Einfamilienhaus in Schwerin
Nachverdichtung mit Holz, Stroh und Lehm
Angesichts knappen Baulandes, steigender Grundstückspreise und eines notwendigerweise sparsamen Umgangs mit Grund und Boden hat die Nachverdichtung des Stadtraums an Bedeutung gewonnen. Neben Aufstockungen, Anbauten und Baulückenschließungen rückt auch das Bauen in zweiter Reihe in den Fokus. Rückwärtige Grundstücksbereiche und bislang ungenutzte Flächen bieten Potenzial für zusätzlichen Wohnraum. Der Holzbau eignet sich hierfür besonders gut: Leichte Konstruktionen, ein hoher Vorfertigungsgrad und kurze Montagezeiten erleichtern das Bauen unter beengten innerstädtischen Bedingungen. Ein gelungenes Beispiel ist ein Einfamilienhaus in Schwerin, das der ortsansässige Architekt Daniel Boepple für sich und seine Familie in vorgefertigter Holzrahmenbauweise realisierte.
Kompakter Neubau im Hinterhof
Das Wohnhaus in zentraler Lage von Schwerin befindet sich in zweiter Reihe und wird über das Vordergrundstück erschlossen. Der zweigeschossige Neubau neben einer ehemaligen Autowerkstatt hat eine Wohnfläche von 105 Quadratmetern. Mit dem Bestand ist er über einen schmalen Eingangsbau verknüpft. Im Übrigen setzt sich das Haus in seiner kompakten Form, mit gerundeten Ecken und Flachdach von dem eingeschossigen Riegel mit Pultdach deutlich ab. Trotz innerstädtischer Lage entsteht eine ruhige und geschützte Wohnsituation mit großzügigem Garten.
Flexibler Grundriss und Nutzung des Bestandes
Der Neubau ist auf die Bedürfnisse einer vierköpfigen Familie zugeschnitten. Der Grundriss ist flexibel und lässt sich an veränderte Gegebenheiten anpassen. Einen Großteil des Erdgeschosses nimmt ein offener Wohnraum mit Küche und Essbereich ein, der durch wenige Einbauten gegliedert und zum Garten orientiert ist. Im Obergeschoss befinden sich drei Schlafzimmer und ein Bad. Das Bestandsgebäude beherbergt eine kleine Gästewohnung sowie Abstellflächen.
Holzrahmenbau mit Strohdämmung, Holzbalkendecke mit Lehmsteinen
Konstruktiv handelt es sich um einen Holzrahmenbau, dessen vorgefertigte Wandelemente mit Stroh gedämmt sind. Die Holzbalkendecke ist mit eingelegten Lehm-Deckensteinen ausgeführt. Die Außenwände bestehen aus Holzständern (6 × 26 cm) im Abstand von 80 cm; das Raster ist auf das Format der Strohballen abgestimmt. Der insgesamt rund 50 cm starke Wandaufbau wird innen durch einen drei Zentimeter starken Lehmputz und außen durch eine hinterlüftete Holzfassade abgeschlossen. Nach Herstellung der Bodenplatte aus Beton wurden zunächst die Erdgeschosswände, anschließend die Holzbalkendecke und die Obergeschosswände montiert. Das Flachdach besteht aus vorgefertigten CLT-Elementen. Fenster und Fassadenbekleidung wurden vor Ort ergänzt.
Douglasienholz für die Fassade
Eine vertikale Holzschalung aus Douglasie bildet die umlaufend einheitlich gestaltete Fassade. Die zehn Zentimeter breiten Bretter sind als Boden-Deckel-Schalung mit geschlossenen Fugen ausgeführt. So lassen sich die teils gerundeten Außenwände ausführen – die schmalen Bretter werden entsprechend angepasst und verschraubt. Eine Versilberungslasur unterstützt die gleichmäßige Vergrauung der Douglasie und sorgt für ein homogenes Erscheinungsbild. Verschiebliche Holzelemente mit horizontalen Lamellen an der Südseite bilden einen außenliegenden Sonnenschutz.
Lehm-Deckensteine, Kiefernholz und Eichendielen
Den Wohnraum prägt die unverkleidete Geschossdecke aus Holzbalken und eingelegten Lehm-Deckensteinen, welche auch als thermische Speichermasse dienen. Die nichttragenden Innenwände sind mit sägerauem, unbehandelten Kiefernholz beplankt. Im Erdgeschoss bilden Eichendielen den Bodenbelag. Auch die Möbel im Küchen- und Wohnbereich sind aus Holz gefertigt. Zusammen mit dem Lehm trägt das Material zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Nach der zugrunde liegenden CO₂-Berechnung bindet das Gebäude rund fünf Tonnen CO₂.
Das Energiekonzept setzt auf einfache Haustechnik und einen hohen Grad an Autarkie. Ein zentraler, holzbefeuerter Kaminofen dient als Hauptwärmequelle, große Südfenster ermöglichen passive solare Wärmegewinne. Rund 70 Prozent des Energiebedarfs werden durch Photovoltaik gedeckt; Regenwasser wird für die WC-Spülung genutzt.
Bautafel
Architektur: Daniel Böpple, Schwerin
Projektbeteiligte: Halm, Hohenmocker (Holzbau mit Strohdämmung); Christoph Trost, Dettingen Erms, Berlin (Tragwerksplanung); Tobias Wagner, Hamburg (Energieberatung)
Bauherr*in: Privat
Fertigstellung: 2026
Standort: Schwerin
Bildnachweis: Fridolin Full, Berlin, München
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