Charlie Living in Berlin

Simulierte Lichtstudien für mehr Planungssicherheit

Auf einem der letzten leerstehenden Grundstücke des ehemaligen Mauerstreifens in Berlin-Mitte wurde nach dreijähriger Bauzeit das Wohnquartier Charlie Living eröffnet. Das vom Planungsbüro Graft Architects entworfene Ensemble besteht aus vier Neubauten und komplettiert die gründerzeitliche Blockrandbebauung der Zimmerstraße in der Friedrichstadt, unweit des ehemaligen Checkpoint Charlie. Bauherr ist das Unternehmen Trockenland Management.

Der begrünte Innenhof ist auch für öffentliches Publikum zugänglich und verbindet die Zimmerstraße mit der Mauerstraße.
Die intensive Begrünung sorgt für ein positives Mikroklima und wird in der Fassadengestaltung weitergeführt.
Mit vier Gebäuden schließt das Quartier eine der letzten Lücken des Mauerstreifens und komplettiert so den Blockrand im historischen Areal am ehemaligen amerikanischen Checkpoint Charlie.

Während die Kubatur der Wohnanlage den Blockrand schließt, gewährt ein Querschnitt durch den Innenhof Einblicke in die außergewöhnliche Gestaltung des Komplexes und ermöglicht zugleich genügend Sonneneinfall. Die Einschnitte, eine polygonale Fassadengestaltung sowie zurückspringende Balkone und Loggien wecken Assoziationen an Felsformationen wie die des Grand Canyons. Das Bild der natürlichen Gesteinsgebilde wird durch die Innenhof- und Dachbegrünung unterstützt. Als neuer Baustein des historisch bedeutsamen Areals bietet Charlie Living seinen Bewohner*innen Privatsphäre, ohne die in seiner Mitte entstandene innerstädtische Oase vor der Öffentlichkeit zu verschließen. 

Vielfältiges Wohnangebot

Insgesamt 243 Zwei- bis Siebenzimmerwohnungen mit Größen zwischen 40 und 300 Quadratmetern bietet der Gebäudekomplex; dazu kommen 48 betreute Wohneinheiten. Die Wohnungen verteilen sich auf drei achtgeschossige Hauptgebäude (Haus A, B und C), die den bestehenden Blockrand durch ihre L-förmige Grundform ergänzen sowie einer dreigeschossigen Zeile (Haus D), die im Blockinneren fünf Stadthäuser unterbringt. Darüber hinaus gibt es ein Apartment Hotel sowie Gewerbeeinheiten und Freizeiträume für alle Bewohner*innen. Mit seinem umfangreichen Angebot gilt das Quartier als eines der größten Wohnungsneubauten seit der Internationalen Bauausstellung (IBA)1987. 

Bewegte Fassaden für jede Jahreszeit

Das Fassadenkonzept weist für jedes Haus eine eigene Geometrie auf, die sich durch eine spezifische Oberflächengestaltung äußert. So zeigt sich Haus A zur Zimmerstraße hin in einer grafitfarbenen Elementfassade, die sich zum Westen hin zu einem Relief entwickelt, das eine sanfte Umlenkung zum Innenhof ermöglicht. Die herausgeschobenen Erker sorgen für mehr nutzbare Fläche im Wohnraum und stellen einen Bezug zur Umgebung her. Charakteristisches Element von Haus B ist ein vorgestelltes, leicht geneigtes Balkongerüst aus Silber-Gold schimmernden Metallpaneelen, das eine optische Faltung der Fassade suggeriert. Die individuelle Ausrichtung der Balkone berücksichtigt den natürlichen Sonnenschutz und ermöglicht in dunkleren Jahreszeiten eine gute Belichtung der tiefen Wohneinheiten.

Auch an Haus C sind die Balkone gestaltprägend – hier setzten die Architekturschaffenden auf ein verwoben wirkendes Raster aus dreieckigen Balkonen. Die auskragenden Bauteile alternieren pro Geschoss in ihrer Ausrichtung; die abwechselnd auskragenden Geschosse wirken von ihrer Größe beinahe wie Terrassen. Ausgestattet mit Baumtrögen, soll die Begrünung des Innenhofs hier in der Vertikalen weitergeführt werden und so für mehr Privatsphäre sorgen. Haus D hingegen bricht mit einer eher klassischen Townhouse-Gestaltung das Muster der felsartigen Fassaden.

Das vielfach ausgezeichnete Projekt ermöglicht eine Verschmelzung der Struktur mit dem urbanen Raum. Denn trotz seines exklusiven Wohnangebots sind die Außenräume öffentlich zugänglich und damit auch für die Anwohner*innen nutzbar.

Digital gestützte Entwurfsplanung

Für komplexe Großprojekte, wie das Charlie Living, setzt Graft zunehmend auf eine digitale Unterstützung, um vielfältige Entwurfsvarianten effizient nach den projektspezifischen Parametern prüfen zu können. Hierzu gehört unter anderem auch die KI-gestützte Bildgenerierung und Simulation von Konzepten, zur schnellen visuellen Darstellung und Modifizierung. Mithilfe verschiedener Simulationen – wie etwa einer dreidimensionalen Lichtstudie – konnten die aufwendig gestalteten Fassaden und Balkone des Wohnkomplexes präzise analysiert und im weiteren Entwurfsprozess angepasst werden.

Bautafel

Architektur: Graft Architects, Berlin
Projektbeteiligte: Krebs + Kiefer Ingenieure (Tragwerksplanung); Man made Land (Landschaftsarchitektur); Müller-BBM (Bauphysik)
Bauherr*in: Trockenland Management, Berlin
Fertigstellung: 2020
Bildnachweis: © BTTR GmbH

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