Einfamilienhaus C-VL in De Haan

Sichtbares Mauerwerk außen wie innen

Ein schmales, langes Baufeld und eine uninspirierte Architektur aus den 1960er-Jahren mit mehreren kleinteiligen Anbauten. Das war der erste Eindruck den das Team des Büros Graux & Baeyens von einem Bungalow in der Küstengemeinde De Haan hatte. Auf den zweiten Blick offenbarte das Haus jedoch einige interessante Elemente. Reduzierte man den Grundriss auf das Wesentliche, so bestand er aus eineinhalb Quadraten. Für den Umbau und die Erweiterung des Einfamilienhauses C-VL spiegelten die Architekturschaffenden diesen Grundriss, sodass drei Quader mit quadratischer Grundfläche entstanden.

Der Grundriss basiert auf auf drei Quadern mit quadratischer Grundfläche.
Das Gebäude steht auf einer langen, schmalen Parzelle.
Eingang, Lagerraum und Toilette sind in einem der ursprünglichen Anbauten untergebracht, einem schmalen, schlauchartigen Gebäudeteil an der Nordseite.

Drei Quadrate, drei Kreuze

Um die Decken statisch zu unterstützen, führte das Team ein neues konstruktives wie strukturelles Element ein: In jedem Raum kreuzen sich zwei Doppel-T-Träger auf einer Stütze. Diese sind asymmetrisch in den drei Räumen angeordnet, sodass jeder Raum anders zoniert wird. Im zentralen Quader, dem Wohnzimmer, übernimmt ein raumprägender Kamin die Rolle der Stütze. In den anderen zwei Quadern befinden sich die Küche, das Esszimmer und die Schlafzimmer. Eingang, Lagerraum und Toilette sind in einem der ursprünglichen Anbauten untergebracht, einem schmalen, schlauchartigen Gebäudeteil an der Nordseite.

Die Südseite des Wohnzimmers ist vollständig verglast und öffnet sich über große Schiebetüren zum Außenraum. Da die Fassade an dieser Stelle um rund zwei Meter zurückspringt, entsteht eine geschützte Terrasse, die in Richtung Nachbargebäude durch eine Außenmauer gefasst wird. Die Mauer folgt den Konturen eines ursprünglichen, weiteren Nebengebäudes. Die einstigen Fenster und Türen sind als unverglaste Öffnungen nachempfunden. Über große Fenster in den Seitenwänden entstehen zudem Blickbeziehungen zu den Räumen in den anderen Quadern.


Sichtbares Mauerwerk außen wie innen

In den Innenräumen dominieren unverkleidete Materialien, die ihnen einen rauen Charakter verleihen und einen Kontrast zu den Textilien, wie Teppichen, Vorhängen und Polstermöbeln bilden. Die hohen Decken bestehen aus unverputzten roten Ziegeln. Das Mauerwerk der Außen- und Innenwände wurde in gebrochenem Weiß geschlämmt und ist somit noch immer sicht- und fühlbar. Im Wohnzimmer ergänzen auskragende Betonscheiben am Kamin den rauen Charakter des Hauses. Die Nutzung der Räume war nicht vordefiniert. Die Bewohnerschaft sollte die Freiheit haben, ihren Lebensraum selbst zu gestalten – so die Verantwortlichen. -sh

Bautafel

Architektur: Graux & Baeyens Architekten, Gent
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2017
Standort: De Haan, Belgien
Bildnachweis: Jeroen Verrecht, Brüssel

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