Coach House in London

Wohnen im ehemaligen Kutscherhaus

Statt innerstädtischer Nachverdichtung mit Neubauten zeigen Beispiele wie die Transformation eines ehemaligen Kutscherhauses zu einer zeitgemäßen Wohnung in London, wie Neben- und Wirtschaftsgebäude sinnvoll umgenutzt werden können.

Während der Bauarbeiten konnte das Paar ein unmittelbar angrenzendes Grundstück mit einem Schuppen dazukaufen. Hier links im Bild nach dem Umbau.
Der Zugang erfolgt über ein Schiebetor, das an die frühere Garagennutzung erinnert.
Die Hauseingangstür befindet sich im Winkel des L-förmigen Gebäudes.

Coach House / Mews

Im London des 18. und 19. Jahrhunderts ließen sich wohlhabende adlige Familien Mansions, repräsentative und teils palastähnliche Herrenhäuser bauen, die sie für Aufenthalte in der Stadt nutzten. Auf der rückwärtigen Seite der Anwesen wurden Kutschenhäuser und Stallungen für die Unterbringung von Fahrzeugen, Pferden und das Personal errichtet. Die Coach Houses bzw. Mews sind als Neben- und Funktionsgebäude mit Remisen vergleichbar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der ersten Mobilitätswende wurden die Bauten, sofern sie noch vorhanden waren, als Garagen für Autos und Wohnräume für Chauffeure und Mechaniker weitergenutzt.

Transformation

In den letzten Jahrzehnten wurden die Londoner Coach Mews wiederentdeckt und erlebten eine neue Transformation. Die Bauten werden nun als charming, chic und cool betrachtet. Ihre Zweigeschossigkeit – unten Stall, oben Schlafquartier – ermöglicht den Ausbau zu individuellen, ungewöhnlichen Wohnungen. Zudem befinden sie sich in innerstädtischen Vierteln mit viel denkmalgeschützter Architektur. Die Erschließung erfolgt über schmale, heute überwiegend verkehrsberuhigte und damit ruhige Seitenstraßen, was einen gewissen Grad an Diskretion garantiert. Zur Rückseite, also zum Haupthaus hin, sind die Gebäude traditionell fensterlos, um dem Personal den Blick auf die Herrschaften zu verwehren.

Ein architektur- und design-affines junges Paar ersteigerte 2017 auf einer Auktion eine als Garage genutzte Mews, die baulich vernachlässigt und mit Gerümpel vollgestopft war. Sie erkannten die nordwestliche Ausrichtung als entscheidenden Vorteil für den Umbau in ein Wohnhaus. Während der Bauarbeiten konnte das Paar zudem ein unmittelbar angrenzendes Grundstück mit einem Schuppen dazukaufen. Der Umbau erfolgte deshalb in zwei Phasen erst bis 2022 und danach bis Ende 2023.

Grundrissorganisation

Die Büros Open Practice Architecture und Kinder Design verwandelten die einstige Garage in ein Einfamilienhaus mit drei Schlafzimmern, einem Wohn- und Küchenbereich sowie Räumen zum Arbeiten und einem Gästezimmer. Der benachbarte Schuppen wurde komplett umgebaut und ist für eine flexible Nutzung konzipiert: als Familienzimmer, als größerer Arbeitsraum fürs Homeoffice oder für die Unterbringung weiterer Gäste.

Der L-förmige Grundriss des Mews blieb erhalten, ebenso der Hof, den er fasst. Doch wo einst Pferde standen und Fahrzeuge parkten, befindet sich jetzt ein Garten. Der Zugang erfolgt durch ein Schiebetor, das an die frühere Garagennutzung erinnert. Das weiß lackierte Holztor verhindert zudem Einblicke in den Garten. Ein Gehweg führt zur Hauseingangstür im Winkel des L-förmigen Gebäudes. Das Entrée dient als Gelenk zwischen Wohnzimmer und Küche. Gegenüber der Eingangstür führt eine filigrane, offene Treppe ins Obergeschoss. Ein großes Oberlicht versorgt diesen zentralen Raum mit Tageslicht.

Schiebefenster, Klappläden, Light Pocket

Angesichts der Ausrichtung des Gebäudes und den drei geschlossenen Außenwänden orientieren sich alle Fenster im Erdgeschoss nach Nordwesten zum Hof. Raumhohe Schiebefenstern sorgen für maximalen Lichteinfall und erinnern an die vormaligen Tore des Stalls und der Garage. In geöffnetem Zustand verschmelzen Innen- und Außenbereich nahtlos.


Im Gegensatz zum offenen Erdgeschoss ist die obere Etage als Rückzugsort gestaltet. Hier befinden sich drei Schlafzimmer mit Einbauschränken und zwei Bäder. Die Räume sind niedriger und haben teilweise Dachschrägen. Die Fenster wirken mit ihren Klappläden aus Holz wie Luken in der hölzernen Wandverkleidung. Sind die Fensterläden geschlossen, verwandeln sich die Räume in behaglich, dämmrige Nischen. Ein kleiner Lichtschacht, den die Architekten Light Pocket nennen, versorgen ein ansonsten fensterloses Schlafzimmer und ein Bad mit Licht und Luft.

Material

Die Materialien unterstützen das architektonische Konzept. Die historischen hellen Ziegel wurden mit einer hellgelb-silbrigen Materialpalette ergänzt; eine Iroko-Holzschalung für die Fassadenverkleidung gewählt. Esche, Eichenfurnier, Edelstahl und weiße Wände bestimmen die Innenräume. Ausgesuchte Möbel der klassischen Moderne und des Mid-Century sowie Teppiche mit skandinavischem Flair beleben sie mit Farb- und Materialkontrasten. -sj

Bautafel

Architektur: Open Practice Architecture und Kinder Design, London
Projektbeteiligte: Evoke Projects, London (Bauausführung); Lathams (Tischlerarbeiten und Fenster)
Bauherrin: privat
Fertigstellung: 2022, 2023
Standort: East Dulwich London
Bildnachweis: Ellen Christina Hancock und Lewis Gregory, London – über Salt, London

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Glaswände/​Balkone

Fenstertüren

Schiebefenster bestehen aus einem Blendrahmen und Flügeln, die in einem Schienen- bzw. Nutsystem seitlich verschoben werden (im Bild: großformatige Schiebefenster cero-III von Solarlux mit schmalen Rahmen)

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Fensterarten

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