Erweiterung des Adler Historic Guesthouse in Brixen

Anbau mit Schuppenkleid aus grünen Fliesen

Die italienische Stadt Brixen in Südtirol besticht durch ihre charmante Mischung aus alpenländischer und mediterraner Kultur. Ihre malerische Altstadt und die umliegenden Berge ziehen das ganze Jahr über zahlreiche Besucher*innen an. Das ortsansässige Architekturbüro Bergmeisterwolf sanierte und erweiterte das erste Haus am Platz, den Goldenen Adler, das heute neudeutsch als Adler Historic Guesthouse firmiert. Innerhalb von fünf Monaten modernisierten die Architekt*innen das Vier-Sterne-Hotel, erweiterten es um 14 Zimmer auf insgesamt 43 und schufen im aufgestockten Dachgeschoss einen neuen Spa-Bereich.

Schlicht und wertig sind die Räumlichkeiten geworden, alpenländischen Kitsch sucht man vergebens.
Im Innenhof des 500 Jahre alten Hotel-Gebäudes, das von Bergmeisterwolf umfassend saniert wurde, entstand ein turmartiger Bau mit einer schuppenartigen Haut aus grünen Fliesen: The Pin.
Der polygonale, dreigeschossige Baukörper in Holzbauweise balanciert auf einer gedrehten, quadratischen Betonstütze.

Historische Rekonstruktion und moderner Anbau

Die Herberge blickt auf eine über 500-jährige Geschichte zurück. Die Architekt*innen legten die historischen Details des in die Jahre gekommenen Hauses frei und rekonstruierten die Fassade nach einem Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert. Schlicht und wertig sind die Räumlichkeiten geworden, alpenländischen Kitsch sucht man vergebens. Die größte Intervention fand im kleinen Innenhof statt: Dort entstand ein turmartiger Bau mit einer Schuppenaut aus grünen Fliesen

Der polygonale, dreigeschossige Baukörper in Holzbauweise balanciert auf einer gedrehten, quadratischen Betonstütze – eine Anforderung des Hochwasserschutzes. Kupferbleche fassen die Gebäudekanten und Fensterlaibungen ein und setzen einen reizvollen Farbkontrast zum grünen Fliesenkleid.

Schillerndes Schuppenkleid aus Biberschwanzziegeln

Die Fliesen sind eigentlich Biberschwanzziegel (18 x 38 cm) mit farbiger Glasur aus vorgeschmolzenen Quarzen. Das Baumaterial, das zur Eindeckung von Dächern genutzt wird, zweckentfremdeten die Architekt*innen kurzerhand als Fassadenbekleidung und witterungsfeste Hülle für den hölzernen Baukörper. 

Die gebrannten Tonziegel kamen in vier unterschiedlichen Grüntönen zum Einsatz, ihre Anordnung ist scheinbar zufällig. Die glänzende Glasur und die Formgebung lassen sofort an das schillernde Schuppenkleid eines Fisches, einer Schlange oder eines Drachen denken. Der kleine Baukörper beherbergt einige zusätzliche Gästezimmer. So eigensinnig seine Hülle wirken mag – die Materialwahl stellt durchaus einen engen Bezug zur gebauten Umgebung her: Viele der umliegenden Häuser sowie der Dom und die Pfarrkirche sind mit Biberschwanzziegeln gedeckt.

Eine verspielte Raffinesse erlaubten sich die Planer*innen allerdings: Sie ersetzten einige grüne Tonziegel durch Biberschwänze aus Glas, damit mehr Tageslicht in die dahinterliegenden Bäder gelangt. -sas

Bautafel

Architektur: Bergmeisterwolf, Brixen
Projektbeteiligte: Exact-Ingenieure, Brixen (Tragwerksplanung); Obkirker, Vahrn (Bauunternehmen); Lutz Studio Associato, Klausen (Lichtplanung); Studio Troi & Schenk, Vahrn (Planung); Geologe Jesacher & Tranquilini, Bruneck (Geologie); Michaeler & Partner, Vahrn (Ingenieure)
Bauherr*in: Finsterwirt SAS, Mayr Christoph, Brixen
Fertigstellung: 2023
Standort: Adlerbrückengasse 9, 39042 Brixen, Italien
Bildnachweis: Gustav Willeit

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