Casa do Monte in Lissabon

Baden mit Weitblick

Über Treppen und steile Gassen, bergauf und bergab – wer die portugiesische Hauptstadt bereits besucht hat, kennt ihre markante hügelige Topografie und die zahlreichen Aussichtspunkte, die „Miradouros“, mit Blick auf die rote Dachlandschaft und die Mündung des Tejos. Doch nicht nur von öffentlichen Plätzen aus lassen sich die Panoramablicke über die Metropole am Atlantik genießen: Auch private Wohnhäuser an den steilen Hängen Lissabons warten mit eindrucksvollen Weitsichten auf. Eines von ihnen ist das Casa do Monte (dt. Haus auf dem Hügel). Den dreigeschossigen Neubau mit integriertem Swimmingpool auf der Dachterrasse realisierten Leopold Banchini Architects in Zusammenarbeit mit den Planenden von Bureau.

Das Wohnhaus, Casa do Monte (dt. Haus auf dem Berg), liegt auf dem höchsten Punkt der Stadt im Viertel rund um die Capela de Nossa Senhora do Monte.
Viele der Häuser in dem Viertel wurden im Laufe der Jahre verlassen und verfielen zunehmend.
Das Casa do Monte am Ende der Escadinhas Damasceno Monteiro war ebenfalls von Verfall betroffen. Die Ruine rekonstruierten die Planenden auf ihren bestehenden Fundamenten.

Städtebaulicher Kontext

Dass Lissabon – ähnlich wie Rom – der Gründungslegende nach auf sieben Hügeln erbaut wurde und daher auch als „cidade das sete colinas“ (dt. Stadt der sieben Hügel) bekannt ist, mag angesichts des Auf und Ab zu Fuß oder mit der charakteristischen gelben Straßenbahn kaum überraschen. Einen der unverbautesten Ausblicke bietet der Miradouro de Nossa Senhora do Monte mit gleichnamiger Kapelle auf dem Hügel Santo André, dem höchsten Punkt der mediterranen Stadt.

Viele der Häuser im Quartier rund um die 1147 von Augustinern gegründete und nach dem Erdbeben von 1755 wiederaufgebaute Capela de Nossa Senhora do Monte wurden im Laufe der Jahre verlassen und verfielen zunehmend. Auch das Casa do Monte am Ende der Escadinhas Damasceno Monteiro war betroffen. Die Planenden rekonstruierten die Ruine auf ihren bestehenden Fundamenten, wobei sie das historische Fassadenbild mit dem Rhythmus der ursprünglichen Öffnungen bewahrten und lediglich die innere Struktur des Eckhauses neu interpretierten. Das Gebäude ist in die rund vier Meter breite Treppenanlage eingerückt, wodurch sich der prominente Aufstieg nach oben hin zu einer schmalen Gasse verengt. Der Eingang des Wohnhauses liegt an der Westfassade.

Offenes Wohnen

Die Innenraumgestaltung folgt dem Prinzip des offenen Wohnens. Das Gebäude erstreckt sich über drei Geschosse, die bis auf einen zentralen, steinernen Funktionskern ohne zusätzliche Wände auskommen. Großzügige, viertelkreisförmige Einschnitte in die Decken vergrößern den Raum auf jeder Etage optisch, fördern die Kommunikation zwischen den Ebenen und lassen mehr Tageslicht in den Innenraum – insbesondere in das Erdgeschoss, das wegen der Hanglage nicht von allen Seiten gleich stark belichtet ist – einfallen. Ein geschützter, bepflanzter Patio, der mit lokal gefertigten, traditionellen portugiesischen Azulejos verkleidet ist, bringt zusätzliches Licht in die untere Ebene und eröffnet den Blick auf den Himmel von Lissabon.

Funktionskerne aus lokalem Marmor

Die eingestellten Funktionskerne aus lokalem rosa und weißem Marmor erfüllen die elementaren Bedürfnisse der Bewohner*innen: Im Erdgeschoss beherbergt ein U-förmiges Volumen die Küche, in den oberen Etagen dienen quadratische Module als alkovenartige Schlafbereiche und Nasszellen. Leichte Stoffvorhänge dienen der optischen Unterteilung. Große Schiebetüren aus Holz erlauben in den oberen Etagen eine temporäre Raumtrennung, zum Beispiel für geschlossene Schlafzimmer. Konsolen aus Marmor vervollständigen das minimalistische Design. Der in den geschwungenen Marmor des Erdgeschosses eingelassene Kamin heizt die Steinkerne auf jeder Etage. Eine filigrane, blau lackierte Spindeltreppe verbindet die Ebenen miteinander.

Minimalistische Badezimmer

Die auf das Minimum beschränkten Badezimmer sind vollständig aus rosa Marmor gestaltet, dessen Widerstandsfähigkeit sowie Stoß- und Kratzfestigkeit ihn besonders gut für den Einsatz an Waschplätzen eignet. Der Waschtisch aus dem gleichen Material scheint nahtlos aus der Wand zu wachsen und ruht auf filigranen, blau lackierten Stahlbeinen. Die Waschtischarmatur mit Einhebelmischer besteht aus robustem Edelstahl. Der bodengleiche Duschbereich ist mit einer rustikal anmutenden Duschgarnitur mit Handbrause ausgestattet. Eine verspiegelte Schiebetür trennt den Nassbereich vom übrigen Wohnbereich.

Dachterrasse mit Swimmingpool

Bis zur Dachterrasse bahnt sich die blaue Stahltreppe ihren Weg durch das Wohnhaus. Die Dachfläche ist mit weißen Marmorplatten ausgelegt und bietet einen weiten Panoramablick auf das umliegende Stadtbild. Das Highlight: Ein L-förmiger, ebenfalls mit den weißen Steinplatten gefliester Swimmingpool umrahmt den Freisitz und sorgt für Abkühlung an heißen Tagen. Drei in die Dachkonstruktion integrierte Pinien dienen als natürliche Schattenspender. -sms

Bautafel

Architektur: Leopold Banchini Architects, Genf
Projektbeteiligte: Bureau, Genf/Lissabon (Entwurfspartner)
Bauherr*in: privat
Standort: Lissabon, Portugal 
Fertigstellung: 2019
Bildnachweis: Dylan Perrenoud, Genf (Bilder); Leopold Banchini Architects, Genf; Bureau, Genf/Lissabon (Bilder und Pläne)

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