Dachanhebung bei laufendem Betrieb

Umbau zum IMAX-Kino in Neu-Ulm

1993 eröffnete in Neu-Ulm das Dietrich-Theater – benannt nach der flankierenden Straße und Schauspielerin Marlene Dietrich – als vergleichsweise kleines Kino mit nur drei Sälen. Schrittweise erweiterten die Betreibenden den Standort zum Komplex mit inzwischen elf Sälen und damit zum größten Multiplex-Kino im bayerischen Teil von Schwaben. 2025 stand nun erneut eine Erweiterung an, und zwar diesmal in die Vertikale. Um einen der Säle in ein IMAX-Kino zu verwandeln, musste das Dach um rund sechs Meter angehoben werden. Dabei erwiesen sich neben der Gerüststatik und -position auch der Anspruch, die Bauarbeiten während des laufenden Kinobetriebs durchzuführen, als durchaus herausfordernde Prämissen.

Um das Bestandsdach über dem Kinosaal 5 rückbauen und durch eine 5,5 Meter höhere Konstruktion ersetzen zu können, musste ein temporäres Wetterschutzdach errichtet und verlässlich verankert werden.
Für die notwendigen Bauarbeiten während des ununterbrochenen Kinobetriebs kam ein umlaufendes Arbeits- und Schutzgerüst sowie eine 22 Meter frei spannende Fachwerkkonstruktion Variokit zum Einsatz, die einen nicht tragfähigen Anbau im Norden überbrückte.
Durch das gleiche metrische Systemraster von 12,5, 25 bzw. 50 Zentimetern lassen sich die verwendeten Baukastenelemente Variokit und Peri-Up ohne komplexe Übergänge kombinieren.

Erhöhung der bestehenden Dachkonstruktion um 5,5 Meter

240 Quadratmeter misst die Leinwand des neuen IMAX-Kinosaals, der seit Dezember 2025 im Betrieb ist. Die gewölbte Leinwand füllt damit die gesamte Saalfront des Kino 5. Über 300 Zuschauende können dort mithilfe einer 4K-Laserprojektion und einem 12-Kanal-Surroundsystem in die dargebotenen Filmwelten eintauchen. Für den notwendigen Umbau schloss der betroffene Saal ab August 2025, doch der Betrieb sollte in den restlichen 10 Sälen aufrechterhalten werden. Die Baumaßnahme bedingte die Einrichtung eines um das gesamte Gebäude umlaufenden Arbeits- und Schutzgerüsts sowie eines Wetterschutzdachs, das den Rückbau und die Anhebung der Dachkonstruktion temporär schützte. Das beauftragte Unternehmen Gerüstbau Dullenkopf aus Senden wählte hierfür eine Lösung basierend auf dem Peri-Up-Gerüstbaukasten sowie einer weitgespannten Überbrückung aus dem Variokit-Ingenieurbaukasten, ebenfalls vom Gerüsthersteller Peri.

Flexibles Wetterschutzdach mit verschiebbaren Segmenten

Das temporäre Dach musste neben der eigentlichen Funktion als Schutzhülle vor Witterungseinflüsse noch weitere Flexibilität gewährleisten. Da während der Bauarbeiten großformatige Stahlträger des Bestandsdachs ausgehoben und neue Materialien eingehoben werden mussten, sollten sich einzelne Dachsegmente kurzfristig verschieben lassen, um die Bauteile vom oder an den Bestimmungsort bringen zu können. Verwendet wurde ein verfahrbar ausgebildetes Peri-Up-Wetterschutzdach mit einer Spannweite von 25 Metern, das sich je nach Bedarf öffnen und schließen ließ. Die Dachkonstruktion lagerte dabei auf einem Peri-Up-Gerüst, das außenseitig und weitgehend freistehend ausgeführt wurde.

Statisch herausfordernde Situation für die Gerüstverankerung

Eine Gerüstverankerung an der Außenfassade war nicht möglich, auch durften die Dachflächen der angrenzenden Gebäude, wenn dann nur sehr gering belastet werden. Durch die Wahl, das Gerüst räumlich nach außen zu verbreiten und entsprechend das Gewicht zu verteilen, konnte die temporäre Dachkonstruktion dennoch erfolgreich umgesetzt werden. An der Nordseite des Kinogebäudes wurde dabei ein Anbau aufgrund mangelnder Tragfähigkeit vollständig überbrückt. Das Gerüst erhielt hierfür eine tragfähige, 22 Meter frei spannende Fachwerkkonstruktion, die auf dem Ingenieurbaukasten Variokit des Herstellers basiert. Das metrische Systemmaß von 12,5 Zentimetern sowie standardisierte Verbindungsbauteile sind dabei mit der Peri-Up-Gerüstlösung und ihrem metrischen Grundraster von 25 beziehungsweise 50 Zentimetern laut Herstellerangaben vollständig kompatibel.

Gerüstbauunternehmen: Gerüstbau Dullenkopf GmbH & Co. KG, Senden; Architekt: hochstrasser. gesellschaft für architektur mbH, Ulm; Projektbetreuung PERI Niederlassung Weißenhorn; PERI Competence Center Gerüst, Weißenhorn

Fachwissen zum Thema

Standgerüste sind die am häufigsten verwendeten Tragsysteme.

Standgerüste sind die am häufigsten verwendeten Tragsysteme.

Grundlagen Gerüste

Gerüstarten nach Tragsystem

72 Meter hohes Trag- und Arbeitsgerüst im Zuckersilo Uelzen zur Montage der Holzdachkonstruktion

72 Meter hohes Trag- und Arbeitsgerüst im Zuckersilo Uelzen zur Montage der Holzdachkonstruktion

Gerüstarten

Traggerüste

Einsatz eines Wetterschutzdaches bei umfangreichen Sanierungsmaßnahmen am Torbau vom Schloss Neuschwanstein in Schwangau

Einsatz eines Wetterschutzdaches bei umfangreichen Sanierungsmaßnahmen am Torbau vom Schloss Neuschwanstein in Schwangau

Gerüstarten

Wetterschutzdächer

Surftipps

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Schalungen und Gerüste sponsored by:
PERI | Kontakt 07309 / 950-0 | www.peri.de