Bukranion
Stierschädel, Aaskopf
An Hauseingängen, als Schlussstein eines Torbogens oder an markanten Gebäudeecken sind manchmal stilisierte oder naturalistisch geformte Rinderschädel zu sehen. Sie erinnern an die Logos mancher Steakhäuser, sind jedoch ein wesentlich älteres Schmuckmotiv in der Architektur. Solche Schädel werden als Bukranion bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus βοῦς für Rind und κρανίον für Schädel zusammen.
Ursprung und Bedeutung
Die Nachbildung eines skelettierten Schädels – ob von Rind, Stier, Ochse oder seltener von Ziege oder Widder – wird auch Aaskopf genannt. Diese Darstellungen gehen auf Kult- und Opfertieren zurück, die in der griechisch-römischen Antike auf Altären geopfert und zu besonderen Anlässen als Schmuckelemente zusammen mit Girlanden aus Zweigen und Blüten aufgehängt wurden. Möglicherweise ist dieser Brauch noch älter: archäologische Forschungen lassen vermuten, dass im Neolithikum echte Skelett-Teile aufgespießt oder aufgehängt wurden.
Symbolik in Kunst und Architektur
Rinder symbolisieren in der Bau- und Kunstgeschichte nicht nur Opfertiere, sondern auch Geduld und Demut – Eigenschaften, die sie als ruhige und genügsame Lasttiere verkörpern. In der Renaissance, im Barock und im Historismus kehrten die Tierschädel als plastische Fassadendekoration zurück. Sie können aus Sandstein, Marmor oder Stuck gefertigt sein. Bukranien an Möbeln wie Schränken, Tischen, Spiegeln oder Kerzenständern sind dagegen Holzschnitzereien oder Metallarbeiten.
Das Tieranatomische Theater in Berlin
Das Tieranatomische Theater in Berlin-Mitte, erbaut 1789/90 nach Plänen von Carl Gotthard Langhans, zeigt symbolisch-narrative Pferde-, Ziegen- und Rinderschädel. Die Aasköpfe schmücken als Schlusssteine die Fenster und finden sich im Inneren als gemalte oder geschnitzte Dekorationen an der Decke und an Möbeln. Sie verweisen auf die ursprüngliche Funktion des Gebäudes: Hier sezierten Tierärzte, die im Auftrag Friedrich Wilhelms II. für das preußische Militär ausgebildet wurden, vor allem Pferde.
Nach einer umfassenden Sanierung (2003 bis 2012) nutzt die Humboldt-Universität zu Berlin das Theater heute als Ausstellungsraum und Bühne für experimentelle Darstellungen. -sj
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