Canal Café in Venedig

Espresso aus der Lagune gewinnt den Goldenen Löwe 2025

In Venedig käme wohl niemand auf die Idee, das Wasser der Lagune zu trinken. Die Stadt, die auf und in dem Wasser gebaut ist, belastet ihr flüssiges Fundament stark. Zwar schimmert die Lagune türkis bis klarblau, ist aber aufgrund eingeleiteter Abwässer aus Industrie, Landwirtschaft und Privathaushalten und des zunehmenden Bootsverkehrs stark verschmutzt. Das Canal Café des New Yorker Architekturbüros Diller Scofidio + Renfro will auf der diesjährigen Architekturbiennale mit einem hybriden Filtersystem das Unvorstellbare möglich machen: Espresso aus Lagunenwasser. Für dieses Projekt erhielt das Büro den Goldenen Löwen der 19. Ausgabe als beste Teilnahme. 

Diller, Diller Scofidio + Renfro entwarfen Konzept und Design, das Wasseringenieurbüro Natural Systems Utilities entwickelte gemeinsam mit dem Umweltingenieurbüro Sodai das Filtersystem und setzte dieses um.
Das New Yorker Architekturbüro erhielt für dieses Projekt den Goldenen Löwen der 19. Ausgabe als beste Teilnahme.
Schema Wasserkreislauf

Das Canal Café befindet sich auf dem Außengelände des Arsenales und vereint Espresso-Bar und Wasserlabor. Diller Scofidio + Renfro entwarfen das Konzept und Design, während das US-amerikanische Wasseringenieurbüro Natural Systems Utilities gemeinsam mit dem italienischen Umweltingenieurbüro Sodai das Filtersystem entwickelte und umsetzte. Der italienische Spitzenkoch Davide Oldani soll die Qualität des Espressos garantieren. 

 

Am Anfang des mehrstufigen Filtersystems steht ein transparentes Rohr, durch das Lagunenwasser in einen biologischen Filter fließt. Dieser entfernt Schlamm und toxische Stoffe. Ein Teil des Wassers fließt anschließend durch einen natürlichen Membranbioreaktor – ein Mikrofeuchtgebiet, in dem salztolerante Pflanzen, sogenannte Halophyten, das Wasser reinigen und dabei Mineralien zurückhalten. Der andere Teil fließt durch ein künstliches Filtersystem, das mithilfe von Umkehrosmose und UV-Desinfektion destilliertes Wasser erzeugt. Schließlich werden die beiden gefilterten Wasserarten gemischt, verdampft und durch den Kaffeesatz gepresst – fertig ist der Espresso.

 

Diller Scofidio + Renfro schlugen das Konzept bereits für die Architekturbiennale 2008 vor. Damals scheiterte die Umsetzung des Cafés an bürokratischen Hürden. Dementsprechend ist der damalige Kurator Aaron Betsky als Mitwirkender des Projekts gelistet. Carlo Ratti, Kurator der diesjährigen Biennale, griff die Idee wieder auf: Mit der Verbindung von künstlichem und natürlichem Filtersystem setzt das Café das Thema Intelligens. Natural. Artificial. Collective genussvoll um.

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