Das Glas Haus – Wien 1933. Vertriebene Visionen

Das Glas Haus – Wien 1933. Vertriebene Visionen

Caroline Wohlgemuth, Maximilian Eisenköck, Stefan Oláh (Hrsg.)

Park Books, Zürich 2026
194 Seiten, 33 farbige und 92 s/w-Fotografien und Pläne
Format: 17 x 22,5 cm, gebunden

Preis: 38 EUR

ISBN 978-3-03860-445-7; ISBN 978-3-03860-446-4 (englische Ausgabe)

Das Glas Haus – oder Villa Rezek  – ist ein 1933 erbautes Wohnhaus mit integrierter Arztpraxis in Wien. Der Name des Hauses bezieht sich auf den Architekten Hans Glas (1892 Wien - 1969 Lugano), Villa Rezek auf die Bauherrschaft, das Ärzteehepaar Dr. Anna Rezek (1895 Wien - 1974 Miami) und Dr. Philipp Rezek (1894 Wien - 1963 Miami).  

Das Haus ist ein viergeschossiges Terrassenhaus, kubisch mit Flachdach und 550 m² Nutzfläche. Es enthält u.a. ein 70 m² großes Wohn-, Ess- und Musikzimmer, eine Bibliothek, einen Wintergarten, mehrere Schlafräume, Räume für Dienstpersonal und Kindermädchen sowie die Arztpraxis mit Patientenwarteraum, Behandlungsraum und Labor. Im Sinne des Mottos „Licht, Luft und Sonne“ ist das Haus lichtdurchflutet mit raumhohen Glastüren und liegenden Vertikalschiebefenstern, filigranen, einer Schiffsreling ähnelnden Metallgeländern und fünf Terrassen mit einem weiten Blick über Wien. Der Garten ist ebenfalls terrassiert und wurde als „erweiterte Wohnung“ vom damals renommierten Gartenarchitekten Albert Esch (1883 Lednice - 1954 Wien) angelegt.

Die spektakulär moderne Architektur des Hauses und die Lebensgeschichten der Familie und des Architekten sind äußerst sorgfältig recherchiert, dokumentiert und kommentiert. Dazu zählen auch Schikane, Erniedrigung und Vertreibung, Flucht vor den Nazis, „Arisierung“, langwierige Restitution und wechselnde Eigentumsverhältnisse bis zum heutigen Denkmalschutz.

„Erzwungene Emigrationen wie diese bedeuten neben all den menschlichen Tragödien auch das abrupte Ende der Blüte moderner Architektur und der Wiener Wohnkultur. (...) Der Verlust war unwiederbringlich – ein Riss in der Zeit, gefolgt von jahrzehntelangem Verschweigen, Verdrängen und Vergessen.“  

Hans Glas war Schüler von Adolf Loos (1870 Brünn - 1933 Kalksburg/Wien) und damit Kommilitone von Richard Neutra (1892 Wien - 1970 Wuppertal), Rudolph Michael Schindler (1887 Wien - 1953 Los Angeles) und Ernst Freud (1892 Wien - 1970 London), dem Sohn Sigmund Freuds. Vor diesem Hintergrund werden die gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und künstlerisch-architektonischen Umbrüche der Zwischenkriegszeit aufgezeigt. Ausführlich sind auch Parallelen zu Arbeiten u.a. von Eileen Gray (1878 Enniscorthy - 1976 Paris), Robert Mallet-Stevens (1886 Paris - 1945 Paris), Josef Frank (1885 Baden bei Wien - 1967 Stockholm), Ludwig Mies van der Rohe (1886 Aachen - 1969 Chicago) und den ersten österreichischen Architektinnen wie Friedl Dicker (1898 Wien - 1944 Auschwitz) und Ella Briggs (1880 Wien - 1977 London) herausgearbeitet.  

1935 wurde das Haus vom damals sehr bekannten Fotografen Franz Gino Mayer (1891 Wien - 1971 New York) für zwei internationale Architekturmagazine porträtiert. Diese Fotografien, ein historischer Glücksfall, ermöglichen den unmittelbaren Vergleich der authentischen mit der heute rekonstruierten und denkmalgeschützten Situation. Die neuen Fotografien von Stefan Oláh zeigen eine Art White Cube mit kräftig-satten Farbakzenten an Möbeln und Wänden sowie kostbaren Hölzern wie Makassar-Ebenholz und Palisander. Die Räume wirken großzügig, elegant, wohnlich und – für ihr Alter von fast 100 Jahren – erstaunlich frisch und zeitgenössisch.  

Hans Glas konnte im Juli 1938 über Italien nach Kalkutta (heute Kolkata) flüchten und war dort über 20 Jahre als Architekt tätig. Dr. Philipp Rezek gelangte im Juli 1938 über London nach New York und von dort nach Miami, wo er in einem Krankenhaus eine Anstellung fand. Im Oktober/November 1938 konnten Dr. Anna Rezek, ihre beiden Töchter und ihre Schwiegermutter ebenfalls über London in die USA nachfolgen. Der Anhang enthält neben einer chronologischen Zeitleiste weitere Kurzbiographien, Literatur- und Quellennachweise.  

Das Haus kann heute als temporäres Museum besichtigt werden (siehe Surftipps).

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Glaswände/​Balkone

Balkonverglasungen

Bei einem stehenden Fenster ist die Fensterhöhe ein Vielfaches der Fensterbreite, während bei einem liegenden Fenster die Fensterbreite um ein Vielfaches größer ist als die Fensterhöhe (im Bild: stehendes Fenster in einer Metallhaut).

Bei einem stehenden Fenster ist die Fensterhöhe ein Vielfaches der Fensterbreite, während bei einem liegenden Fenster die Fensterbreite um ein Vielfaches größer ist als die Fensterhöhe (im Bild: stehendes Fenster in einer Metallhaut).

Fensterarten

Stehende und liegende Fenster

Hölzernes Vertikalschiebefenster mit einer 8x8-Sprossenteilung in einer Adobe-Wand (=Lehmziegel) in New Mexico

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Fensterarten

Vertikalschiebefenster

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