Brandarten und -ursachen

Das Brandrisiko hängt von der Art des Dämmstoffs und der Einbausituation ab. Zu beachten ist jedoch, dass die Gefahr nicht von den Dämmstoffen selbst ausgeht, sondern von umgebenden Wärmequellen. Es werden drei Arten von Bränden unterschieden: Schwelbrände, Glimmbrände und offene Brände. 

In dicken Dämmschichten, verdichteten Einblasdämmungen und schlecht kontrollierbaren Hohlräumen kann ein Glimmbrand unentdeckt anhalten.
Die Spuren von Rus und starker Rauchentwicklung an einer Fassade
Offener Brand an einem Dachgeschoss

Schwelbrand

Ein Schwelbrand ist eine langsame Pyrolyse, die bei minimaler Luftzufuhr auch selbstständig ablaufen kann. Es entwickelt sich Rauch, während der Baustoff sehr langsam verkohlt – ohne offene Flamme. Die Reaktionstemperaturen betragen 150 bis 500 °C. Schwelbrände entstehen meist in Hohlräumen mit brennbaren Materialien infolge der Beflammung einer Oberfläche, etwa durch Zimmer- oder Kaminfeuer. Gerade bei Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen (zum Beispiel Holzfaser, Zellulose und Hanf) spielt das Schwelverhalten daher eine wichtige Rolle. 

Schwelbrände werden außerdem dadurch begünstigt, dass unzureichend isolierte Flächen an Bauteile mit andauernd hohen Temperaturen angrenzen, beispielsweise Kamine, Rauchabzüge, Beleuchtungskörper. Darüber hinaus sind Bauteile mit Hohlräumen kritisch, etwa Holzrahmenwände, Dachschrägen, Zwischendecken und Installationsräume. Dort können sich Wärme und Brandgase unbemerkt ausbreiten, wodurch ein Brand über längere Zeit unentdeckt bleiben kann. Weil sie so heimtückisch sind, werden Schwelbrände auch in der DIN EN 16733: Prüfungen zum Brandverhalten von Bauprodukten – Bestimmung der Neigung eines Bauprodukts zum kontinuierlichen Schwelen adressiert.

Glimmbrand

Als Glimmbrand wird das Verglimmen der Kohle bzw. der restlichen Bestandteile eines Baustoffes bezeichnet. Die Reaktionstemperaturen liegen hier bei 500 bis 1000 °C. Brandursachen können defekte Elektroinstallationen und Kabelüberhitzung sein sowie Schwelbrände, die in die Glimmphase übergehen. In dicken Dämmschichten, verdichteten Einblasdämmungen und schlecht kontrollierbaren Hohlräumen kann ein Glimmbrand langsam im Material vordringen, ohne dass offene Flammen sichtbar werden. 

Die Fachagentur für Nachhaltige Rohstoffe (FNR) schreibt in ihrem Bericht Entwicklung einer glimmgeschützten Holzfaserdämmung, dass ein Glimmbrand über mehrere Stunden lang unentdeckt in Wänden, Dächern und anderen Gebäudeteilen anhalten kann, während er die Tragfähigkeit der Bausubstanz schädigt und die Rauchgaskonzentration in den Innenräumen ansteigt. Da er allein durch interne exotherme Reaktionen aufrechterhalten wird (selbsterhaltender Glimmbrand), lässt sich der Brand in der Regel nur durch vollständigen Sauerstoffentzug stoppen. Es kommt sogar vor, dass das Glimmen ohne externe Hitzequelle in einen Flammenbrand übergeht.

Offener Brand

Bei einem offenen Brand zersetzt sich der Baustoff unter sichtbarer Flammenbildung. Solche Brände können sowohl durch Fremdentzündung als auch durch Selbstentzündung infolge einer langandauernden Erwärmung entstehen; die Reaktionstemperatur liegt bei mindestens 100 °C. 

Typische Ursachen sind fahrlässiges Nutzerverhalten, beispielsweise im Umgang mit offenem Feuer, beim Rauchen, durch Entzünden von überhitztem Fett oder das Vergessen des heißen Bügeleisens. Zu einem offenen Brand führen aber auch technische Mängel (zum Beispiel ein Kurzschluss), Naturereignisse (zum Beispiel Blitzschläge) und der Brandüberschlag aus Fensteröffnungen. Auch Brandstiftung bei Müllcontainern und Fahrzeugen, die vor Fassaden abgestellt sind, kann einen offenen Brand auslösen. In der Bauphase stellen Schweiß-, Trenn- und Lötarbeiten sowie Dacharbeiten mit offener Flamme eine Gefahr dar.

Offene Brände sind vor allem bei brennbaren Dämmstoffen wie expandiertem Polystyrol (EPS), extrudiertem Polystyrol (XPS) und Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) ein Problem. Besonders kritisch sind großflächige, zusammenhängende Dämmstoffanwendungen wie Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHS) sowie Flach- und Steildachaufbauten, für die deshalb spezifische brandschutztechnische Anforderungen und Systemvorgaben gelten.

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Dem sehr unterscheidlichen Brandverhalten der einzelnen Baustoffe bzw. Bauprodukte versucht man mit den Euroklassen Rechnung zu tragen.

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