Brandschutz für grüne Fassaden

Fachbeitrag von Thomas Engel zum Forschungsprojekt FireSafeGreen

Fassadenbegrünungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung im urbanen Raum. Sie verbessern das Mikroklima, fördern Biodiversität und tragen zur Reduktion der sommerlichen Wärmebelastung bei. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung – insbesondere an mehrgeschossigen Gebäuden – rücken jedoch Fragen des vorbeugenden Brandschutzes in den Fokus. Da für begrünte Fassaden bislang nur begrenzt technische Regelwerke und Bemessungsgrundlagen verfügbar sind, besteht sowohl in der Planung als auch im Genehmigungsprozess ein erhöhter Bedarf an belastbaren Erkenntnissen. Im Beitrag Brandschutz für grüne Fassaden – Prinzipien für mehrgeschossige Gebäude von Thomas Engel, erschienen im metallbau magazin, sind die Ergebnisse des Forschungsprojekts FireSafeGreen zusammengefasst. 

Nach einer Einführung in die Grundlagen der Fassadenbegrünung erläutert der Autor verschiedene Begrünungssysteme und deren brandschutztechnische Besonderheiten. Vorgestellt werden bodengebundene Kletterpflanzen an Rankhilfen sowie wandgebundene Begrünungssysteme – sogenannte Living Walls. Während sich Kletterpflanzen an Rankhilfen anhand allgemeiner brandschutztechnischer Prinzipien bewerten lassen, sind Living-Wall-Systeme aufgrund ihres komplexen Aufbaus und herstellerspezifischer Konstruktionen in der Regel objektspezifisch und auf Grundlage großmaßstäblicher Brandversuche zu beurteilen.

Ein zentraler Abschnitt widmet sich den experimentellen Untersuchungen des Forschungsvorhabens. Im ersten Teil wurden insgesamt 43 kalorimetrische Brandversuche nach dem Single-Burning-Item-Verfahren (SBI) an 25 verschiedenen Kletterpflanzenarten durchgeführt. Untersucht wurden unter anderem der Einfluss von Pflanzenart, Feuchtigkeitsgehalt, Vegetationsdichte, Biomasseanteil sowie Alter und Jahreszeit auf das Brandverhalten. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht die Pflanzenart, sondern vor allem der Feuchtigkeitsgehalt entscheidend für die Entflammbarkeit ist. Gepflegte, vitale Pflanzen wiesen eine geringe horizontale Brandausbreitung auf und zeigten nach dem Entfernen der Brandquelle ein Selbstverlöschungsverhalten. Als deutlich kritischer erwiesen sich abgestorbene oder stark ausgetrocknete Pflanzen mit hohem Totholzanteil.

Im weiteren geht es um großmaßstäbliche Fassadenbrandversuche im Rahmen des Projekts FireSafeGreen. Insgesamt wurden acht Brandversuche unter realitätsnahen Bedingungen durchgeführt, darunter Wand- und Balkonversuche mit unterschiedlichen Brandszenarien. Analysiert wurden die vertikale Brandausbreitung, die Wärmebeanspruchung angrenzender Bauteile sowie das Brandverhalten vitaler und getrockneter Begrünungen. Bei vitalen Pflanzen reichte das Flammenbild entlang der Fassade auf etwa das 2,5-fache der Höhe der Primärbrandquelle, bei größerem Abstand zur Außenwand auf etwa das 1,5-fache. Trotz der Flammenentwicklung war kein selbstständiges Weiterbrennen der begrünten Fassade zu beobachten.

Welche Planungsprinzipien lassen sich aus den Untersuchungen ableiten? In dem Beitrag sind brandschutztechnische Trennbereiche, Abstände zu Fenstern, Türen und Dachüberständen sowie Anforderungen an Rankkonstruktionen und Fassadendetails aufgeführt. Für Kletterpflanzen an Rankhilfen empfiehlt der Autor beispielsweise einen Mindestabstand von 500 mm zu Fensteröffnungen und zu auskragenden Bauteilen aus brennbaren Baustoffen. Die regelmäßige Pflege der Begrünung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Brandsicherheit. Standardbegrünungen erfordern in der Regel einen Wartungszyklus pro Jahr, um Totholz zu entfernen und einen ausreichenden Feuchtigkeitsgehalt der Vegetation sicherzustellen.

Abschließend ordnet Thomas Engel die Ergebnisse des Forschungsprojekts in den bestehenden rechtlichen Rahmen und vorhandene Regelwerke ein. Er zeigt auf, welche Erkenntnisse in der Planung schon heute berücksichtigt werden können. Die Weiterentwicklung technischer Regelwerke sowie Anforderungen an den Nachweis der Brandsicherheit insbesondere von Living-Wall-Systemen wird diskutiert. Der Artikel ist online publiziert: siehe Surftipps

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