Effizienz im Wohnungsbau

Serielles Bauen mit Kalksandstein

Als Antwort auf die vorherrschende Wohnungsknappheit und massiven Mietpreissteigerungen entwickelte die Wolfsburger Wohnungsgesellschaft Neuland das Projekt Wohnen für Alle. Das 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise entstandene Konzept sieht vor, in kürzester Zeit qualitativen und kostengünstigen Wohnraum für alle Bürger*innen zu schaffen. Gelingen soll dies durch eine kompakte und modulare Bauweise sowie eine möglichst einfache Haustechnik.

Ein zentraler Baustein des Konzeptes ist die vom Bauteam-Partner eingebrachte Konstruktion mit effizientem wie wirtschaftlichem Kalksandstein-Mauerwerk im Großformat.
Trotz ambitionierter Kostenziele verfügen die Wohnungen über Balkone, das Grundstück ist grün und einladend.

In einem im Oktober 2023 veröffentlichen Interview mit dem Markenverbund KS-Original konstatiert Hans-Dieter Brand, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft, dass für den Erfolg des Projekts zudem Einfachheit, Kommunikation und effiziente Planungsabläufe grundlegend seien. Bereits in der Planungsphase werde daher das sogenannte Partnerschaftsmodell (auch Bauteam-Verfahren) eingesetzt.

Partnerschaftsmodell

Das in Niedersachsen für den geförderten Wohnungsbau bereits akzeptierte Verfahren erlaubt es Unternehmen, im Sinne der Effizienz, an Stelle eines regulären Wettbewerbs nach Vergabe- und Vertragsordnung für Bauaufgaben Teil A (VOB/A) ein Präqualifikationsverfahren einzugehen. Hier können Unternehmen auf Grundlage eines Vorentwurfs eine Kostenschätzung abgeben. Das aus diesem Prozess ausgewählte Unternehmen wird dann in die Planungsphase eingebunden und unter Einhaltung der vorangegangenen Kostenprognose ohne weitere Ausschreibungen beauftragt. So werden Bauabläufe, Bauteile und Details schon frühzeitig festgelegt und steigende Kosten durch Nachträge reduziert. Die Neuland holte dafür die B&O Gebäudetechnik Nord als Bauteam-Partner mit an den Planungstisch.

Serielles Bauen

Um auch in der Bauphase den Effizienzgrad beizubehalten, entschied sich die Wohnungsgesellschaft unter Beratung der B&O Gebäudetechnik Nord für den Einsatz seriell gefertigter Bauteile. Besonders wichtig, so Brand, seien die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit dieser. So beschlossen die Planungsverantwortlichen den Einsatz von großformatigem Kalksandsteinmauerwerk, da dieses schnell herstellbar ist und sich ohne Probleme in die Grundstruktur des Gebäudes einfügen und nach Bedarf anpassen lässt. Auch in anderen Wohnbauprojekten setzte die Neuland aus diesem Grund bereits auf Kalksandsteinmauerwerk.


Des Weiteren wurde bei den Gebäuden auf eine Unterkellerung und eine Tiefgarage verzichtet. Außerdem werden sämtliche Wohnungen durch eine optimierte Grundrissplanung von nur einem Installationsschacht versorgt. Ein weiterer Faktor, der Zeit und Kosten spare, sind die eingesetzten Fertigbäder, erläutert Brand die weiteren Planungsparameter.

Bisher zeigt das ambitionierte Projekt durch eine vorausschauende Bauplanung und den Einsatz zeitsparender, flexibler Bauteile Potenzial für den Wohnungsmarkt. Neben dem Ablauf erwiesen sich auch die Kompaktheit und die einfache Planung der Wohngebäude als besonders wirtschaftlich. So weist etwa das Projekt Wohnen für alle am Sportplatz in Detmerode, das mit 48 Wohnungen realisiert wurde, einen Ausbaufaktor von 3,94 (Brutto-Rauminhalt / Wohnfläche) auf, während ein herkömmliches Projekt der Wohnungsgesellschaft mehr als den doppelten Wert erreicht.

Inzwischen wurden insgesamt 190 solcher Wohneinheiten umgesetzt. Zwei weitere Gebäude mit nochmal 24 Wohnungen sind in Vorbereitung.

Quelle: KS-Original, Hannover

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