Casino in Donaueschingen

Fassadenkonvektoren, Absorberwand und Sonnenlichtröhren

In Donaueschingen im südlichen Schwarzwald entstand im Auftrag der französischen und deutschen Regierung ein Wirtschafts- und Betreuungsgebäude für die Soldaten der deutsch-französischen Brigade und deren Familien. Der zweigeschossige, oberirdische Baukörper beschreibt mit dem Untergeschoss einen klaren Kubus. Dieser springt im Eingangsbereich auf der Längsseite um 5 m zurück und stellt dadurch die prägnanten V-Stützen frei.

Umlaufendes Fassadenprinzip mit schmalen und breiten Elementen
Casino mit einer 30 m langer Bar
Innenraum mit integrierten Lichtröhren

Ein funktional organisierter Grundriss gliedert um eine innen liegende Großküche Speisesäle, Bar, Cafeteria sowie Personal und Verwaltungsräume an. Die streng strukturierte umlaufende Fassade aus geschosshohen, vorgefertigten Elementen verleiht dem Gebäude einen homogenen Charakter. Im Wechsel reihen sich Elemente mit Festverglasungen an Einheiten, die durch integrierte Lüftungsklappen und Heizregister Teil des anspruchsvollen Lüftungssystems sind. Die festverglasten Elemente beinhalten eine hochwertige 3fach-Verglasung mit einem U-Wert des Glases von 0,6 W/m²K, wodurch in Kombination mit den hochgedämmten, opaken Paneelen ein sehr niedriger mittlerer Transmissionswärmeverlust von 0,42 W/m²K erreicht wird.

Solares Bauen
Der Energiebedarf des Gebäudes wurde durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekten und Energieplanern auf ein Minimum reduziert. Im Mittelpunkt des Konzeptes steht der sensible Umgang mit Tageslicht und einer passiven Wärmenutzung der Solarstrahlung. Die Zuluft erfolgt dezentral über die Fassadenelemente und wird bei Bedarf durch die integrierten Konvektoren erwärmt.

Um einen natürlichen Luftwechsel zu ermöglichen, wurde die Südfassade des auf dem Dach angeordneten und allseitig zurückversetzten Technikgeschosses voll verglast und mit einer schwarzen Absorberwand ausgestattet. Dadurch entsteht bei Sonneneinstrahlung ein thermischer Auftrieb, der die Abluftführung ohne den Einsatz energieintensiver Ventilatoren ermöglicht. Im Erdgeschoss kommen hierfür spezielle Sonnenlichtröhren zum Einsatz, die zudem diffuses Tageslicht in die mittleren Zonen der unteren Räume leitet. Lediglich der Küchenbereich wurde mit einer konventionellen Lüftungsanlage ausgestattet.

Durch dieses Konzept konnten die CO2-Emissionen gegenüber vergleichbaren Neubauten um ca. 50 Prozent reduziert werden. Der spezifische Endenergiebedarf für die Lüftung beträgt hier nur ca. 3 kWh/m²a. Eine Photovoltaik-Anlage mit einer Fläche von ca. 500 m² ist geplant, bislang aber noch nicht realisiert. Neben der jährlichen Betriebsenergie wurde für dieses Projekt auch der Energiebedarf des Gebäudes für die Erstellung und den Abriss sowie der Gesamtbedarf über eine Nutzungszeit von 50 Jahren ermittelt.

Bautafel

Architekt: Rolf + Hotz, Freiburg
Projektbeteiligte: Stahl + Weiß, Freiburg (Energiekonzept); Rentschler und Riedesser, Filderstadt mit Müller und Bleher, Radolfzell (Elektrotechnik); Mohnke, Denzlingen (Tragwerksplanung)
Bauherr: Republik Frankreich und Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Staatliche Hochbauamt Freiburg i.Br.
Nutzer: Deutsch-Französische Brigade Donaueschingen
Fertigstellung: 2006
Standort: Donaueschingen
Bildnachweis: Robert Sprang / Staatliches Hochbauamt Freiburg i.Br.