Die Abrissfrage

Die Abrissfrage

Luise Rellensmann, Alexander Stumm (Hrsg.)

Jovis Verlag, Berlin 2025
176 Seiten, 50 farbige Abbildungen
Format 16 × 24 cm, Softcover und E-Book

Preis: 30 EUR

ISBN 978-3-98612-201-0 (Print); 978-3-98612-202-7 (E-Book)

Wieviele Gebäude pro Jahr in Deutschland abgerissen werden, das lässt sich so genau gar nicht sagen. Da es keine Genehmigungspflicht gibt, sind die Statistiken unvollständig. Mit diesem erschreckenden Umstand führt Alexander Stumm in das Buch Die Abrissfrage ein, das er Anfang 2025 zusammen mit Luise Rellensmann herausgab. Es vereint kritische Stimmen zur systematischen Bestandsvernichtung.

Seit vielen Jahren schon befassen sich die Herausgeber*innen mit den ökonomischen Bedingungen und ökologischen Folgen des Abreißens – in Fachjournalismus, Forschung und Lehre. Für ihr gemeinsames Buch taten sie sich mit weiteren wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Professor*innen und Aktivist*innen zusammen. Heraus kamen zwölf Texte, die verschiedene Aspekte der Abrisskritik in den Vordergrund stellen. Dazwischen finden sich die Geschichten von 64 bedrohten oder bereits abgerissenen Gebäuden in Kassel, Berlin, Brandenburg und München. 

In ihrem Beitrag Abriss – oder die Genalogie einer modernen Baupraxis vollziehen Rellensmann und Stumm die Sprache und Bilder nach, die das Kaputtmachen etwa zum Aufräumen, Befreien und Gesundschrumpfen erklären. In Unabgebrochen abgebrochen zeigt das Abrisskollektiv seine Analyse zur Lebensdauer und Nutzung verloren gegangener Bausubstanz in Hannover. Man staunt beim Lesen, welche Gründe für die Zerstörung noch gefunden werden, angesichts der dabei entstehenden Abfallmengen und der verheerenden Umweltfolgen der Baustoffherstellung.

Was hat die Praxis des Abreißens mit teurem oder fehlendem Wohnraum zu tun? Laura Calbet Elias deckt Berliner Gentrifzierungspraktiken auf in ihrem Beitrag „Ein Statement in Sachen Nobles Wohnen“. Ebenfalls in Berlin befand sich einst das Bürohaus An der Urania, dessen Geschichte Elisabeth Broermann, Maximilian Hartinger, Maria Hudl und Adrian Nägel vorstellen. Trotz lautstarker Proteste und einer „Machbarkeitsstudie von unten“ der Intiaitve an.ders Urania ließ sich der Senat vom Abriss nicht abbringen. Weitere Formen des Engagements für den Gebäudeerhalt beschreiben die Kollektive ANA und AbbrechenAbbrechen. Sie legen dar, dass es Zeit ist, das Berufsfeld von Architekt*innen zu erweitern.

Um Rollenbilder geht es auch bei Martha Seeger und Lukas Strasser: Sie schrieben Von penetrierenden Werkzeugen und phallischen Baggern und analysierten dabei Männlichkeitsbilder, wie sie etwa in Youtube-Videos von Abrissbaggern und Werbematerialien der Hersteller vermittelt werden. Gemeinsam mit Yulia Ostheimer verwoben sie in einem Glossar Beschreibungen von Baumaschinen mit Begriffen der Gender-Forschung.

Vielschichtig und doch kompakt ist das Buch eine gelungene Einführung in die Abrissdiskussion. Es ist zugleich der erste Band der geplanten Reihe Fundamente Ökologisches Bauen des Jovis Verlags.

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