Rautenmotiv leitet sich aus der inneren Treppenstruktur ab und bindet auch die markanten rautenförmigen Fenster in das Fassadenbild ein.
In den Attikageschossen unter den Flachdächern öffnen raumhohe Verglasungen den Blick über Basel. Während im Neubau informelle Aufenthaltsbereiche untergebracht sind, wird das oberste Geschoss des sanierten Bestands als öffentlich zugängliches Café genutzt. Ergänzt wird das Energiekonzept durch Nachtauskühlung sowie durch Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtfläche von fast 900 Quadratmetern auf allen drei Dächern.
Graue Energie als Planungsgröße
Aus Sicht des Bauens im Bestand ist vor allem der Umgang mit der vorhandenen Substanz bemerkenswert. Der überwiegende Teil der bestehenden Tragstruktur und Architektur wurde weiterverwendet. Allein dadurch konnten mehr als 80 Prozent der grauen Energie eingespart werden, die für einen vergleichbaren Neubau angefallen wäre. Wo Bauteile ersetzt werden mussten, wurde auf einen sortenreinen Rückbau und die Wiederverwendung geachtet. Neubau, Auditorium und der Zwillingsturm wurden nach DGNB- und SGNI-Kriterien zertifiziert und mit dem Platin-Standard ausgezeichnet.
Bautafel
Architektur: Herzog & de Meuron, Basel
Bauherrschaft: Helvetia Versicherungen, Basel
Projektbeteiligte: Aepli Metallbau, Gossau; Rapp
Architekten, Münchenstein; Schüco International:
Fenster-/Fassadensysteme Schüco AWS 70.HI, Schüco AWS 90.SI
(Sonderprofile), Schüco ADS 75 HD.HI
Bildnachweis: Zeljko Gataric, Zürich
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