Betriebskindertagesstätte in Ditzingen

Massivholzbau mit Wärme aus Holzpelletes beheizt

Der Firmen-Campus des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf in Ditzingen wird seit vielen Jahren von dem Berliner Büro Barkow Leibinger baulich gestaltet. Das jüngste Gebäude dient allerdings nicht der Fertigung, sondern ist dem Nachwuchs der Angestellten und der Gemeinde vorbehalten. Die Kindertagesstätte für 75 Kinder ist eine Massivholzkonstruktion ohne Leim und Metalle, die komplett rückbaubar ist. Holz ist auch der Energielieferant für die Heizungs- und Warmwasserwärme.

Das Gebäude am Rande des Firmencampus des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf in Ditzingen fügt sich mit seiner geringen Höhe nahezu übergangslos in die Topografie des Orts ein.
Auffallend sind die weiten Dachüberstände, die einerseits die Holzfassade vor der Witterung schützen, zugleich aber auch die Innenräume im Sommer vor zu starkem solaren Wärmeeintrag bewahren.
Der Flur weitet sich immer wieder zu kleinen Plätzen auf, die für die gemeinschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen.

Der Neubau ist am nordwestlichen Rand des Campus gelegen. Durch seine geringe Höhe mit flach geneigtem Satteldach fügt er sich geschmeidig in die Topografie und verweist formal zugleich auf die Architektur der benachbarten Bauernhäuser. Als ökologische Ausgleichsfläche dient das begrünte Dach. Auffallend sind die weiten Dachüberstände, die einerseits die Holzfassade vor der Witterung schützen, zugleich aber auch die Innenräume im Sommer vor zu starkem solaren Wärmeeintrag bewahren. Die Gebäudekonstruktion besteht aus vorgefertigten, unverleimten Massivholzelementen, mit einer doppelten, durch Buchendübel und Schwalbenschwanzverbinder zusammengeführten Tragschicht aus Tanne und einer äußeren Bekleidung aus Weißtanne sowie einer Holzfaserdämmung im Zwischenraum. Alle Hölzer stammen aus PEFC-zertifizierten Wäldern aus dem Alpenraum und dem Schwarzwald. Sie wurden im Südtiroler Holzius-Werk vorgefertigt und in Ditzingen von regionalen Handwerksbetrieben montiert. So ist die gesamte Konstruktion wiederverwend- bzw. weiterverwertbar, wodurch der ökologische Fußabdruck des Gebäudes gering gehalten wird.

Wirtschaftliche und ökologische Architektur

Die räumliche Entwurfsidee basiert auf acht, vom großen Dach überspannten, unterschiedlich großen Boxen, die den Kita-Innenraum gliedern, ähnlich einem Haus-im-Haus-Prinzip. Dazwischen mäandriert der Flur, der sich an mehreren Stellen zu kleinen Plätzen aufweitet. Sie stehen der gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung und stellen durch ihre großflächige Verglasung einen direkten Bezug zum Außenraum her. In den eingestellten Quadern sind die Gruppen- und Mitarbeiterräume, eine Garderobe und eine Küche untergebracht. Bei der Materialwahl haben die Planerinnen und Planer darauf geachtet, dass baubiologisch und -chemisch unbedenkliche Produkte verbaut werden.


Die passiven Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz, die massive Holzbauweise, die Möglichkeit zur Fensterlüftung und letztlich die Art der architektonischen Ausgestaltung haben dazu geführt, dass eine Lüftungstechnik sowie eine Kühlung für den Betrieb nicht nötig sind. Lediglich die Sanitärräume sind mit Lüftungsgeräten ausgestattet.

Heizen mit Holz

Das Gebäude erreicht den Energiestandard KfW 55, wobei der Stromverbrauch 14,6 kWh/m² und der Energieverbrauch der Heizung 143,5 kWh/m² (beides gemäß EnEV) beträgt. Das gesamte Haus wird mit Ökostrom versorgt. Um die Innenräume im Winter zu beheizen und Warmwasser zu erzeugen, ist ein Holzpelletkessel mit einer Leistung von 80 kW eingebaut (Verbrennung der Holzpellets gemäß EN ISO 17255-2: Emissionen aus stationären Quellen - Datenerfassungs- und Auswerteeinrichtungen, Klasse A1). Ergänzt wird die Anlage durch einen 4.000 Liter großen Pufferspeicher. Das Warmwasser wird im Durchlauferhitzer-Prinzip direkt an der Zapfstelle erwärmt. Über eine Fußbodenheizung wird die Heizwärme an die Räume übergeben, ergänzt durch lediglich einige wenige Heizkörper. So gelingt es, einen Deckungsanteil des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien von 86 Prozent zu erreichen. Durch die kurze Planungs- und Bauzeit von nur 19 Monaten und dem auf einer ökonomischen und ökologischen Basis durchgeführten Entwurfsprozess konnten die Kosten für den Bau und den Betrieb niedrig gehalten werden. Der allumfassende Einsatz von Holz macht das Bauwerk zu einem wirtschaftlichen und zugleich besonders nachhaltigen Projekt. -tg

Bautafel

Architektur: Barkow Leibinger, Berlin
Projektbeteiligte: Krebs Ingenieure, Ditzingen (HLS); GN Bauphysik Ingenieurgesellschaft, Stuttgart (Bauphysik); Breinlinger Ingenieure, Stuttgart (Tragwerk); Holzius, Prad am Stilfserjoch (Generalunternehmer, Holzbau)
Bauherr/in: Trumpf, Ditzingen
Fertigstellung: 2019
Standort: Berblingerstraße 22, 71254 Ditzingen
Bildnachweis: Stefan Josef Müller, Berlin

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Der Logastyle Lamina Wasser von Buderus gibt rund 20 % seiner Wärme direkt an den Aufstellraum ab. Die restlichen 80 % werden in das zentrale Heizungssystem eingespeist, um das gesamte Haus zu beheizen und Brauchwasser zu erwärmen.

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