Corda Campus in Hasselt

Multifunktionale Dachgestaltung in Belgien

Im belgischen Hasselt, nicht weit von der niederländischen Grenze, erstreckt sich der Corda Campus über rund 14 Hektar. Auf dem Gelände, das einst dem Technologiekonzern Philips gehörte, arbeiten heute etwa 5.000  Menschen in Start-ups, Tech-Firmen und Co-Working-Strukturen. Sie machen den Campus zu einem lebendigen Zentrum für Kreativität und Zusammenarbeit machen. Das Gelände vereint neun Bauteile, darunter die Gründachbauten Corda 1, 2 und 3, mehrere modernisierte Philips-Gebäude sowie zwei Hallen.

Auf dem campus sind neun Bauteile Vereint. Das Kernstück ist aber das Corda 1, hier abgebildet.
Das teilweise begehbare Rasendach verbindet Gestaltung mit Funktion und übernimmt zusätzlich Wärmedämmung und Regenwasserspeicherung.
Treppen führen zum Dach, dienen aber auch zum Sitzen und Entspannen.

Spontaner Anfang

Als Philips 2009 seine Aktivitäten in Hasselt überraschend einstellte, stand die Stadt vor einem Wendepunkt. Statt Leerstand zu riskieren, ergriff sie die einmalige Chance, das Areal strategisch neu auszurichten: Arbeitsplätze sollten erhalten, Fachkräfte aus unterschiedlichen Disziplinen angezogen und ein zukunftsfähiger Innovationsstandort geschaffen werden. Der Name „Corda“ – abgeleitet vom italienischen Wort für Seil – verweist auf die Idee der Vernetzung, die dem Campus zugrunde liegt.

Seither hat sich das Ensemble zu einem lebendigen Technologiestandort entwickelt. Helle, flexibel nutzbare Innenräume fördern kollaborative Arbeitsprozesse, während der Außenraum mit begrünten Flächen, einem Teich und Aufenthaltsbereichen eine hohe Aufenthaltsqualität bietet. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 2014 wächst der Campus kontinuierlich weiter und zählt heute zu den prägenden Innovationsorten in Nord- und Mitteleuropa.

Corda 1, der Kern des Corda Campus

Der Campus besteht aus neun Einzelteilen und wächst weiterhin. Architektonisch gilt Corda 1, entworfen vom belgischen Architekturbüro eld, als Herzstück des Zentrums. Mit knapp 30 Metern Höhe ist es das markanteste Volumen des Areals. Auf rund 14.000 Quadratmetern umfasst es Büro- und Tagungsflächen, gastronomische Angebote und verschiedene Serviceeinrichtungen. Es besteht aus zwei keilförmigen Baukörpern, deren Fassaden überwiegend aus Glas bestehen und die begrünte Umgebung dezent reflektieren.

Das größere Volumen ist rhythmisch mit Balkonen durchsetzt, die halb in das hangartige Schrägdach eingeschnitten sind. Der hohe Transparenzgrad der Fassaden lässt viel Tageslicht tief in die Innenräume eindringen. Außen angebrachte Gebäudenummern und Funktionshinweise erleichtern die Orientierung auf dem Campus. Innen prägen helle, offene Bereiche mit großzügigen Sichtbeziehungen über mehrere Ebenen das räumliche Erlebnis. Unterschiedliche Möbel- und Raumkonfigurationen fördern ebenso das konzentrierte Arbeiten wie spontane Begegnungen.

Intensiv begrünte, schräge Dachflächen

Besonders markant sind die beiden schrägen Dachflächen mit einer Neigung von 20 Grad, die insgesamt ca. 400 bzw. 2.300 Quadratmeter umfassen und intensiv begrünt wurden. Die Dächer übernehmen Funktionen wie Regenwasserrückhalt und Wärmedämmung und sind zugleich teilweise begehbar: Treppen führen auf die Flächen, auf denen Rasenbereiche und kleine Terrassen zusätzliche Aufenthaltsorte schaffen. Das Schrägdach Typ P erfüllt die Dachbegrünungsrichtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), wonach ab einer Dachneigung von 15 Grad konstruktive Maßnahmen zum Schutz gegen das Abrutschen des Gründachaufbaus erforderlich sind.

Die verwendeten Schubsicherungsplatten werden mit Substrat verfüllt und dienen als Tragschicht für den Fertigrasen. In dafür vorgesehenen Vorrichtungen verlaufen zusätzlich Bewässerungsschläuche, die ebenfalls mit Substrat überdeckt sind. Der Gesamtaufbau umfasst unter anderem eine Dränplatte, Schutzlage, wurzelfeste Dachabdichtung, Schutz- und Speichervlies sowie Rasensubstrat und hat eine maximale Fließlänge von bis zu 70 Metern zwischen First und Traufe. So entsteht ein stabiler, dauerhaft funktionsfähiger und gleichzeitig nutzbarer Gründachaufbau.

Bautafel

Architektur: eld, Belgien

Projektbeteiligte: Democo (Generalbauunternehmen); Ecoworks Vilvoorde (Einbau Dachbegrünung); Optigrün (Hersteller Schrägdach System Typ P)

Bauherr*innen: Corda Campus; Limburgse Reconversie Maatschappij; City of Hasselt - Autonomous Municipal Company for Urban Development (AGS)

Fertigstellung: 2014

Standort: Hasselt, Belgien

Bildrechte: Optigrün International AG 

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