Brickhouse with tower in Lillehammer

Harte Schale, weicher Kern

Mit rund 25 Ziegeleien machte sich die Region rund um den Mjøsa See in Norwegen einen Namen in der Ziegelproduktion, was sich bis heute in der Architektur der Umgebung widerspiegelt – wie etwa in der Kommune Lillehammer, die sich nördlich des Sees befindet. Dort realisierte das Osloer Architekturbüro Sanden + Hodnekvam Arkitekter 2022 ein unkonventionelles Einfamilienhaus mit ortstypischer Ziegelfassade. 

Der Turm beherbergt eine Galerieebene, die als kleine Bibliothek mit Blick über den zweigeschossigen Wohnraum genutzt wird.
Großformatige Fensterflächen erweitern die Räume in die idyllische Umgebung und gewähren einen Ausblick auf die Stadt im Norden und den See im Westen.
Östlich, in Richtung Hang schließen die Architekt*innen die Fassade und betonen so die monolithische Wirkung des Hauses.

Gestreckt am Hang

Das Wohnhaus steht am Südhang eines steilen Hügels am Stadtrand und macht durch seine gestreckte Kubatur mit zweigeschossigem Turm an der nördlichen Stirnseite trotz aller Einfachheit auf sich aufmerksam. Das Gebäude ist parallel zum Hang positioniert. Bedingt durch den schmalen, langen Grundriss, reihen sich die Räume auf beiden Ebenen wie an einer Schnur hintereinander auf. Im abgesenkten Erdgeschoss befinden sich Spielzimmer für die Kinder und eine kleine Mietwohnung. Im Obergeschoss liegen an der Südseite die Schlafzimmer der Familie und ein gemeinsames Bad, während nördlich die Gemeinschaftsbereiche angeordnet sind. Eine offene Küche mit anschließendem Ess- und Wohnbereich nimmt fast zwei Drittel der Fläche auf dieser Ebene ein. 

Im Turm gibt es eine Galerieebene, die als kleine private Bibliothek genutzt wird und einen spannenden Blick über den an dieser Stelle zweigeschossigen Wohnraum bietet. Durch den Luftraum wird eine räumliche Großzügigkeit vermittelt, die im Kontrast zu den sonst eher klein und gemütlich gehaltenen Zimmern steht. Großformatige Fensterflächen erweitern die Räume in die idyllische Umgebung und gewähren einen Ausblick auf die Stadt im Norden und den See im Westen. Die Erschließung der drei Etagen erfolgt über eine einläufige Treppe an der östlichen Längsseite des Hauses.

Harte Schale, weicher Kern

Das außen massiv wirkende Haus überrascht im Innenraum durch eine warme und vor allem leichte Holzkonstruktion in Sichtoptik. Mit der Materialwahl wollten die Planenden eine gleichermaßen wirtschaftliche wie ehrliche Architektur entwerfen. Während die größtenteils unbehandelt bleibenden Holzoberflächen den Bezug zum umgebenden Wald spürbar machen, soll die steinerne Hülle Langlebigkeit und Beständigkeit repräsentieren. Zugleich stellt sie eine Reminiszenz an die historischen Backsteinbauten Lillehammers wie die Kirche und den Bahnhof dar. 

Die Ziegelsteine für das rund 220 Quadratmeter große Haus wurden mit Kohle gebrannt und stammen aus Dänemark. Ihre rot-, braun- und ockerfarbige Oberfläche sorgt für ein lebendiges Fassadenbild. Durch schmale, unverfugte Öffnungen zwischen den Mauerststeinen gelingt die Luftzirkulation hinter der massiven Schale. Blecheinsätze wie bei der Attika wurden mit Kupfer ausgeführt, welcher gemeinsam mit dem Mauerwerk altern soll.

Bautafel

Architektur: Sanden + Hodnekvam Architects, Oslo
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2022
Standort: Flugrud, Lillehammer
Bildnachweis: Sanden + Hodnekvam Architects

Fachwissen zum Thema

Feldbrandofen in Angola

Feldbrandofen in Angola

Mauersteine

Entwicklung des Ziegelofens

Ein hoher Eisengehalt im verwendeten Ton führt bei den gebrannten Ziegeln zu der typisch roten Färbung

Ein hoher Eisengehalt im verwendeten Ton führt bei den gebrannten Ziegeln zu der typisch roten Färbung

Mauersteine

Mauerziegel

Bauwerke zum Thema

Das Wohnhaus nach Plänen von BLAF architecten ist dreigeschossig und fügt sich in die vorhandene Grundstückstopografie ein.

Das Wohnhaus nach Plänen von BLAF architecten ist dreigeschossig und fügt sich in die vorhandene Grundstückstopografie ein.

Wohnen/​EFH

JTB House in Oud-Heverlee

Mit der geschwungenen Fassade des Reihenhauses interpretiert das Architekturbüro Poot Architectuur die traditionellen Erker neu, die der Straßenflucht eine gewisse Rhythmik verleihen.

Mit der geschwungenen Fassade des Reihenhauses interpretiert das Architekturbüro Poot Architectuur die traditionellen Erker neu, die der Straßenflucht eine gewisse Rhythmik verleihen.

Wohnen/​EFH

Reihenhaus Benedictus in Antwerpen

Tipps zum Thema

Publikationen

Nachschlagewerk für Verblendmauerwerk

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Mauerwerk sponsored by:
KS-ORIGINAL GmbH
Entenfangweg 15
30419 Hannover
www.ks-original.de