Ergebnisse: Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur

Auszeichnungen für herausragende Ziegelarchitektur verliehen

Wie lässt sich mit Backstein zeitgemäß und nachhaltig bauen? Die Gewinner des Erich-Mendelsohn-Preises 2026 geben darauf ganz unterschiedliche Antworten. Am 4. September wurden die Auszeichnungen in Berlin verliehen. Den Grand Prix erhielt noAarchitecten für die Erweiterung und Restaurierung der mittelalterlichen Burganlage Het Steen in Antwerpen. Der Entwurf verbindet historische Bausubstanz und zeitgenössische Architektur und macht das Denkmal zugleich zu einem lebendigen öffentlichen Ort.

Winner Gold in der Kategorie Büro- und Gewerbebau: Hotel Leo in St. Gallen von Boltshauser Architekten, Zürich
Winner Gold in der Kategorie Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau: Veemgebouw in Eindhoven von Caruso St John Architects, London
Winner Gold in der Kategorie Einfamilienhaus/Doppelhaushälfte: Umbau Siedlerhaus Battin in Brüssow von Klöpfel Zeimer Architekten, Berlin

Bei der siebten Auflage des alle drei Jahre durch die Initiative Zweischalige Wand – Bauen mit Backstein vergebenen Preises wurden 533 Projekte aus mehr als 40 Ländern eingereicht. Die Jury legte in diesem Jahr besonderes Augenmerk auf den konstruktiven und gestalterischen Einsatz von Backstein, den Umgang mit dem Bestand und soziale Aspekte. Neben dem Grand Prix wurden 14 weitere Projekte mit Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet. Erstmals vergab die Jury außerdem die Auszeichnung Best in Germany für drei deutsche Projekte, die architektonische Qualität mit nachhaltigem Bauen verbinden. Eine Goldauszeichnung der Newcomer-Jury ging an den Entwurf Kühlturm von Deborah Süß, der mit passiver Kühlung auf die zunehmende Überhitzung der Städte reagiert.

Winner Grand Prix


Het Steen in Antwerpen von noAarchitecten, Brüssel
Jurybegründung: Die Erweiterung der mittelalterlichen Burganlage schreibt deren bewegte Geschichte behutsam weiter. Ein neuer Flügel ersetzt einen Anbau aus den 1950er-Jahren, verbindet unterschiedliche Zeitschichten und stärkt Het Steen als historischen Ort, Passage und städtisches Wahrzeichen. Erstmals geht der Grand Prix damit nach Belgien – in ein Land, dessen Baukultur seit Jahrhunderten eng mit dem Backstein verbunden ist.

Winner Gold nach Kategorien


Büro- und Gewerbebau
Hotel Leo in St. Gallen von Boltshauser Architekten, Zürich
Jurybegründung: Der Hotelneubau setzt einen neuen Hochpunkt am Rand der St. Galler Innenstadt. Seine grünliche Backsteinfassade vermittelt zwischen Alt und Neu, während natürliche Materialien und eine flexible Gebäudestruktur eine nachhaltige Nutzung ermöglichen. Durch die präzise Setzung des Neubaus entsteht zugleich ein neuer öffentlicher Platz.

Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau
Veemgebouw in Eindhoven von Caruso St John Architects, London
Jurybegründung: Das denkmalgeschützte modernistische Lagerhaus wird mit minimalen Eingriffen weitergenutzt und um drei Wohngeschosse ergänzt. Eine markante Aufstockung mit begrüntem Dachhof stärkt die Rolle des Gebäudes als Orientierungspunkt im Quartier Strijp-S. Die wellenförmigen Backsteinfassaden führen die Materialität des Bestands eigenständig fort und verbinden die Transformation mit bezahlbarem Wohnraum.

Einfamilienhaus/Doppelhaushälfte
Umbau Siedlerhaus Battin in Brüssow von Klöpfel Zeimer Architekten, Berlin
Jurybegründung: Ein präziser Raumeinbau aus Sichtmauerwerk ordnet ein Siedlerhaus der 1950er-Jahre von innen neu. Die begehbare Backsteinplastik verbindet die Geschosse und schafft neue Blick- und Wegebeziehungen. Dabei wird der Backstein zugleich zum konstruktiven und räumlichen Ausgangspunkt einer Neuinterpretation elementarer häuslicher Räume und Rituale.

Newcomer
Kühlturm am Bayerischen Platz in Leipzig von Deborah Süß, HTWK Leipzig
Jurybegründung: Der Kühlturm verbindet industrielle Formensprache mit traditionellen Prinzipien passiver Kühlung. Als Busstation verknüpft der Entwurf einen alltäglichen Ort des Wartens mit einem öffentlich zugänglichen Kühlraum und reagiert damit auf die zunehmende Aufheizung urbaner Räume. Gedrehte Backsteine leiten kühle Winde ins Innere und schaffen einen öffentlichen Rückzugsort.

Best in Germany
Erstmals vergab die Jury 2026 die Auszeichnung Best in Germany. Sie würdigt Projekte, die gestalterische Qualität und nachhaltiges Bauen in der deutschen Baukultur miteinander verbinden.

Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau
Ein Monolith als Lückenschluss in Berlin-Neukölln von DMSW Architektur Stadt Landschaft, Berlin
Jurybegründung: Auf einem als unbebaubar geltenden Grundstück schließt ein markanter Backsteinbau den Blockrand. Seine besondere Kubatur übersetzt komplexe Vorgaben in eine prägnante architektonische Figur und verwandelt den schwierigen Bauplatz in gemeinschaftlich getragenen Wohn- und Arbeitsraum.

Öffentliche Bauten, Freizeit und Sport
Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule in Köln von ZILA, Köln
Jurybegründung: Die Erweiterung ergänzt den fragmentierten Blockrand des Kölner Georgsviertels. Roter Wasserstrichziegel und differenzierte Fugenraster greifen die heterogene Umgebung auf und verleihen dem Neubau eine ruhige Eigenständigkeit.

Büro- und Gewerbebau
Maschinenzentralstation in Hamburg von BIWERMAU Architekten, Hamburg
Jurybegründung: Die behutsame Sanierung und Erweiterung der ehemaligen Energiezentrale in der Hamburger Speicherstadt macht unterschiedliche Zeitschichten sichtbar und schafft ein Ensemble im Sinne einer nachhaltigen Stadtreparatur. Mit der Sanierung der ehemaligen Maschinenzentralstation und der Wiedererrichtung des im Krieg zerstörten Kopfbaus erhält das UNESCO-Weltkulturerbe ein Stück seiner ursprünglichen Gestalt zurück.

Die unabhängige Jury des Erich-Mendelsohn-Preises 2026 für Backstein-Architektur setzte sich aus folgenden fünf Architekturexpertinnen und -experten zusammen: Max Wasserkampf (Präsidiumsmitglied BDA), Marie Bruun Yde (Redaktion Bauwelt), Josep Ricart (HARQUITECTES, Winner Grand Prix 2023), Jórunn Ragnarsdóttir (Lederer Ragnarsdóttir Architekten) sowie Lena Unger (Meier Unger Architekten). Die dreiköpfige Newcomer-Jury bestand aus Jeanette Kunsmann (Chefredakteurin DETAIL), Jurek Brüggen (undjurekbürggen, Winner Newcomer 2023) und Benedikt Hotze (Pressereferent BDA).

Auf der Webseite des Preises sind die Gewinner und weitere ausgezeichnete Projekte dokumentiert (siehe Surftipps).

Bauwerke zum Thema

Um das brachliegende Restgrundstück zu nutzen, plante das Büro Boltshauser Architekten eine Verdichtung mit einem schmalen, achtgeschossigen Hotelneubau aus Lehmbausteinen.

Um das brachliegende Restgrundstück zu nutzen, plante das Büro Boltshauser Architekten eine Verdichtung mit einem schmalen, achtgeschossigen Hotelneubau aus Lehmbausteinen.

Gewerbe/​Industrie

Hotel Leo in St. Gallen

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