Dexamenes Seaside Hotel in Kourouta

Urlaub in der Weinkellerei

In Koutoura, rund drei Autostunden westlich von Athen, hat das Architekturbüro K-Studio eine aufgegebene Weinkellerei am Meer in ein Hotel transformiert. Die industrielle Vergangenheit des Ortes blieb dabei weitgehend erhalten und wurde durch zeitgemäße architektonische Eingriffe ergänzt. Eine zentrale Rolle spielt der Umgang mit der intensiven mediterranen Sonneneinstrahlung: Überdachungen, Sonnensegel, Außenrollos und weitere Verschattungselemente schaffen im Dexamenes Seaside Hotel geschützte Bereiche im Außenraum.

Das Dexamenes Seaside Hotel liegt im Nordwesten der Peloponnes, unmittelbar an einem Sandstrand.
Das Gelände umfasst ältere Gutshofbauten (im Bild unten) und zwei langgestreckte, massive Betonriegel (im Bild oben).
Die ehemaligen Tankgebäude wurden durch leichte Holzkonstruktionen aufgestockt und beherbergen heute die Hotelzimmer.

Geschichtlicher Kontext

Der Weinbau blickt in Griechenland auf eine jahrtausendelange Tradition zurück. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich insbesondere der Handel mit Korinthen – getrockneten, kernlosen Weintrauben – zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig und zum wichtigsten Exportgeschäft des griechischen Königreichs. Als der Korinthenhandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eine schwere Krise geriet, wurden überschüssige Bestände zunehmend zu Wein verarbeitet. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Weingüter und Destillerien.

Zu ihnen gehörte auch Dexamenes im Nordwesten der Peloponnes. Unmittelbar an einem Sandstrand entstand in den 1920er-Jahren eine Anlage für die industrielle Produktion, Lagerung und Verschiffung von Wein. Rund sechzig Jahre lang lief der Betrieb, anschließend lagen die Gebäude jahrzehntelang brach. Ihre robuste Betonstruktur und die erhaltenen Anlagenteile boten jedoch gute Voraussetzungen für eine behutsame Umnutzung.

Zwischen Bestand und Neubau

Das rund 2.760 Quadratmeter große Gelände umfasst die historischen Gutshofbauten im Norden und zwei langgestreckte, massive Betonriegel im Süden. Nach Norden, Osten und Süden wird das Hotelgelände durch einen Zaun von der Umgebung abgegrenzt. Zur Westseite hin öffnet sich die Anlage zu Strand und Meer. Der Eingang des Hotels liegt an einer schmalen, verkehrsberuhigten Straße an der Nordostseite. 

Die ehemaligen Tankgebäude werden jeweils von zwei Reihen à zehn Weintanks gegliedert. Mit einem Grundriss von 5 x 6 Metern erwiesen sich die Tanks als ideal für eine Umnutzung zu Hotelzimmern. Sie verfügen nicht nur über eigene Bäder, sondern auch über geschützte, private Terrassen. Außerdem wurden die Tankgebäude aufgestockt, sodass je acht weitere Zimmer hinzukommen.

Industrielle Relikte

Zwischen den beiden Betonriegeln die ehemals zum Lagern genutzte Außenfläche zu einem patioartigen Innenhof umgestaltet. In der Mitte ragen zwei historische, zylindrische Stahlsilos empor, umschlossen von einem flachen Wasserbecken, das zur Kühlung des Hofbereichs beiträgt. Massive Betonplatten – ursprünglich Wandstücke, die für die Türöffnungen der Hotelzimmer herausgeschnitten wurden – liegen wie Trittsteine im Wasser und erschließen die Silos. Heute können hier die Gäste zu Abend essen oder bei einem Lagerfeuer die wechselnden Licht- und Schattenspiele an den gewölbten Wänden erleben.

Zeitgemäße Hotelzimmer mit historischen Spuren

Die rund 30 Quadratmeter großen Zimmer folgen einem einheitlichen Gestaltungskonzept. Immer wieder finden sich in ihnen Spuren, die auf die frühere Nutzung verweisen, beispielsweise Mannlöcher oder Leitungen. In allen Räumen prägen Betonwände, Holzeinbauten, polierter Terrazzo sowie schwarze Stahlstreben das Erscheinungsbild. Letztere fassen die Funktionsbereiche optisch zusammen und erzeugen ein industrielles Flair. Eine strukturierte Glasscheibe trennt das Bad vom Schlaf- und Ankleidebereich und lässt Tageslicht in die Nassbereiche vordringen. Dazu erweitert eine private Terrasse den Innenraum.

Die Zimmer an der Meerseite orientieren sich mit ihren Betten und großformatigen Schiebefenstern unmittelbar zum Strand. Die Terrassen liegen unter tiefen Vordächern, die Schatten spenden und den Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang rahmen. Eine erhöhte Promenade verbindet die Zimmer und erschließt die weiteren Hotelbereiche sowie den Strand.

Umnutzung der Gutshofgebäude

Neben den ehemaligen Tankgebäuden wurden auch die historischen Gutshofgebäude aus Naturstein umgenutzt. Sie ergänzen das Hotel um gastronomische und kulturelle Angebote. Im Inneren vorgefundene Ziegelsteine prägen heute die Böden und die Terrasse. Die geneigten Dächer wurden neu aufgebaut und mit eigens gefertigten Keramikziegeln aus lokaler Produktion gedeckt.

Im straßenseitigen Gebäude befindet sich eine Taverne mit offener Küche und einem gemeinschaftlichen Esstisch, an dem unter anderem Weinverkostungen und Kochworkshops stattfinden. Außen schließt eine mit Bäumen bepflanzte Terrasse an. Zum Meer hin liegt ein Veranstaltungsgebäude, das während der Sommersaison für unterschiedliche kulturelle Formate wie Ausstellungen, Workshops und Vorträge genutzt wird.

Sonnenschutz

Wegen der intensiven mediterranen Sonneneinstrahlung kommen auf dem Hotelgelände verschiedene, aufeinander abgestimmte Sonnenschutzsysteme zum Einsatz. Ein durchgängiges architektonisches Element bilden die mit Holzlatten verkleideten Vordächer entlang der beiden Betonriegel. Als umlaufendes, auskragendes Band verschatten sie die den Zimmern zugeordneten Terrassen – sowohl im Erdgeschoss als auch im aufgestockten Geschoss. Sie schützen vor Witterung und reduzieren insbesondere den direkten solaren Wärmeeintrag.

Unter den Vordächern schirmt jeweils eine filigrane, schwarze Stahlkonstruktion die Terrasse ab. Im Erdgeschoss ist darin auf Höhe der Terrassendächer jeweils ein horizontales Sonnensegel gespannt, während seitlich fest eingespannte Gewebeelemente als Sichtschutz zwischen den einzelnen Terrassen dienen. Als zusätzliche Verschattung dienen bei allen Terrassen Außenrollos an der Vorderseite der Stahlkonstruktion. Sie lassen sich je nach Sonnenstand und Tageszeit individuell öffnen und schließen und ermöglichen damit eine bedarfsgerechte Regulierung von Sonneneinstrahlung, Einblicken und Aufenthaltsqualität auf den Terrassen.

Weitere geschützte Außenbereiche schaffen die von lokalen Rebsorten bewachsenen Pergolen am südlichen Rand des Geländes. Das Blattwerk spendet Schatten und trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Hinzu kommen offene Pavillonstrukturen mit Überdachungen aus Holzlatten.

Bautafel

Architektur: K-Studio, Athen 
Projektbeteiligte: Konstantinos Kontos, Dimitris Karampatakis, Giorgos Mitrogiorgis, Dimitris Sotiropoulos, Marivenia Chiotopoulou, Giorgos Dimitrakopoulos, Christina Stamouli, Thomai Christopoulou, Christina Charistou, Dimitra Vasileiadou (Projektteam); Christos Georgakopoulos (Vermessungsingenieur und Planungsberater); Panagiotis Zourntos (Tragwerksplanung); ERGO-PRAXIS (Technische Gebäudeausrüstung); Kostas Angelakoudis (Technische Gebäudeausrüstung); Georgios Gitziris (Planung der Wasseranlagen); Ifi Group, Kafkas SA (Lichtplanung); Vasilios Mpantounas (Akustik); INOX HAND, Dimitris Kalogeras, Visvardis SA (Küchenplanung); Verschattungssysteme (David Kamchis)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2026 (Erweiterung)
Standort: Kourouta Beach, Amaliada, Griechenland
Bildnachweis: BREBA Claus Brechenmacher & Reiner Baumann (Fotos); K-Studio (Pläne)

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Als Alternative zu Rollläden und Raffstoren sind Außenrollos einsetzbar.

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Das Rollo bietet je nach Behangstoff Sicht- , Sonnenschutz oder Verdunklung

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Regendichtes Sonnenschutzsegel aus dem Textil Soltis W96 beim United Nations Recreation Center in Nairobi. Architektur: BAA Architects, Nairobi

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Viele Überkopfverschattungen an Fassaden sind aus Metall.

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Überkopfverschattung

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