Common Corner in New York

Partizipatives Projektmanagement

Wie ein Projektmanagement iterativ mit Spielmethoden funktionieren kann, zeigt das Büro The Urban Conga mit dem Umbauprojekt Common Corner in New York, genauer in der Bronx. Die „öffentliche Ecke” liegt auf dem Areal der Morris Houses, einem Komplex aus siebzehn Hochhäusern mit geförderten Sozialwohnungen, die 1965 gebaut wurden. Zu ihren Füßen verbindet sich das Abstandsgrün zu einem Teppich aus teils undefinierten Freiflächen mit überwiegend veralteter Infrastruktur – dort ein Parkplatz, hier eine umzäunte Spielfläche. Eine Umfrage bei den Bewohner*innen vor Ort offenbarte einen drängenden Handlungsbedarf: Zwischen den nördlichen Wohnblocks lag ein verwaister Basketballplatz mit löchrigem Asphalt und einer kleinen Tribüne aus gebogenen Betonstufen. Der einst lebendige Ort erschien nun verwahrlost und abweisend. Zusammen mit verschiedenen Partnern organisierte das New Yorker Architekturteam eine inklusive Projektentwicklung zur Neugestaltung der Fläche.  

So war es bei dem Projekt Common Corner, auf einem verwaisten Basketballplatzes inmitten von Sozialwohnhochhäusern in der Bronx.
Das Team von The Urban Conga organisierte hier einen offenen Planungsprozess zur Sanierung und Neugestaltung der Betontribüne auf dem Platz.
Obgleich die Sanierung minimalinvasiv ist, gelang es den Organisatoren viele Beteiligte in den Prozess einzubinden, was nachhaltige, synergetische Effekte verspricht: eine Nachbarschaft, die sich besser kennt, sich den Platz aneignet, gemeinsam nutzt und pflegt.

Ziele setzen 

Dafür wählten die Organisatoren eine besonders partizipative Planungsweise: Statt also nach der Bedarfsabfrage eine fertige Planung zu präsentieren, organisierte man einen ergebnisoffenen Planungsprozess, in den die Menschen aus der Nachbarschaft intensiv eingebunden waren. Ziel war nicht nur die Neugestaltung der Fläche, sondern eine höhere Identifikation der Menschen mit dem Ort, damit diese sich ihn aneignen, aktiv nutzen und pflegen, sodass synergetische soziale Effekte entstehen. Der neugestaltete Ort soll mehr Alltagsbegegnungen ermöglichen und das Miteinander der Menschen verbessern.  

Geeignete Methoden wählen 

Für die Partizipation wählte das Team verschiedene etablierte Methoden aus dem partizipativen Projektmanagement und organisierte eine Serie von Workshops mit der Nachbarschaft, mit Kunstschaffenden, verschiedenen Institutionen sowie Förderern vor Ort, um Interessen, Wünsche, Bedürfnisse und Konflikte auszuloten. Dann bedienten sie sich verschiedener, niedrigschwelliger Spielstrategien aus dem Management. Die Teilnehmenden konnten auf interaktiven Mitmachstationen Ideen und Wünsche äußern. So konnten sie zum Beispiel Klebezettel mit ihren Gedanken auf Plakaten platzieren, in Mal- und Bastelstationen Ideen entwickeln und darstellen sowie mit Aufklebern für konkrete Ideen abstimmen. Die Beteiligungsrunden fanden in unterschiedlicher Zusammensetzung und zu unterschiedlichen Projektzeitpunkten statt, sodass eine iterative und inklusive Planung von der Bestandsaufnahme bis hin zur Entwicklung von Szenarien zur konkreten Gestaltung garantiert war.  

Vorteile eines partizipativen Projektmanagements 

Das Projektmanagement ist auf diese Weise aufwendig und verlangt Flexibilität, ein schrittweises Vorgehen mit viel kritischer Reflexion und sorgsamer Moderation. Es erhöht aber die Qualität der gewählten Lösung, die Akzeptanz des Projektes und seinen Nutzwert. Da die Menschen vor Ort an dem aufwendigen Prozess beteiligt waren, ernst genommen wurden und ihre Wünsche Berücksichtigung fanden, ergeben sich daraus positive soziale Effekte. Zugleich minimiert es die mit einer Fehlplanung verbundenen Folgekosten für Korrekturen, Instandsetzung und Reparaturen durch Vernachlässigung oder Vandalismus.  

Wirkung über die Architektur hinaus 

Das Projektmanagement ist bei diesem Projekt wichtiger als das konkrete bauliche Ergebnis. Denn die eigentlich daraus entstehende architektonische Lösung ist minimalinvasiv und bedarf nur eines minimalen Budgets; der Zweck des Projektes, die Aufwertung, wird dennoch erreicht. Die Betontribüne ist mit bunten Ovalen beschichtet, die jeweils eine Aktivitätszone markieren. Darauf sind unterschiedliche Metallaufbauten montiert, die eine flexible Nutzung ermöglichen: eine kleine Kletterschräge, Metallbügel zum Anlehnen, Turnen oder als Geländer, semitransparente Spiegel und Sitzlehnen, die zugleich Sichtschutz sind, sowie Sitzpodeste, die auch als Tische genutzt werden können. Wörter sind ins Metall geprägt und senden ihre positive Botschaft in den Raum. Die Neugestaltung ist nur eine kleine Intervention, die über ein partizipatives und iteratives Projektmanagement dennoch Wirkung entfaltet: Sie kann das Verhältnis von Menschen zum gebauten Raum verbessern, Selbstwirksamkeit erfahrbar machen und die Beteiligten motivieren, an gemeinsamen Zielen zu arbeiten.

Bautafel

Architektur: The Urban Conga, New York: Maeghann Coleman, Ryan Swanson, Alden Copley, Pramity Shah
Projektbeteiligte: Public Housing Community Fund, NYCHA, Aronson Family Foundation, Center for Justice Innovation
Bauherr: NYCHA Connected Communities, New York
Fertigstellung: 2025
Standort: NYCHA Morris Houses at c, Bronx, NY 10456, USA
Bildnachweis: Brook Banister, Tameek Williams, Pramity Shah

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