Erdbebensichere Bambusstrukturen

Modulares Bausystem für Häuser in Myanmar

Das Land Myanmar westlich von Thailand, das nach wie vor auch Burma genannt wird, ist von Bürgerkrieg und einer repressiven Militärregierung sowie hoher Armut und nicht zuletzt Naturkatastrophen gezeichnet. Nur selten geraten die Lebensumstände der rund 55 Millionen Burmesen in den hiesigen Fokus. Ein Projekt, das Hoffnung macht und essentielle Hilfe vor Ort leistet, widmet sich dem Bau von Wohnhäusern, Schulen oder Krankenhäusern für in Not geratene Gemeinschaften.

Das innovative System besteht aus gebündelten Bambusstäben mit kleinem Querschnitt, die an den Kreuzungspunkten ineinandergreifen.
Für eines der 2025 fertiggestellten Projekte entstanden 32 Wohneinheiten für rund 150 Menschen in der Region Bago im Südosten des Landes.
Die ersten errichteten Einheiten hielten bereits einem Erdbeben mit Stärke 7,7 unversehrt Stand.

Bambuskonstruktionen, die starken Erdbeben und Windlasten standhalten

Das in der zweitgrößten Stadt Mandalay gegründete Start-up Housing NOW hat ein Bausystem aus Bambus entwickelt, das sich innerhalb kurzer Zeit nach Anleitung von lokalen Arbeitern selbst errichten lässt und sichere Behausungen für die Menschen bietet. Wie sicher und beständig die Konstruktionen sind, zeigt eines der jüngsten dramatischen Ereignisse im Land. Eines der zuletzt fertiggestellten Projekte bestehend aus 26 Häusern für in Not geratene Familien befand sich nur 15 Kilometer nördlich des Epizentrums eines Erdbebens, das mit einer Magnitude 7,7 auf der Richterskala im März 2025 das Land erschütterte. Die Häuser hielten unversehrt Stand, selbst hohen Windlasten sind sie nach Angaben der Planenden gewachsen.

Ausgeklügeltes Prinzip eines dicht geschnürten Bambusbündels

Das Bausystem von Housing NOW basiert auf einem einfachen, jedoch innovativen Prinzip: Der nachwachsende Rohstoff Bambus, der bereits lange Tradition im asiatischen Raum hat, wird gebündelt. Der Querschnitt eines Bambusstabs ist denkbar klein, die Dichte der Elemente und Knotenpunkte jedoch relativ hoch. Dadurch kann eine hohe Stabilität erzielt werden. Die aufgeständerten Konstruktionen bilden ein Fachwerk aus Stützen und Streben mit meist flachen oder flach geneigten Dächern. Dabei werden an den Kreuzungspunkten die einzelnen Bambusstäbe aufgefächert, sodass die Bündel ineinandergreifen. Auch Konstruktionen aus stabilen Bambus-Einzelstäben mit größerem Querschnitt konnte die Gruppe bereits realisieren.

Unterschiedliche Bauaufgaben über das Land verteilt

Der Entwurf für einige bereits realisierte Projekte geht auf das einheimische Büro Blue Temple Architecture Design aus Rangun zurück. Dazu gehören 79 Wohnhäuser für Familien bzw. geschätzt 250 Menschen, die zwischen 2019 und 2025 in der Region Mandalay im Zentrum des Landes sowie der Region rund um die viertgrößte Stadt Bago im Südosten realisiert wurden. Auch Schulen oder Sport- und verschattete Spielplätze in Rangun, ein Gesundheitszentrum im burmesischen Himalayagebirge, ein Lagerhaus oder ein Konzept für eine modulare Zeltkonstruktion aus Bambus gehören dazu.

Eine Einheit so teuer wie ein Smartphone

Für die Wohnhausprojekte geben die Hersteller eine Bauzeit von 7 Tagen pro Einheit an. Die Kosten liegen bei 1000 bis 1300 US-Dollar pro Wohneinheit, „so viel wie ein Smartphone“, wie die Initiatoren erklären. Damit das Konzept so viele Menschen wie möglich erreicht, haben sie eine anschauliche Bauanleitung für ihre Bambuskonstruktionen erstellt, die Kommunen mithilfe lokaler Arbeitskraft und Materialien dabei helfen soll, die serielle Umsetzung selbst vorzunehmen. Auch das Pflanzen und Wachsen von Bambus wird im DIY-Manual, wovon zunächst 500 Exemplare gedruckt wurden, bildhaft erklärt. 

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