Digitaler Raumplausch

Neue Freiheit – Suffizient Bauen

In dem Format Raumplausch lädt Thomas Geuder, Journalist für Architektur und Design sowie Autor dieses Wissensportals, Planende und Künstler*innen zu einer Gesprächsrunde ein. Der digitale Austausch findet jeweils parallel zu einer passenden Ausstellung in der Raumgalerie in Stuttgart statt. Im aktuellen Raumplausch spricht Thomas Geuder mit Theresa Keilhacker, Präsidentin der Berliner Architektenkammer, und Robi Wache vom gleichnamigen Architekturbüro. Diskutiert wird über Suffizienz, Zirkularität und neue Freiheiten. 

Der digitale Austausch findet jeweils parallel zu aktuellen Ausstellung der Raumgalerie in Stuttgart statt.
 Im aktuellen Raumplausch spricht Thomas Geuder (unten) mit Theresa Keilhacker (oben rechts), Präsidentin der Berliner Architektenkammer, und Robi Wache (oben links) vom gleichnamigen Architekturbüro.

In der Ausstellung Neue Freiheiten – Suffizient Bauen, die bis zum 30. November 2024 in der Raumgalerie stattfand, präsentierten Robi Wache Architekten Ansätze für den kreativen Umgang mit bestehenden Strukturen und stellten tatsächliche Bedürfnisse und Verbrauch in Relation. Denn Suffizienz bedeutet eine nachhaltige Restrukturierung des Konsumsystems. Zugrunde liegt der Widerspruch von einem überproportionalen Bedarf an Ressourcen zum begrenzten Angebot auf der Erde.

Form follows Verfügbarkeit 

Ein Thema, mit dem auch der Raumplausch startet: Theresa Keilhacker formuliert mit den Worten „Form follows Verfügbarkeit“ einen entscheidenden Ansatz, nach dem Architekt*innen planen sollten. Gleichzeitig, muss das bereits Bestehende und Verbaute im Kreislauf gehalten werden. Wie ein rotes Band zieht sich das Thema Zirkularität durch das zweistündige Gespräch. Auch Robi Wache bezieht Stellung und beschreibt die aktuellen Herausforderungen in der Praxis: Der Baumarkt für gebrauchte Materialien sei noch nicht da. In der Innenraumgestaltung scheint die Verwendung gebrauchter Bauteile bereits gut zu funktionieren, ansonsten ständen viele wiederverwertbare Baustoffe noch nicht zur Verfügung. Das erschwere die Planung, auch wenn der Wille von Architekt*innen und Bauherr*innen grundsätzlich da sei. 

 

Neue Narrative 

Neben der praktischen Umsetzung müssen sich auch die Narrative ändern. Bestand gilt noch immer als Risiko, so Robi Wache. Die Haftungsfrage sollte daher gemeinsam getragen werden. Ein Ansatz, in dem auch mitschwingt, dass Architektur grundsätzlich als das angesehen werden sollte, was es ist: Teamwork. Zudem müsse die Unperfektheit an Akzeptanz erlangen. Bleibt der Schönheitsfehler ein optischer Makel, so müssen wir als Gesellschaft lernen, damit zu leben und es vielleicht sogar als neuen Maßstab anerkennen. Als Vertreter der nachhaltigen Idee sieht Theresa Keilhacker die Ausbildungsstätten. Hier liege Hoffnung, denn die Lehre hat bereits auf die Ressourcenfrage reagiert. Trotzdem braucht es noch viele Hebel. Einen ersten Schritt machten die Architektenkammern selbst: Durch eine bundesweite Zusammenarbeit werden in vielen Kammern mittlerweile einheitliche Fortbildungsangebote gemacht. 

Nichtsdestotrotz bleibt noch viel zu tun. Der Raumplausch gibt einen detaillierten Einblick, in den Status quo und in potenzielle Zukünfte. Thematisch führt die Gesprächsrunde durch Best Practice Beispiele, wie das Projekt Wizemann Areal von Robi Wache Architekten, sowie theoretische Ansätze: Die Publikation A wie Zirkularität der Architektenkammer Berlin ist ein Leitfaden zum Planen und Bauen im Kreislauf und steht kostenfrei zur Verfügung (s. Surftipps). Wer jetzt Lust bekommen hat, sollte sich das gehaltvolle Gespräch mit Thomas Geuder, Theresa Keilhacker und Robi Wache anschauen.

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