Entwässerung geneigter Dächer

Die Entwässerung geneigter Dächer ist ein kritischer Aspekt des Architekturentwurfs. Ein gut gestaltetes Entwässerungssystem verhindert Wasseransammlungen und schützt dadurch das Gebäude. Die Wahl des Entwässerungssystems hängt von mehreren Faktoren ab, darunter Dachtyp, Neigung, klimatische Bedingungen und architektonische Gestaltung.

Die außen liegende Entwässerung ist das am häufigsten verwendete System zur Ableitung von Regenwasser von geneigten Dächern.
Innen liegende Entwässerung der geneigten Dächer am Kunstmuseum Ahrenshoop, Architektur: Staab Architekten
Halbrunde Dachrinne aus verzinktem Stahl

Außen liegende Entwässerungssysteme

Die außen liegende Entwässerung ist das am häufigsten verwendete System zur Ableitung von Regenwasser von geneigten Dächern. Es umfasst sichtbare Komponenten wie Dachrinnen und Fallrohre, die entlang der Dachkanten angebracht werden. Diese Elemente sammeln das Regenwasser und leiten es von der Dachfläche weg zu den Fallrohren, die es sicher zum Boden oder in ein Drainagesystem führen. Damit das System einwandfrei funktioniert, müssen die Dachrinnen und Fallrohre korrekt dimensioniert sein, um Überläufe bei starkem Regen zu verhindern. Auch die regelmäßige Wartung ist wichtig, damit das System dauerhaft zuverlässig funktioniert.

Innen liegende Entwässerungssysteme

Die innen liegende Entwässerung ist eine spezielle Methode zur Regenwasserableitung, die vor allem in Gebäuden mit hohen ästhetischen Ansprüchen eingesetzt wird, in denen eine sichtbare Außenentwässerung unerwünscht oder technisch nicht machbar ist. Bei diesem System werden Regenwasserleitungen diskret innerhalb der Dachstruktur oder in den Gebäudewänden verlegt. Das Wasser sammelt sich in Kanälen unter der Dachfläche, um dann sicher in die Gebäudeentwässerung oder ein unterirdisches Ablaufsystem geleitet zu werden. Diese Installation erfordert eine präzise Planung und Dimensionierung, um Leckagen zu vermeiden. Zudem müssen Faktoren wie Wärmedämmung und Luftzirkulation berücksichtigt werden, um Kondensation zu verhindern. Die innen liegende Entwässerung muss regelmäßig gewartet werden, da mögliche Probleme nicht sofort sichtbar sind.

Dachrinnen

Dachrinnen sind in verschiedenen Arten und Materialien erhältlich. Typische Formen sind Kastenrinnen, halbrunde Rinnen und V-Rinnen. Bei der Materialauswahl stehen zum Beispiel verzinkter Stahl, Aluminium, Kupfer und Kunststoff zur Verfügung. Jedes Material bietet spezifische Vorteile: Metalle sind robust und korrosionsbeständig, während Kunststoff kostengünstig, leicht und einfach zu installieren ist. Die Dimensionierung der Dachrinne hängt von der Dachfläche und der durchschnittlichen Regenmenge ab.


Fallrohre

Die Platzierung der Fallrohre ist strategisch wichtig: Sie sollten an den niedrigsten Punkten der Dachrinne angebracht werden, um einen effizienten Wasserfluss zu gewährleisten. Die Größe der Fallrohre muss auf die Dachgröße und die Kapazität der Dachrinnen abgestimmt sein, um auch bei starkem Regen ein Überlaufen zu verhindern. Für die nahtlose und wasserdichte Anbindung der Fallrohre an die Dachrinnen kommen oft Verbindungselemente wie Rinnenbögen oder Rohrschellen zum Einsatz. Zusätzlich zu Rinnen und Rohren gibt es diverse Ablaufsysteme, die je nach Gebäudetyp und lokalen Wetterbedingungen eingesetzt werden. Diese reichen von einfachen Überlaufsystemen bis hin zu komplexeren Lösungen, die auch bei extremen Wetterbedingungen funktionieren.

Berechnung der Wassermenge

Die Berechnung der Wassermenge, die von einem Dach abgeführt werden muss, ist ein wesentlicher Schritt bei der Planung eines Entwässerungssystems. Die Dachfläche bildet die Grundlage für diese Berechnung. Hierbei handelt es sich um die gesamte horizontale Projektionsfläche des Daches. Größere Dachflächen sammeln naturgemäß mehr Regenwasser und erfordern daher ein leistungsfähigeres Entwässerungssystem. Ein weiterer Faktor ist die Niederschlagsintensität, die die durchschnittliche Niederschlagsmenge der Region angibt, oft in Millimetern pro Stunde. Regionen mit höherer Niederschlagsintensität erfordern eine größere Entwässerungskapazität. Die Dachneigung spielt ebenfalls eine Rolle: Steilere Dächer ermöglichen eine raschere Ableitung von Wasser und reduzieren somit die Menge an Wasser, die sich ansammeln kann. Bei flacheren Dächern besteht hingegen eine höhere Tendenz zur Wasseransammlung. Der Abflusskoeffizient berücksichtigt die Effektivität, mit der verschiedene Dachmaterialien und -neigungen Wasser ableiten. Zum Beispiel hat ein glattes Material bei steiler Neigung einen höheren Abflusskoeffizienten, da diese Bedingungen die Wasserabfuhr erleichtern. Im Gegensatz dazu hält ein strukturiertes Dachmaterial bei geringer Neigung das Wasser stärker zurück und hat somit einen niedrigeren Abflusskoeffizienten. Die Berechnung erfolgt durch die Multiplikation der Dachfläche mit der Niederschlagsintensität und dem Abflusskoeffizienten. Das Ergebnis gibt die maximale Wassermenge an, die das Entwässerungssystem bewältigen muss.

Gefälle bei Dachrinnen und Fallrohren

Bei Dachrinnen wird in der Regel ein leichtes Gefälle empfohlen, damit das Wasser kontinuierlich zu den Fallrohren fließt und keine Wasseransammlungen entstehen. Das typische Gefälle liegt oft zwischen 0,5 Prozent und 2 Prozent, aber dies kann je nach den örtlichen Gegebenheiten und den spezifischen Anforderungen angepasst werden. Das Gefälle muss präzise eingestellt sein, um sowohl Wasseransammlungen als auch zu schnellen Abfluss zu vermeiden. Ein zu geringes Gefälle kann dazu führen, dass Wasser in den Dachrinnen stehen bleibt, während ein zu steiles Gefälle zu schnellem Abfluss und Überläufen führen kann. Im Gegensatz dazu benötigen Fallrohre aufgrund ihrer vertikalen Ausrichtung in der Regel kein Gefälle, da das Wasser aufgrund der Schwerkraft nach unten fließt.

Autorin: Alexandra Busch, freie Architektur- und Baufachjournalistin in Darmstadt

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