Die Typenreihe Q6

Eines der ersten Wohnhäuser der Typenreihe Q6 am Nadelwehrring, Sommer 1966
Ansichten eines viergeschossigen Q 6-Wohnbocks mit Ofenheizung, Straßenseite (links) und Gartenseite (rechts), 1959
Innenseiten der Publikation

Die Typenreihe Q6

Ulrich Hartung u. Philipp Meuser / Hrsg. v. Stanley Fuls

Von der Bauakademie zur Bestandserneuerung
DOM publishers, Berlin 2026
288 Seiten, 290 Abbildungen

Preis: 28 EUR

ISBN 978-3-86922-499-2

Zwischen traditionellem Massivbau und industriellem Plattenbau nimmt die Typenreihe Q6 eine besondere Stellung in der Architekturgeschichte der DDR ein. Ab 1958 entwickelt und 1960 eingeführt, gehörte sie zu den ersten zentral vorgegebenen Wohnungsbauserien in Großblockbauweise, die in der gesamten DDR eingesetzt wurden. Entwickelt wurde sie am Institut für Typung der Deutschen Bauakademie. Das Buch Die Typenreihe Q6. Von der Bauakademie zur Bestandserneuerung von Ulrich Hartung und Philipp Meuser zeichnet ihre Entstehung nach und fragt zugleich, welches Potenzial die inzwischen rund sechzig Jahre alten Gebäude für die Zukunft besitzen.

Ausgangspunkt ist der Wohnkomplex VI in Eisenhüttenstadt. Dort wurden die fünfgeschossigen Q6-Bauten ab 1966 bezogen. Die Gebäude entstanden als Teil eines städtebaulichen Gefüges aus Wohnzeilen, Freiflächen, Versorgungseinrichtungen und später ergänzten Hochhäusern. Ein Teil des Bestands wurde in den 2000er-Jahren im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost aufgrund von Leerstand abgerissen.

Hartung und Meuser ordnen die Q6 in die Entwicklung des industrialisierten Wohnungsbaus im 20. Jahrhundert ein und untersuchen ihre Konstruktion, Typologie und architektonischen Merkmale. Charakteristisch ist ein Zweispänner mit zwei Wohnungen je Geschoss. Durch unterschiedliche Wand- und Türelemente ließen sich Ein- bis Vierraumwohnungen ausbilden. Gute Belichtung und Querlüftung standen dabei schmalen Fluren, kleinen Bädern, fehlenden Aufzügen und teilweise fehlenden Balkonen gegenüber.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf dem heutigen Umgang mit diesem Bestand. Grundlage ist unter anderem ein bauhistorisches Gutachten, das das Büro von Philipp Meuser für die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft erarbeitet hat. Die konstruktive Struktur der Q6 bietet Möglichkeiten für Anpassungen: Während die quer zur Gebäudelängsachse angeordneten Wände das Tragwerk bilden, lassen sich nichttragende Innenwände vergleichsweise flexibel verändern. Dadurch können etwa kleinere Wohnungen zusammengelegt und neue Grundrissvarianten entwickelt werden.

Im Kapitel Weiterbauen mit Q6 richtet sich der Blick schließlich auf die zukünftige Entwicklung des Wohnkomplexes. Dabei geht es nicht allein um die Modernisierung einzelner Wohnungen, sondern um Strategien für einen seriellen Umbau des gesamten Bestands. Die ursprüngliche Logik der Typenplanung wird damit gewissermaßen fortgeführt: Standardisierte Lösungen sollen nun nicht die Produktion neuer Gebäude, sondern deren Transformation erleichtern.

Aus dem Inhalt:

  • Ein Wohnkomplex wird sechzig. Und neu erfunden.
  • Zur Neubewertung des seriellen Wohnungsbaus
  • Vom Block zur Serie: Block-Montagebauten in der deutschen Wohnarchitektur des 20. Jahrhunderts
  • Die Typenreihe Q6: Modernisierung des Großblockbaus
  • Der Wohnkomplex VI: Ein Kapitel der Geschichte von Eisenhüttenstadt
  • Konstruktion im Bestand: Tragstruktur, Bauphysik und Strategien der Bestandsertüchtigung
  • Weiterbauen mit Q6: Transformation und Zukunft eines Stadtbausteins
  • Kennwerte der Typenreihe Q6
  • Vergleichstabellen der DDR-Wohnungsbauserien
  • Veröffentlichungen in der Fachliteratur

Das reich bebilderte Buch verbindet bauhistorische Forschung mit einer sehr gegenwärtigen Frage: Wie lässt sich der umfangreiche Bestand des seriellen Wohnungsbaus weiterentwickeln, ohne seine vorhandenen Qualitäten aufzugeben? Anhand eines konkreten Bautyps zeigt es, dass Standardisierung nicht nur die Entstehung, sondern auch den Umbau von Gebäuden erleichtern kann. Damit ist Die Typenreihe Q6 nicht nur die Dokumentation eines bislang wenig beachteten Kapitels der DDR-Baugeschichte, sondern zugleich ein Beitrag zur aktuellen Diskussion über Umbaukultur, bezahlbaren Wohnraum und den Umgang mit dem baulichen Erbe der Nachkriegsmoderne.

Fachwissen zum Thema

Umbau: Ein zuvor wenig genutztes und unscheinbares Bürogebäude bauten MVRDV und Hirschmüller Schindele Architekten für das Veranstaltungszentrum Atelier Gardens in Berlin um.

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