Biohotel in Hohenbercha

Biomasse-Nahwärme, Abluftt-WRG für Brauchwasser und Photovoltaik

Der Name des Biohotels Tafernwirtschaft in Hohenbercha erinnert an dessen hundertjährige Geschichte: Tafernwirtschaft, so nannte man früher Wirtshäuser im süddeutschen Raum, die ein besonderes Schankrecht besaßen. Nach altem Landesrecht durfte der Wirt nicht nur öffentlich Wein und Bier ausschenken sowie Gäste unterbringen, er richtete auch alle Festmähler anlässlich von Kindstaufen, Verlöbnissen oder Hochzeiten aus. Aber nicht nur das Hotel ist bemerkenswert, es besitzt auch einen historisch wertvollen Apfelgarten, den der als Apfelpfarrer bekannte Korbinian Aigner angelegt hat. Aigner, katholischer Geistlicher und Widerstandskämpfer, arbeitete und lebte seit 1937 im Ort und züchtete mit Leidenschaft Apfelbäume. Die Apfelsorte Korbinian, die auch im Hotelgarten wächst, wurde nach ihm benannt.

Hinter der holzverkleideten Nordfassade befindet sich ein Laubengang, der die Hotelzimmer erschließt
Von den nach Süden ausgerichteten Fenstern kann der Gast in den Apfelgarten blicken
Apfelbäume stehen auf dem Weg in Richtung des neuen Gebäudes

Das Hotel, im nördlichen Umland von München gelegen, verfügt über ein Bettenhaus, das mehrfach mit Architektur- und Nachhaltigkeitspreisen ausgezeichnet wurde. Da in der eigenen Gastwirtschaft nur „Bio“ auf den Tisch kommt, war es für die Bauherren selbstverständlich, dass nur ein nachhaltig geplantes Gebäude in Frage kommt. Der Neubau mit Platz für 50 Betten sollte Tradition mit Moderne verbinden sowie ökologisch und allergiefrei sein. Deppisch Architekten setzten diesen Anspruch mit einem hochgedämmten Holzständerbau um. Der langgestreckte Baukörper ist den ortsüblichen Scheunen nachempfunden und passt sich der natürlichen Hangneigung an. Alter Gasthof, Terrasse, Neubau sowie Apfelgarten bilden ein stimmiges Ensemble. Von jedem der 22 Hotelzimmer mit 21 m² Grundfläche kann der Gast durch großflächige Fenster in den Apfelgarten blicken. In den Zimmern ist der Badbereich vor dem Schlafraum angeordnet. Schiebeelemente aus recyceltem Kunststoff verschließen wahlweise Dusche oder WC, Garderobe oder Waschtisch. Die Gäste gelangen über einen Laubengang in ihr Domizil.

Das Tragwerk des Bettenhauses besteht aus massivem unbehandeltem Zirbenholz. Die Zirbelkiefer wächst in den Alpen. In Holz, Harz und Nadeln ist das leicht flüchtige Pinosylvin in hoher Konzentration eingelagert. Der typische Duft wirkt gegen Bakterien und Motten und trägt zum Wohlbefinden der Gäste bei. Er soll außerdem einen guten Schlaf bewirken. Die Gebäudehülle ist hochgedämmt. Alle Dämmstoffe bestehen aus nachwachsenden oder recycelten Materialien wie Holzfaserplatten oder Zellulose mit 20 cm Dämmstärke. Die Dreifachverglasung der Südfassade ermöglicht hohe solare Energiegewinne im Winter, im Sommer spenden die Apfelbäume vor der Fassade Schatten. Die Dreischeibenisolierverglasung ist mit kapillarartiger, lichtstreuender Struktur gefüllt, die Einblicke in die Zimmer verhindert.

Energiekonzept
Das zu beheizende Volumen des Hauses ist auf die Zimmerbereiche beschränkt. Durch die hochgedämmte Gebäudehülle beträgt der Heizenergiebedarf 55 kWh/m²a. Ein Biomasseheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) am Ortsrand versorgt den Neubau und die Bestandsbauten mit umweltfreundlicher Nahwärme. Im Gästehaus verteilt sich die Wärme im Niedertemperaturbereich auf die Fußbodenheizung und auf die zusätzliche Wandheizung in den Duschen. Das Brauchwasser wird ausschließlich durch Wärmerückgewinnung (Wärmetauscher) aus der Küchenabluft und von der Abwärme der Kühlanlage erwärmt.

Die Gästezimmer verfügen über eine kontrollierte Lüftungsanlage. Die Zuluft strömt über Öffnungen im Rahmen der Fenster auf der Gartenseite in die Räume. Die Abluftführung erfolgt über die Sanitärbereiche. Nach einer Kosten-Nutzen-Analyse verzichteten die Planer hier auf eine Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Durch Nachtlüftung im Sommer wird die in der Holzmasse gespeicherte Wärmeenergie abgeführt. Zusätzliche Maßnahmen zur Kühlung sind nicht erforderlich.

Auf dem Dach befinden sich Photovoltaik-Module, die im Jahr 15.400 kWh Sonnenstrom erzeugen. Der erzeugte Strom deckt rechnerisch den gesamten Strombedarf des Bettenhauses. Die PV-Module sind auf eine Kunststoffabdichtungsbahn auflaminiert, die gleichzeitig das Dach abdichtet.

Bautafel

Architekten: Deppisch Architekten, Freising
Projektbeteiligte: Ing.-Büro Cohrs, Freising (Statik); Ing.-Büro Vogt+Partner, Freising (Energieberatung); O. Lux, Georgensgmünd (Holzbau); Dr. Reinhard Witt, Ottenhofen und Oliver Krach, Kreuzlingen (Grünplanung); Günter Neufeld, Palzing/Gemeinde Zolling (Ausführung Heizung/ Lüftung/Sanitär)
Bauherr: Andreas Hörger, Hohenbercha
Fertigstellung: 2006
Standort: Hörger Biohotel Tafernwirtschaft, Hohenbercha 38, 85402 Kranzberg
Bildnachweis: Sebastian Schels und Deppisch Architekten, Freising

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