Energiewende ohne Außendämmung

Forschungsprojekt in Hamburg

Dämmmaßnahmen und der Einbau neuer Gebäudetechnik kann ein Bestandsgebäude stark verändern – auch äußerlich. Diese Perspektive kommt für eine Welterbestätte wie der Hamburger Speicherstadt nicht in Frage. Wie können also die Gebäude energieeffizienter werden, ohne dass in die markante Backsteinfassade eingegriffen wird? Das wird im Forschungsvorhaben CO2-neutrales Weltkulturerbe Speicherstadt Hamburg untersucht.

In den unteren Geschossen und auf dem Dach befinden sich die Komponenten des systemischen Versorgungsansatzes.
Die PV-Module der Dachdemonstratoren werden als Kupferblech- und Schiefernachbildungen mit farbig bedruckten Gläsern ausgeführt.
Erste Prototypen der Systemkomponenten wurden auf den Messen „denkmal 2022“ in Leipzig und  „BAU 2023“ in München gezeigt.

Das Projekt ist eine Kooperation der Eigentümerin HHLA Immobilien mit dem Institut für Werkstoffe im Bauwesen der Universität Stuttgart, der HafenCity Universität Hamburg und dem E.ON Energy Research Center der RWTH Aachen. Ziel der ersten Projektphase, die bis Juni 2024 läuft, ist, die oft unterschätzten Potenziale der Solarthermie aufzuzeigen sowie Alternativen zu einer maximalen Dämmung zu finden. Das Forschungsvorhaben besteht aus insgesamt fünf Teilprojekten und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.

Für die Untersuchung wurden Teile von Block H der Speicherstadt zum Forschungslabor umgebaut. Hauptbestandteile der Anordnung sind zwei insgesamt 100 Quadratmeter große, hybride Dachdemonstratoren mit kombinierten PV- und Solarthermieanlagen und eine Wärmepumpe im Erdgeschoss und ein zwölf Kubikmeter fassender Speicher im Keller. Davon sind sechs Kubikmeter als Eisspeicher und sechs als Beton-Feststoffspeicher vorgesehen.

Aufgrund der denkmalgeschützten Backsteinfassaden kommt das Vorhaben ganz ohne Außendämmung aus. Stattdessen werden drei verschiedene, mineralische Innendämmsysteme mit nur wenigen Millimetern Putzstärke vergleichend getestet. Die Forschenden prüfen außerdem, wie bestehende Heizsysteme auf erneuerbare Energien mit Wärmepumpe umgestellt werden können, ohne die alten Wandheizkörper und Rohleitungen durch Flächenheizungen ersetzen zu müssen. Mit dem Erhalt der Bestandsanlagen sollen unter anderem Kosten gespart werden.

Die Erprobung der Komponenten und ihres Zusammenspiels erfolgt durch Messreihen während der Heizperiode im Winter 2023/2024. Mit belastbaren Ergebnissen ist im Mai 2024 zu rechnen.

Bildnachweis: HHLA Hamburg / Oliver Bock / Universität Stuttgart, IWB

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