Dämmstoff aus der Ostsee

Seegras als Stopf- und Schüttdämmung

Seegras als Dämmstoff kommt häufig aus dem Mittelmeerraum, speziell aus Nordafrika. Weniger bekannt ist, dass es eine lokale Alternative gibt. Das Unternehmen Seegrashandel aus Westerau vertreibt Seegras, das von der dänischen Ostseeküste stammt.

Riesige Mengen Seegras spülen die Wellen an die Küsten von Dänemark, vornehmlich in den Wintermonaten.
Mit landwirtschaftlichem Gerät werden die langen, schmalen Blätter gesammelt.
Traditionell wird das gesammelte Ostsee-Seegras zum Waschen und Trocknen auf Wiesen ausgebreitet.

Wachstum und Ernte

Die Unterwasserwiesen der Ostsee liegen bis zu 8 Meter tief. Das Gras ist ein wichtiger Bestandteil des maritimen Ökosystems, einerseits als Lebensraum für (Jung-)Tiere, andererseits als Sauerstoffproduzent. Dabei bindet Seegras etwa 35-mal so viel CO₂ wie eine gleich große Fläche Regenwald. Außerdem schützt es Riffe und Küsten, indem es die Kraft der Wellen um bis zu 40 Prozent senkt. Es werden ausschließlich die abgestorbenen Blätter gesammelt, die vornehmlich im Winterhalbjahr an die Küste gespült werden.

Landwirt*innen an der dänischen Ostseeküste sammeln das angeschwemmte Gras in großen Mengen und legen es auf Wiesen aus, wo es mithilfe von Wind und Sonne trocknet. Dort ist es zudem einer bestimmten Menge Regen ausgesetzt, um das Meersalz, das Plankton und den Sand auf natürliche Weise zu entfernen. Das getrocknete Gras wird wie Stroh zu Rundballen gepresst und so auf die Baustelle geliefert. Dass die Fasern dabei weitgehend lang und unversehrt bleiben, gewährleistet die Stabilität in der Dämmschicht, sodass diese fast gar nicht absackt.

Eigenschaften

Noch bis in die 1950er-Jahre hinein war das Seegras bei Ostsee-Anrainern als hochwertiges Material geschätzt, beispielsweise für Matratzen, zum Düngen im Gartenbau, für Dacheindeckungen oder eben zum Dämmen. Noch heute findet man auf der norddänischen Insel Laesø Bauernhäuser mit 300 Jahre alten Dächern aus Seegras, die dem Ostseeklima trotzen.

Die Fasern bietet gute Dämmeigenschaften und einen guten Schallschutz. Wegen eines hohen Anteils an Silikaten und Mineralstoffen ist es zudem nicht brennbar. Aktuell gehört Seegras zur Baustoffklasse B2 (normal entflammbar), obgleich es beim Kontakt mit einer Flamme nur glimmt. Ohne externe Flamme erlischt die Glut sofort. Eine Einstufung in die Klasse B1 wird angestrebt. Des Weiteren ist Seegras ungeziefer- und schimmelresistent. Es ist nach dem Trocknen kaum noch salzig und damit auch nicht mehr hygroskopisch (wasserziehend). Das Material kann beim Bauen pur verwendet werden, es werden keine Zusatzstoffe hinzugefügt.

Das Seegras kann als Dämmmaterial für Dächer, Wände und Geschossdecken eingesetzt werden und eignet sich für Neubau und Sanierung gleichermaßen. Der Preis des losen Stopfmaterials wird kiloweise berechnet. Je nach Dämmstärke sind 50 Kilogramm für einen Kubikmeter Dämmung nötig. Zudem wird das Seegras in Rundballen geliefert, die zwischen 130 und 300 Kilogramm wiegen. Die leichteren Ballen messen rund 120 Zentimeter Höhe und Durchmesser, die schweren jeweils 130 Zentimeter.

Weitere Informationen und Beratung

2017 war Seegrashandel einer der Preisträger beim Nachhaltigkeitspreis der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Auf seiner Webseite informiert der Hersteller über die unterschiedlichen Dämmmöglichkeiten (siehe Surftipps). Dort finden sich neben den technischen Daten und Informationen zur Ökobilanz auch zahlreiche Anwendungsbeispiele sowie ein Überblick zu Baustoffgeschichte. Darüber hinaus ist die Bestellung von Produktproben möglich sowie eine Beratung bei Bauprojekten, gegebenenfalls sogar vor Ort.

Hersteller: Seegrashandel, Westerau

Fachwissen zum Thema

Historisches Lehmbauhaus im dänischen Wikingermuseum Ribe

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Grundlagen

Historische Entwicklung von Dämmstoffen

Gereinigt und zerkleinert ist Seegras als Dämmstoff geeignet, zum Beispiel diese Fasern von sogenannten Neptunbällen.

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