Deutscher Lichtdesign-Preis 2026
Die Preisträger des Jahres im Überblick
Im September wurde in Stuttgart der Deutsche Lichtdesign-Preis 2026 verliehen. Ausgelobt hat ihn der Hüthig-Verlag in elf Kategorien und mit vier weiteren Auszeichnungen. Rund 100 Projekte wurden eingereicht, teils mehrere Projekte aus denselben Lichtplanungsbüros. So waren einige Büros auch gleich in mehreren Kategorien erfolgreich platziert. Das auffälligste gemeinsame Merkmal der nominierten und prämierten Projekte sei vorweg gesagt: Die Lichtplanungen nehmen sich farblich und in der Interaktion zurück zugunsten einer stimmigen, gesamtarchitektonischen Wirkung. Nur beim Publikumspreis (Deutsches Bergbaumuseum in Bochum) geht es bunt zu, aber auch hier mit klarem Bezug zur Architektur. Erweitert hat sich zudem der Qualitätsbegriff: Neben der räumlichen Wirkung werden heute auch Umweltverträglichkeit, bedarfsgerechter Betrieb, Interaktion und inklusive Gestaltung gewürdigt.
Lichtplanung im Bestand
Die Lichtplanung im Bestand findet über die prämierten Projekte eine besondere Würdigung: Viele der ausgezeichneten Projekte liegen in historischen, teils denkmalgeschützten Bauten. Dazu gehören ein gotischer Dom, eine Brücke aus dem 19. Jahrhundert, ein Hamam aus dem 16. Jahrhundert und ein über 150 Jahre alter Bahnhof. Die Lichtplanung bedarf hier besonderer Rücksicht auf das Bauwerk und darauf, wie viel Licht dieses verträgt. Für die dezente und das Denkmal schonende und dennoch betonende Beleuchtung des Kölner Doms erhielt Licht Kunst Licht einen Sonderpreis der Jury. Ähnlich macht es team licht mit der Beleuchtung der Hamburger Lombardsbrücke, die das Bauwerk im Nachtbild in warmes und dezentes Licht taucht. Auch im Innenraum zeigt sich diese Zurückhaltung: Im Dom zu Eichstätt verorten Ingenieure Bamberger die Pendelleuchten mit bis zu 16 Lichtköpfen bewusst außerhalb der Sichtachse des Hauptschiffs. Für Altarinsel, Ambo, Orgel, Taufbecken und Hochaltar gibt es eigene Lichtszenen. Auch bei den anderen der nominierten und prämierten Kultur- und Museumsbauten setzen die Lichtplanungsteams auf dezente, Halt und Orientierung gebende Beleuchtungsszenarien. Sie vermeiden Effekthascherei und richten so den Fokus auf das, was Ausstellung oder Architektur zu bieten hat.
Tages- und Kunstlicht gemeinsam gedacht
Das oben Genannte gilt auch für die Magdeburger Hyparschale, einem bedeutenden Bau der DDR-Moderne. Das Bauwerk ist wegen seiner Glasfassade tagsüber lichtdurchflutet und wirkt nun nachts, dank ausbalanciertem Beleuchtungskonzept von Lichtvision Design so in den Stadtraum, dass sich die filigran aufstrebende Fassade auch weiterhin scharf im Gegenlicht abzeichnet. Die Beleuchtung ist flexibel und in den Helligkeitskontrasten sehr ausgewogen. Sie blendet weder im Innen- noch im Straßenraum und erleichtert so unterschiedliche Nutzungen. Als Beispiel für die gelungene Konzeption von Tages- und Kunstlicht sei hier auch die Schule La Nave im schweizerischen Buchs genannt. Dort bringen Oberlichter und Fensterbänder das Tageslicht tief in die offene Lernlandschaft; darauf stimmte art light die Beleuchtung ab: Helle Wände geben Orientierung, punktuelle Leuchten betonen die Arbeitsflächen.
Energieeffizienz und Bedarfsorientierung
Im Außenraum rückt die Steuerung in den Vordergrund. In der Diepholzer Innenstadt sorgen LED-Lichtstelen von Oliver Christen Lichtplanung für eine gleichmäßige, warmweiße Grundbeleuchtung. In den späten Nachtstunden wird die Helligkeit abgesenkt und bei Bewegung wieder erhöht. Dasselbe Büro gewann den Nachhaltigkeitspreis für den Verkehrsknotenpunkt Achim. Dort ist die Lichtverteilung der Leuchten genau festgelegt und Lichtmenge sowie Nutzungsdauer werden gesteuert.
Die Preisträger 2026 im Überblick
- Lichtdesigner des Jahres: team licht, Hamburg
- Sonderpreis der Jury: Beleuchtung Kölner Dom – Licht Kunst Licht
- Nachhaltigkeitspreis: Verkehrsknotenpunkt Achim – Oliver Christen Lichtplanung
- Publikumspreis: Deutsches Bergbau-Museum Bochum – LightLife, Köln
- Büro & Verwaltung: medi Headquarter, Bayreuth – a·g Licht, Köln
- Innenbeleuchtung/Öffentliche Bereiche: Hyparschale, Magdeburg – Lichtvision Design, Berlin
- Außenbeleuchtung/Öffentliche Bereiche: Innenstadt Diepholz – Oliver Christen Lichtplanung
- Inszenierung Außenbereich: Lombardsbrücke, Hamburg – team licht, Hamburg
- Kulturbauten: Dom zu Eichstätt – Ingenieure Bamberger, Pfünz
- Hotels & Gastronomie: Rosewood Schloss Fuschl (Österreich) – Licht 01 Lighting Design, Hamburg
- Bildung: Schule La Nave, Buchs (Schweiz) – art light, St. Gallen
- Projekte mit künstlerischem Hintergrund: Eingangslobby FOUR RT4, Frankfurt – a·g Licht, Köln
- Museen: Archäologische Staatssammlung München – Belzner Holmes Light-Design, Stuttgart
- Internationale Projekte: Zeyrek Çinili Hamam, Istanbul (Türkei) – Belzner Holmes Light-Design, Stuttgart
- Verkehrsbauten: Hauptbahnhof Zürich (Schweiz) – lichtgestaltende ingenieure vogtpartner, Winterthur
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