Energiezentrale in Freising

Zwischen Zweckbau und nachbarschaftlichem Miteinander

Dass Infrastrukturbauten weder eintönig noch rein funktional sein müssen, beweist die Energiezentrale in Freising. Das kompakte Blockheizkraftwerk mit Trafostation und Café unterstützt die Energieversorgung des neuen Wohnquartiers „Angerbogen“ im Süden der Stadt. Mit seiner markanten Betonarchitektur, der polygonalen Form und großzügig auffaltbaren Fensterfronten setzt das Gebäude einen prägnanten städtebaulichen Akzent und markiert den Eingang zum neuen Wohngebiet. Entworfen wurde es vom Büro Dantele.

Ein mit Lärchenholz verkleideter Sockel fasst das Erdgeschoss und nimmt dem robusten Baukörper seine Schwere.
Darüber schließt die massive Sichtbetonfassade mit einem schmal auskragenden Gesims ab, das die Holzverkleidung schützt und sich im Bereich der Glas-Faltwände zu einem eleganten Vordach ausweitet.
Das Café öffnet sich auf rund 45 Quadratmetern großzügig und transparent zum Platz hin und bildet damit den einladenden, öffentlichen Bereich des Gebäudes.

Städtebaulicher Kontext und Gebäudeform

Der Angerbogen entsteht auf einem ehemaligen Gewerbeareal und umfasst über 450 Wohnungen sowie eine Kindertagesstätte. Die namensgebende Angerstraße trennt die Wohnbauten von der südlich gelegenen Energiezentrale. Ihr Grundriss hat die Form eines gestreckten, unregelmäßigen Fünfecks, das sich mit seiner schmalen Front nach Osten zur Stadt und mit seinen breiten Fassadenseiten zu einem neuen Vorplatz hin öffnet. Aufgrund der polygonalen Kubatur hat das Gebäude je nach Blickrichtung eine andere Ansicht. Seine Höhe ergab sich aus den Abmessungen des 80.000 Liter fassenden Pufferspeichers.

Fassade aus Holz und Beton

Die Materialwahl der Energiezentrale folgt der Funktion: Der Generator benötigt aus statischen und akustischen Gründen eine hohe Masse, weshalb Beton als Hauptmaterial nahelag. Auch der 24 Meter hohe Abluftkamin besteht aus Stahlbeton und fügt sich nahtlos in das Gesamtvolumen ein. Ein mit Lärchenholz verkleideter Sockel fasst das Erdgeschoss und nimmt dem Baukörper seine Schwere. Darüber schließt die Sichtbetonfassade mit einem auskragenden Gesims ab, das die Holzverkleidung schützt und sich über den Glas-Faltwänden zu einem schmalen Vordach ausweitet. Übergroße Bullaugenfenster durchbrechen die Betonflächen im Obergeschoss und gewähren Einblicke ins Innere.

Raumaufteilung und Atmosphäre 

Im westlichen Teil des Gebäudes befinden sich die technischen Funktionsräume hinter der geschlossenen Betonfassade – darunter das Blockheizkraftwerk, der Pufferspeicher und die Trafoanlagen. Nach Osten öffnet sich das knapp 45 Quadratmeter große Café zum Platz und bildet den einladenden, öffentlich zugänglichen Bereich. Im Untergeschoss sind die Sanitäranlagen und die Technik untergebracht. Der Verzicht auf eine Zwischendecke über dem Erdgeschoss schuf einen sieben Meter hohen Raum mit fast sakraler Wirkung, die durch die nachtblauen Wandflächen noch unterstrichen wird. Ein Bullaugenfenster bringt Tageslicht herein, während schlichte Pendelleuchten bei Dunkelheit für warmes Licht sorgen.

Transparenz durch Glas-Faltwände

Trotz der massiven Betonkonstruktion wirkt das Café hell und einladend. Verantwortlich dafür sind die 2,60 Meter hohen Glas-Faltwände, die den Raum auf drei Seiten öffnen. Das eingesetzte System Woodline von Solarlux besteht aus schichtverleimtem Lärchenholz, das mit dem gleichen Holzöl behandelt wurde wie die Lärchenholzpaneele im hinteren Bereich des Erdgeschosses und eine einheitliche Optik erzeugt.

Flexible Gestaltung

Die schmale Profilkonstruktion der Glas-Faltwände von nur 143 mm im Flügelstoß lässt viel Tageslicht in den Raum und bietet gleichzeitig eine hohe gestalterische Flexibilität. Anzahl und Öffnungsrichtung der Faltelemente sowie die Kombination mit Drehtüren und Festelementen konnten individuell auf den polygonalen Grundriss und die Anforderungen des Cafés abgestimmt werden. Die drei Faltanlagen bestehen aus jeweils vier bis fünf Elementen, die sich nach dem Ziehharmonika-Prinzip zusammenschieben und platzsparend unter dem schlanken Vordach parken lassen. Ergänzend wurden auf allen Gebäudeseiten Drehtüren mit Komfortverriegelung und beidseitiger Bedienungsmöglichkeit eingebaut. In den Bodenschienen schützt der Solarlux-Trittschutz „3s-Protection“ aus Aluminium vor Verformungen und Verschmutzungen. Bei Bedarf lässt er sich unkompliziert austauschen.

Bautafel

Architektur: büro dantele, Freising
Projektbeteiligte: ver.de Landschaftsarchitekten Stadtplaner, Freising (Landschaftsarchitektur); SK Hahn, Unterdietfurt (Fassade); Solarlux, Melle (Hersteller: Glasfaltwand System Solarlux Woodline, Holzart Lärche; Woodline Festfenster aus Holzprofilen, Holzart Lärche)
Bauherr*in: Freisinger Stadtwerke Versorgungs-GmbH
Fertigstellung: 2024
Standort: Angerstraße 17, 85354, Freising
Bildnachweis: Sebastian Schels (Fotos); büro dantele (Pläne)

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Falttüren bestehen aus einer fast schon beliebigen Anzahl von vertikalen Elementen, die über gelenkige Scharniere verbunden zu einer Art Zickzack zusammengeschoben oder – wie der Name sagt – gefaltet werden.

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Fenstertüren werden oft als Balkon- oder Terrassentüren eingesetzt. Im Bild das Beispiel einer Glas-Faltwand mit Holzrahmen (Serie Woodline von Solarlux).

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