Dynafit Headquarters in Kiefersfelden
Gefaltete Fassade aus Glas und Metall
Wer sich im Alpinsport bewegt und mit Trailrunning, Bergsteigen oder Skitouren vertraut ist, kennt Dynafit als Hersteller für die nötige Ausrüstung. 2024 erhielt das Unternehmen in Kiefersfelden, an der deutsch-österreichischen Grenze, eine neue Zentrale. Den internationalen Architekturwettbewerb für die Dynafit Headquarters entschied das spanische Planungsbüro Barozzi Veiga für sich. Ein eigens entwickeltes Fassaden- und Sonnenschutzsystem hüllt den markanten Baukörper ein.
Architektonische Bergspitzen
Am nördlichen Eingangstor der Alpen, zwischen der A93 und dem westlichen Ufer des Inns, fällt der minimalistisch anmutende Neubau schon von weitem ins Auge. Das aus zwei ineinandergeschobenen Dreiecksprismen bestehende Volumen weckt Assoziationen an die umliegende Alpenlandschaft – und bettet das Gebäude nicht nur in seinen geografischen Kontext ein, sondern macht zugleich die Corporate-Identity der Bauherrschaft architektonisch erlebbar. In den rund 32 Meter hohen „Bergspitzen“ verteilen sich auf sechs Geschossen ein Flagship-Store, Büro- und Eventflächen, ein Bistro sowie Showrooms, Ateliers und Testräume für markeneigene Produkte.
Offene Raumstruktur mit Sichtbezügen
Die beiden Haupteingänge liegen mittig an der Ost- und Westfassade, sprich an der Schnittstelle der beiden Prismen. Ein weiterer Zugang befindet sich an der Nordseite. Zwischen den beiden Bauvolumen spannt sich ein von Glas und Sichtbeton geprägtes, viergeschossiges Foyer auf, das als zentraler Verteilerraum dient. Von hier aus erschließt eine einläufige, repräsentative Haupttreppe das erste Obergeschoss. Ein rechteckiges Oberlicht versorgt den hohen Raum mit Tageslicht. Im nördlich anschließenden Prisma sind offene Büroflächen und Showrooms angeordnet, während das südliche einen großzügig dimensionierten Flagshipstore mit doppelter Raumhöhe und Galerieebene aufnimmt.
Der Innenraum ist als helles, offenes Raumgefüge konzipiert, das klare Sichtbeziehungen und kurze Wege ermöglicht. Entsprechend sind die Erschließungskerne an der Nordost- und Südwestfassade angeordnet; sie beinhalten jeweils Treppenhaus und Aufzug und gewährleisten eine durchgängige, barrierefreie Erschließung aller Ebenen.
Von der Bergwelt inspiriertes, kühles Interieur
Im ersten Obergeschoss befindet sich ein geräumiges Bistro mit regionaler Küche, das sowohl Mitarbeitenden als auch Besucher*innen offensteht. Einbaumöbel und Brüstungen aus Edelstahl, geneigte Wände und Decken und die Kombination aus Sichtbeton und Glas folgen – reduziert und kühl – dem Bergwelt-Narrativ.
Im zweiten bis vierten Obergeschoss sind weitere Werkstätten, Showrooms und Arbeitsflächen untergebracht. Das fünfte beherbergt einen Trainings- und Fitnessbereich. Durch die Dachschrägen reduziert sich mit zunehmender Höhe die jeweilige Geschossfläche. Während sich der südliche Baukörper gen Osten verjüngt, verjüngt sich der nördliche gen Westen.
Gefaltetes Fassadensystem
Die wie gefaltet anmutende Gebäudehülle setzt sich aus großflächigen Verglasungen und Metallelementen zusammen und ermöglicht ungehindert Ausblicke in die Umgebung sowie eine natürliche Belichtung der Innenräume. Die geneigten Pfosten-Riegel-Konstruktionen der Dachflächen bestehen aus weiß lackierten Stahlprofilen, selektiv beschichteter Dreifachisolierverglasung und außenliegenden Verschattungspaneelen in Dreiecksform. Bei den übrigen Ansichten wurden vorgehängte hinterlüftete Fassaden ausgeführt. Auch sie sind mit dreieckigen Metallpaneelen überzogen, wodurch über alle Gebäudeteile ein einheitliches Erscheinungsbild hinweg entsteht.
Parametrisch optimierter Sonnenschutz
Ein zentrales Entwurfsziel war, einen leistungsfähigen Sonnenschutz in die Architektur zu integrieren. Mithilfe eines parametrischen 3D-Modells und lokaler Sonnenstrahlungsdaten wurde die Fassadengeometrie optimiert. Die daraus entwickelte Berg- und Talfaltung ist mit perforierten, dreieckigen Metallpaneelen ausgestattet, die weitgehend orthogonal zur jeweiligen Sonnenstrahlung angeordnet sind und die Sonneneinstrahlung effektiv reduzieren sollen. Simulationen zeigen eine Verringerung der solaren Einstrahlung um rund 53 % an der Ost- und 63 % an der Westfassade.
Spiel aus Licht und Schatten
In Kombination mit der Sonnenschutzbeschichtung der Verglasung werden die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz zuverlässig erfüllt. Gleichzeitig entstehen durch die Faltung der Fassade und die perforierten Paneele differenzierte Schattenspiele, die das äußere Erscheinungsbild beleben und im Innenraum eine atmosphärische Lichtstimmung erzeugen.
Bautafel
Architektur: Barozzi Veiga, Barcelona
Projektbeteiligte: Yorgos Apostolopoulos, Andrea Bergamini, Paola Calcavecchia, Oskar Jobin, Kim-Lou Monnier, Alessandro Lussignoli, Rodrigo Martinez, Martin Meinecke, Miguel Pereira Vinagre, Toni Poch, Verena Recla, Andrei Sashko, Rob Scott, Nelly Vitiello (Wettbewerbsteam); Verena Recla; Andrea Bergamini, Paola Calcavecchia, Caterina Delaini, Marta Grządziel, Hannes Lukesch, Vasco Marcolin, Cristian Munteanu, Sofia Pozzoli, Maxime Soquet, Elvira Turek, Maria Ubach, Anina Weber (Projektentwicklung); Plan Team (Projektmanagement und Kostenplanung); Plan Team (Projektcontrolling); Bergmeister Ingenieure (Tragwerksplanung); SHP – Stiefmüller Hohenauer & Partner (Technische Gebäudeausrüstung); SPEKTRUM Bauphysik & Bauökologie (Nachhaltigkeitsberatung und Akustik); Knippers Helbig (Fassadenplanung); Bartenbach (Lichtplanung); K33 Brandschutz – Riedner Wagner+Partner (Brandschutz); Henning Larsen (Landschaftsarchitektur)
Bauherr*in: Dynafit, Mountain Experience Beteiligungs-Holding
Fertigstellung: 2024
Standort: Kaiserreich Straße 15, 83088 Kiefersfelden
Bildnachweis: Brigida Gonzáles, Simon Menges & Nino Tugushi (Fotos); Barozzi Veiga (Pläne)
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