Casa Gruta in Valladolid

Ein Rückzugsort, inspiriert von Höhlen und Cenoten

Rund zwei Autostunden westlich von Cancún liegt Valladolid im mexikanischen Bundesstaat Yucatán. Im Viertel Sisal haben die Architekt*innen Salvador Román und Adela Mortera mit der Casa Gruta (deutsch: „Höhlenhaus“) einen Rückzugsort geschaffen, der Architektur und Landschaft eng miteinander verknüpft. Das introvertierte Wohn- und Ferienhaus versteht sich als bewohnbare, zeitgenössische Skulptur und nimmt Bezug auf die charakteristischen geologischen Formationen der Halbinsel – von Höhlen und Grotten bis zu den für Yucatán typischen Cenoten. Naturnah gestaltete Nassbereiche mit großen Wasserbecken greifen diese Motive auf und schaffen Orte der Abkühlung und Erholung.

Zwei Betonscheiben grenzen das Grundstück zu den angrenzenden Parzellen ab und fassen einen Vorbereich, der als Stellplatz dient. Ein Álamo-Baum markiert den Eingang zum Wohnhaus.
Hinter einer dunkelgrünen Schiebetür eröffnet sich eine räumliche Abfolge aus geraden und geschwungenen, offenen und überdachten Wandformationen.
Die brutalistische Anmutung des Entwurfs ist unverkennbar: Böden, Wände und Decken bestehen vollständig aus Beton und verleihen dem Haus eine monolithische Wirkung.

Ein introvertierter Baukörper

Als länglicher Riegel tief in eine schmale Baulücke eingeschoben, fügt sich das eingeschossige Bauwerk in die kleinteilige, zugleich dicht bebaute Struktur des Stadtviertels ein. Von der engen Straße aus ist das Gebäude kaum wahrnehmbar: Lediglich der Zugang hebt sich als klar definierte Eingangssituation von den farbenfrohen Nachbarbauten ab. Zwei Betonscheiben grenzen das Grundstück zu den benachbarten Parzellen ab und fassen einen Vorbereich, der als Stellplatz dient. Der mit quadratischen Betonplatten befestigte Boden wird von hellen Kieselsteinen durchsetzt, die bereits auf das geologische Leitmotiv des Entwurfs verweisen. Ein üppiger Álamo-Baum markiert den Eingang zum Wohnhaus.

Räume und Zwischenräume aus Beton

Hinter einer dunkelgrünen Schiebetür öffnet sich eine räumliche Abfolge aus geraden und geschwungenen, offenen und überdachten Wandformationen. Abwechselnd auf der linken und rechten Seite fügen sie sich an die durchgehenden Betonmauern entlang der Parzellengrenzen und bilden unterschiedliche Raumsituationen. Dazwischen führt ein Weg – mal unter freiem Himmel, mal tunnelartig überdeckt. Die brutalistische Anmutung des Entwurfs ist unverkennbar: Böden, Wände und Decken bestehen vollständig aus Beton und verleihen dem Haus eine monolithische Wirkung. Fenster- und Türrahmen sowie Einbauten aus Holz setzen dazu einen warmen Kontrast und schaffen einen Bezug zur umgebenden Natur.

Von Höhlen, Grotten und Cenoten inspirierte Architektur

Ein Aufenthalt in der Casa Gruta gleicht einem Spaziergang durch die Landschaft Yucatáns. Die räumliche Gestaltung erinnert an einen Weg durch Höhlen und Grotten, der immer wieder in lichte, von Vegetation geprägte Bereiche mündet. Geschützte und dunkle Raumsequenzen wechseln mit offenen Stellen, an denen sich der Blick zum Himmel oder in bepflanzte Innenhöfe weitet. Die Öffnungen zum Himmel sind im Haus sparsam gesetzt, entfalten dadurch jedoch umso stärker ihre Wirkung. Dort, wo sie die geschlossenen Bereiche durchbrechen, entstehen kleine Lichtungen im Innern, die ein lebendiges Spiel aus Tageslicht und Schatten erzeugen. Ein dunkles, gedämpftes und kontemplatives Ambiente prägt die Räumlichkeiten.

Zwischen Rückzug und Gemeinschaft

Auf rund 254 Quadratmetern bietet das Refugium Platz für sechs Gäste. Drei großzügige Schlafzimmer sind entlang des langgestreckten Volumens angeordnet: eines unmittelbar am Eingang, zwei weitere im rückwärtigen Bereich. Alle verfügen über ein eigenes Bad en suite. Die WCs sind jeweils in abgeschlossenen Räumen versteckt, während Dusche und Waschtische offen in die Raumstruktur integriert sind. Letztere treten als skulpturale Elemente mit integrierten Becken aus den Betonwänden hervor; eingestellte Wandscheiben definieren die Duschbereiche und schirmen sie gegenüber den Schlafbereichen ab. Armaturen in gebürstetem Goldton setzen zurückhaltende Akzente in den ansonsten materialreduzierten Räumen. Alle Schlafzimmer verfügen über einen unmittelbaren Außenraumbezug: Angeschlossene, begrünte Höfe lassen Tageslicht in die höhlenartigen Räume und erweitern sie nach außen.

Herzstück des Wohnhauses sind die gemeinschaftlich genutzten Räume mit Küche sowie Wohn- und Essbereich. Die Küche ist, ähnlich wie die Schlafzimmer, in eine kapselartige Wandnische mit angrenzendem Lichthof integriert und lässt sich über Schiebetürelemente flexibel zum Wohnbereich öffnen oder abtrennen. Der Wohnbereich bleibt vollständig offen. Über ihm spannt sich eine viertelkreisförmige Betonschale als Dachstruktur, die dem Raum eine höhlen- und grottenartige Wirkung verleiht. Die Schale überspannt nicht die gesamte Gebäudebreite, sondern lässt einen großzügigen Spalt frei, durch den Tageslicht in den Innenraum fällt. Eine massive Treppenskulptur erschließt die Dachterrasse und führt zugleich kanzelartig zu einem erhöhten Aussichtspunkt im Baukörper.

Wasser als wiederkehrendes Element

Wenn man schon von Grotten und Höhlen spricht, darf eines nicht fehlen: Wasser. Als wiederkehrendes Element ist es fest in die räumliche Organisation integriert und schafft Bezüge zu den geologischen und landschaftlichen Eigenschaften der Region. Das flache Becken im Eingangsbereich dient der Erfrischung der Füße, während das große, halbkreisförmige Becken im Gemeinschaftsbereich zum Eintauchen einlädt und an eine Cenote erinnert. Dem ersten Schlafzimmer sind im Lichthof eine betonierte Badewanne und eine Außendusche zugeordnet. Am rückwärtigen Schlafzimmer ergänzt ein kleines, rundes Becken den Rückzugsbereich. In die Wand integrierte Armaturen versorgen die Becken mit frischem Wasser. 

Bautafel

Architektur: Salvador Román & Adela Mortera, Mérida, Yucatán, Mexiko
Projektbeteiligte: Paulina Román & Andrés Briceño (Innenarchitektur); Concretum (Bauausführung); Archivo Vegetal / Paulina Román (Landschaftsarchitektur)
Bauherr*in: Salvador Román & Adela Mortera
Fertigstellung: 2025
Standort: Valladolid, Yucatán, Mexiko
Bildnachweis: Andrea Cinta / Fabian Martinez (Fotos); Salvador Román & Adela Mortera (Pläne)

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