Büroumbau in München

Open Space, Glas und schallabsorbierende Vorhänge

Als prachtvoller Boulevard um die Jahrhundertwende angelegt, säumen die Münchener Prinzregentenstraße zahlreiche mondäne und monumentale Bauten. Unauffällig dazwischen reiht sich ein von der Straße zurückgesetzter Geschäftsbau der 1950er-Jahre mit ebenmäßiger Rasterfassade ein. Hier hat das Beratungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen Goetzpartners seinen Hauptsitz. Nach einem Komplettumbau durch die Architekten Olga Ritter und Kilian Jockisch bietet es auf sechs Geschossen und einer Fläche von insgesamt rund 2.400 Quadratmetern helle Büroflächen für die Beschäftigten des Unternehmens. Bestandteil der Planung war auch die Integration zahlreicher Kunstwerke aus der Sammlung des Firmengründers und seiner Frau.

Eine grundlegende Umgestaltung aller sechs Geschosse mit offenen Büroebenen planten Ritter Jockisch Architektur Innenarchitektur
An die Stelle von Zellen und Fluren treten freie Decks, die durch raumhoch verglaste Einzel- oder Doppelbüros und Besprechungsräume gegliedert werden
Mehr Arbeitsplätze, Open Space und die Integration von Kunstwerken aus der Sammlung des Firmengründers waren Planungsinhalte

Im Rahmen der Umgestaltung sollten mehr Arbeitsplätze sowie eine offene Grundrissstruktur nach ergonomischen und arbeitssoziologischen Gesichtspunkten entstehen. Dafür wurde die bisherigen Zellenbüros geschossweise durch Open-Space-Flächen ersetzt. Neben der visuellen Öffnung der Ebenen sollten sie unabhängig vom Fassadenraster eine Verdichtung ermöglichen. An die Stelle der kleinteiligen Zellen und Flure treten heute freie Decks, die durch raumhoch verglaste Einzel- oder Doppelbüros und Besprechungsräume gegliedert sind. Sie flankieren den zonierenden Mittelgang; Stützen im Raum sorgen für die notwendige Statik.

Je nach Belegung der Geschosse gibt es zusätzlich zu den Büros Steharbeitsplätze, Arbeitstresen entlang der Fenster, Miniaturräume zum Telefonieren sowie Kommunikationsbereiche und erweiterte Cafeteriazonen. Diese flexible Struktur soll zu Bewegung anregen und vor allem den Austausch zwischen den Mitarbeitern fördern – auch über die verschiedenen Etagen und Unternehmenszweige hinweg. Vom fünften Obergeschoss führt eine breite Sitztreppe zur Konferenzebene im Dachgeschoss. Am Fußpunkt der Treppe befindet sich eine Lounge, die durch Vorhänge und eine Leinwand zum Auditorium verwandelt werden kann. Hier ist Platz für Vorträge, Präsentationen und Filmvorführungen.

Die Farbgestaltung ist durchweg sehr dezent: Wände und Decken sind schlicht weiß, ebenso die halbhohen Schränke zwischen den einzelnen Arbeitszonen. Als Bodenbelag wurde größtenteils hell- bis mittelgrauer Teppich gewählt. Verschiedene Grautöne und Schwarz kennzeichnen auch die filigranen Büromöbel. Einzelne Farbtupfer sind spärlich verteilt, beispielsweise ein rotes Sofa in der Lounge oder bunt gemusterte Teppiche auf der Sitzbank im Dachgeschoss. In den zurückgenommenen Räumen kommen die durchdacht platzierten Kunstwerke – Gemälde und Skulpturen aller Größen – besonders stark zur Geltung. Die Inszenierung wird durch die gezielte Beleuchtung mit Strahlern und Downlights unterstützt. Für die Allgemein- und Arbeitsbeleuchtung sorgen verschiedene Einbaustrahler, Pendel- und Stehleuchten.

Akustik
Um trotz aller gewünschten Offenheit, Transparenz, Dynamik und Kommunikation eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre zu schaffen, wurden einzelne Bereiche in Zonen unterteilt. Zwischen den Arbeitsgruppen reduzieren die halbhohen Schränke die akustischen Beeinträchtigungen, ohne dabei den Blick auf die Gesamtfläche einzuschränken. Weiße Vorhänge in den raumhohen Glaskabinen bieten bei Bedarf Sichtschutz. Sie bestehen aus dem schwer entflammbaren Gewebe Trevira CS und schirmen nicht nur vor Blicken ab, sondern wirken auch als poröse Schallabsorber (Schallabsorptionsgrad α 0,70) vor den schallharten Glasscheiben. Die bodenlangen Vorhänge vor den Fenstern sind aus dem gleichen dichten Stoff und ebenfalls weiß. Hier dienen sie dem Schall- und Blendschutz. -jb

Bautafel

Architekten: Ritter Jockisch Architektur Innenarchitektur, München
Projektbeteiligte: Feix Ingenieure, München (Tragwerksplanung); IBS Planungsgesellschaft Haustechnik, Germering (TGA-Planung); Brandschutz Käfer, Grafing (Brandschutzkonzept); Müller BBM, Planegg (Bauphysik); Schmidt König Lichtplaner, München (Lichtplanung); Création Baumann, Langenthal  (Vorhangstoff Umbria III)
Bauherr: Goetzpartners, München
Fertigstellung: 2017
Standort:
Prinzregentenstr. 56, 80538 München
Bildnachweis: Brigida González, Stuttgart / Courtesy Sammlung Goetz, München

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