Bodengesundheit

Böden sind weit mehr als landwirtschaftlich nutzbare Flächen: Sie bilden ein komplexes, lebendiges System aus mineralischen und organischen Bestandteilen, das zentrale ökologische Funktionen erfüllt. Als Lebensraum für Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere sind sie ein Schlüssel zur Biodiversität – zugleich ermöglichen sie die Produktion von Nahrungsmitteln und Rohstoffen.

Die Gesunderhaltung des Bodens erfordert eine gezielte und möglichst naturverträgliche Pflege: Ziel ist es, Fruchtbarkeit, Wasserspeicherfähigkeit und Widerstandskraft langfristig zu erhalten.
Die empfohlenen fünf Maßnahmen umfassen eine Bodenanalyse, schonende Bearbeitung, angepasste Düngung, Bedeckung und Fruchtwechsel.
Die Düngung sollte sich stets am tatsächlichen Nährstoffbedarf orientieren. Besonders empfehlenswert ist der Einsatz von Kompost als organischem Hauptdünger.

Bodenfunktionen – Das stille Multitalent unter unseren Füßen

Rund die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Gesunde Böden sind daher essenziell für die Ernährungssicherheit. Zugleich erfüllen sie wichtige Funktionen im Wasser- und Klimahaushalt: Sie speichern Niederschlagswasser, geben es zeitverzögert wieder ab, binden Kohlenstoff und schützen das Grundwasser durch ihre natürliche Filter- und Pufferfunktion. 

Schadstoffe, die über die Luft oder Niederschläge in den Boden gelangen, können in der Humusschicht gebunden oder von Bodenorganismen abgebaut werden – solange die natürliche Aufnahme- und Abbaukapazität nicht überschritten wird. Durch die Speicherung von CO₂ in Form von Humus leisten Böden zudem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Weltweit speichern sie rund achtmal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre. Auch für den Hochwasserschutz spielen Böden eine zentrale Rolle: Sie nehmen Niederschlagswasser auf und geben es verzögert wieder ab. Ein Quadratmeter Boden kann im Durchschnitt rund 200 Liter Wasser speichern.

Böden sind auch Zeitzeugen: Als Archive der Natur- und Kulturgeschichte bewahren sie Spuren von vergangenen Umweltbedingungen, Vegetation und menschlicher Nutzung über Jahrtausende hinweg. Paläoböden liefern beispielsweise wichtige Hinweise auf das Klima früherer Epochen, während archäologische Funde im Boden kulturelle Entwicklungen dokumentieren.

All diese Funktionen wirken meist gleichzeitig und sind eng miteinander verknüpft. Ihre Erhaltung ist daher nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich von zentraler Bedeutung. Der Schutz intakter Böden ist gesetzlich verankert – etwa im Bundes-Bodenschutzgesetz. Darin ist festgehalten, dass schädliche Bodenveränderungen abzuwehren und natürliche Bodenfunktionen zu erhalten oder wiederherzustellen sind.

Doch die Bodenfunktionen sind bedroht: Erosion, Verdichtung, Schadstoffeintrag und Flächenversiegelung beeinträchtigen ihre ökologischen Leistungen massiv. Wird ein Boden versiegelt – etwa durch Straßen oder Gebäude – gehen fast alle natürlichen Funktionen dauerhaft verloren. 

Empfehlungen für die Bodenpflege 

Die Gesunderhaltung des Bodens erfordert eine gezielte und möglichst naturverträgliche Pflege. Der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege empfiehlt daher eine Instandhaltung des Bodens, die Bodenbiologie, -physik und -chemie in Einklang bringt. Ziel ist es, Fruchtbarkeit, Wasserspeicherfähigkeit und Widerstandskraft langfristig zu erhalten. Die empfohlenen fünf Maßnahmen umfassen eine Bodenanalyse, schonende Bearbeitung, angepasste Düngung, Bedeckung und Fruchtwechsel.

Am Anfang jeder gezielten Pflege steht die Bodenanalyse. Im Spätherbst entnommene Proben geben Aufschluss über Nährstoffgehalte (Phosphor, Kalium, Magnesium), pH-Wert und Humusanteil. Die Ergebnisse zeigen, ob und in welchem Umfang eine Nachdüngung nötig ist – und vermeiden Überversorgung. 

Die Düngung sollte sich stets am tatsächlichen Nährstoffbedarf orientieren. Besonders empfehlenswert ist der Einsatz von Kompost als organischem Hauptdünger. Eine jährliche Menge von etwa drei Litern pro Quadratmeter genügt in den meisten Fällen, um Gartenpflanzen ausreichend zu versorgen. Auf mineralische Mehrnährstoffdünger sollte verzichtet werden, da sie das ökologische Gleichgewicht stören und zur Belastung des Grundwassers beitragen können. 

Um das empfindliche Bodenleben zu schonen, empfiehlt der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege nur ein oberflächliches Lockern mit Handwerkzeugen. Umgraben ist nur bei schweren Böden notwendig – am besten spät im Jahr, um die natürliche Frostgare zu nutzen. 

Zum Schutz vor Erosion, Austrocknung und Temperaturextremen wird die Abdeckung des Bodens mit organischem Material vorgeschlagen. Mulch aus Laub, Grasschnitt oder Pflanzenresten reguliert das Mikroklima an der Bodenoberfläche und fördert gleichzeitig das Bodenleben. In Anbaulücken kann die Aussaat von Gründüngungspflanzen erfolgen – etwa Phacelia, Spinat oder Winterraps. Sie lockern durch ihr Wurzelwerk tiefere Bodenschichten, schützen vor Nährstoffauswaschung und tragen zur Humusbildung bei. 

Nicht zuletzt spielt die Fruchtfolge eine zentrale Rolle für die Regeneration der Böden. Ein Anbauwechsel verhindert die Anreicherung von Krankheitserregern und beugt Bodenermüdung vor. Pflanzen aus derselben Familie sollten demnach nur alle drei bis vier Jahre auf derselben Fläche kultiviert werden. Besonders geeignet sind Hülsenfrüchtler wie Erbsen oder Lupinen, die Stickstoff im Boden anreichern und somit als Vorfrüchte für nährstoffbedürftige Kulturen dienen. Auch Blumen- oder Getreidezwischenfrüchte können zur Stabilisierung des Bodenmilieus beitragen.

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