Bildträger
Künstlerische Kommunikation und Narration von Tür- und Torflügeln
Türen und Tore erfüllen über die reine Funktion des Öffnens und Schließens von Eingängen, Zu-, Aus- und Durchgängen, Durchfahrten und Durchlässen hinaus informative, kommunikative und narrative Aufgaben. Das Spektrum, das diese Aufgaben erfüllt, reicht beispielsweise von Namensschildern und Hausnummern bis zu Firmenlogos. Dazu gehören ebenfalls symbolisch zu lesende Elemente wie Muschelschalen, Wappen oder Zunftzeichen.
Medium
Bemalte, lackierte oder beklebte Tür- und Torflügel mit Einbeziehung der Laibungen, Faschen oder auch der umgebenden Wände erzählen individuelle Inhalte über die Menschen, die sich hinter diesen Türen und Toren aufhalten. Tür- und Torflügel sind aufgrund der Größe ihrer Flügel gut geeignete Bildträger. In der bildenden Kunst bezeichnet der Begriff Bildträger das Medium, das als Untergrund für ein Bild dient und es damit sozusagen trägt. Bei diesen Untergründen handelt es sich klassischerweise um Holz- und Metalltafeln, Textilien wie Leinen, Baumwolle oder Seide, Papier oder Pappe.
Techniken
Besonders eignen sich Techniken, die aus der Street Art bekannt sind, wie Murals als großflächige Bilder, Roll-ons mit Farbrollen, Stencils für Arbeiten mit Schablonen, Stickers als Aufkleber oder auch Paste-ups für vorgefertigte und aufgeklebte Ausschnitte. Die Grenzen zwischen Kunst im öffentlichen Raum, Kunst am Bau, Street Art und Graffiti sind oftmals fließend. Im Gegensatz zu Vandalismus sind derartige Bearbeitungen von außenseitigen Oberflächen von Tür- und Torflügeln jedoch künstlerische und kulturelle Statements.
Farbsymbolik
Die Farben von Türflügeln und Laibungen sind ebenfalls symbolische Bedeutungsträger, die je nach Region, zeitgeschichtlichem Zusammenhang und dem Genius Loci, dem Bezug zum Ort und dessen Charakteristika, variieren. Ikonisch ist beispielsweise die glänzend schwarze Haustür der Downing Street Nr. 10, dem Amtssitz des oder der britischen Prime Minister in London. Die schwärzliche Verfärbung der ursprünglich braunen Tür resultierte aus jahrzehntelanger starker Luftverschmutzung. Bei Renovierungsarbeiten wurde die Tür wegen der inzwischen gewohnten Optik daher absichtlich komplett schwarz lackiert (Quelle: https://www.gov.uk/government/history/10-downing-street).
In der Verbotenen Stadt in Peking, dem Palastareal der chinesischen Kaiser, sind sämtliche Türen und Tore in einem leuchtenden Rot lackiert. Rot ist in der chinesischen Mythologie eine äußerst bedeutende Farbe und symbolisiert Glück, Energie, Würde, Wohlstand und Erfolg.
Die eisernen Gittertore Grille royale du château de
Versailles, die sich beim Schloss Versailles vom Cour
d'Honneur in den Cour Royale öffnen, sind ebenso
wie zahlreiche weitere Türen im Inneren des Schlosses vergoldet,
also in einer Farbe, die den Sonnenkönig Ludwig XIV.
repräsentierte. Während der Französischen Revolution wurden die
Tore zerstört, jedoch 2008 unter Verwendung von knapp 100.000
Blattgold-Folien rekonstruiert. -sj
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