Designstudio in Helsinki
Aufgearbeitete Fliesen aus den Zwanzigern treffen auf Sisalteppiche
Fyra hat in Helsinki ein denkmalgeschütztes Backsteingebäude aus den 1920er-Jahren umgebaut. Neben weiteren Unternehmen aus der Kreativbranche befindet sich darin auch das neue Studio des Designbüros, das mit einem imposanten Open Space und historischen (Bau-)Elementen aufwartet. Die original erhaltenen Bodenfliesen mit einem markanten rot-weißen Schachbrettmuster wurden aufgearbeitet und bringen in Kombination mit Sisalteppichen Behaglichkeit in den Innenraum.
Denkmalgerechte Sanierung
Zwischen 1925 und 1933 errichtet, diente das markante Backsteingebäude des finnischen Architekten Onni Tarjanne lange als Sitz der Technischen Universität von Helsinki. Nach rund fünf Jahren Leerstand wurden das in der Stadt ansässige Architektur- und Designstudio Fyra gemeinsam mit ARK-house Architects mit den Umbau- und Restaurierungsarbeiten betraut. Das denkmalgeschützte Gebäude, bekannt als „Konelabra“, erstreckt sich über etwa 6.000 Quadratmeter und nimmt einen ganzen Straßenblock ein. Da es unter Denkmalschutz steht, einer neuen Nutzung zugeführt und möglichst viele originale Bauelemente wie Türen, Fenster und technische Anlagen erhalten bleiben sollten, arbeiteten die Architekt*innen eng mit der Denkmalschutzbehörde und dem Stadtmuseum von Helsinki zusammen.
Arbeiten in einem Gebäude aus den Zwanzigern
Das neue Designbüro befindet sich in einem ehemaligen technischen Labor, was die markante Raumhöhe erklärt. Ziel des Umbaus durch Fyra war es, die Atmosphäre der historischen Räume zu bewahren und gleichzeitig den Anforderungen eines modernen Architekturbüros gerecht zu werden, so die Gestalter*innen. Im hinteren Teil wurde dafür eine zweite Ebene eingebaut, ohne den luftigen Gesamteindruck zu verlieren. Heute beherbergt das Erdgeschoss geschlossene Büros und Besprechungsräume, während auf der offenen Empore weitere Arbeitsplätze mit einem großzügigen, erhöhten Blick in den Raum entstanden sind
Im Eingangsbereich befindet sich eine räumlich abgeschirmte Materialbibliothek, die von einer offenen Küche mit einem sechs Meter langen Ess- und Arbeitstisch aus Holz flankiert wird, um den sich verschiedene Designstühle gruppieren. Daran anschließend entsteht eine behagliche Sitzecke mit Sofas und Sesseln, die zum ungezwungenen Zusammensein einlädt. Während für Küche, Materialbibliothek und Besprechungsräume Einbaumöbel aus Holz maßgefertigt wurden, verwendete Fyra aus Nachhaltigkeitsgründen für die Arbeitsbereiche viele lose Möbelstücke aus dem alten Office wieder.
Keramikfliesen und Sisalteppiche
Der ursprüngliche Bodenbelag aus rot-weiß gemusterten Keramikfliesen war vor Jahrzehnten mit einem erhöhten Linoleumboden überdeckt worden, der bei der Sanierung entfernt wurde. Die Oberfläche war stark verschmutzt und beschädigt, da alte Laborgeräte der Universität tiefe Spuren hinterlassen hatten. „In Zusammenarbeit mit den Museumsbehörden einigten wir uns darauf, dass kleinere Schäden mit neuen Fliesen repariert werden, die den Originalen entsprechen“, erklären die Architekt*innen. Größere Fehlstellen blieben hingegen als sichtbares Zeichen der Zeit erhalten. Sechs markante „Flicken“ markieren nun die früheren Standorte der technischen Geräte. Sie wurden mit Beton aufgefüllt und in einem natürlichen Weißton gestrichen, sodass sie sich harmonisch in die Farbe der umliegenden Fliesen einfügen.
Die Böden der neuen Besprechungsräume und der Empore sind mit Sisalteppichen ausgelegt, die dem Interior eine warme, einladende Note verleihen. Im ebenfalls komplett neu gestalteten Badezimmer im Erdgeschoss wurde der Boden mit roten und weißen Keramikfliesen belegt, die in Größe, Farbe und Zusammensetzung den Originalfliesen des Gebäudes entsprechen und so ein harmonisches Gesamtbild erzeugen. -csh
Bautafel
Architektur: Onni Tarjanne, Helsinki (Konelabra/Technische Universität, 1925-33); Fyra, Helsinki und ARK-house Architects, Helsinki (Umbau und Innenarchitektur)
Bauherr*in: Cobbleyard Real Estate, Helsinki
Fertigstellung: 2025
Standort: Eerikinkatu 32, 00180 Helsinki, Finnland
Bildnachweis: Riikka Kantinkoski, Helsinki (Fotos), Fyra, Helsinki (Axometrie)