Betriebshof in Prag-Lysolaje

Einfache und authentische Bauweise

Lysolaje ist ein Teil des sechsten Verwaltungsbezirks von Prag. Hier ist man nicht mehr inmitten des Hauptstadtgetümmels, dafür aber im Prager Hinterland, wo sich Waldflächen, Felder und Dörfer wie auf einem Flickenteppich abwechseln. In der Nähe des örtlichen Sportplatzes von Lysolaije haben Progres Architekti ein neues Betriebshof-Gebäude für den Stadtteil errichtet, bei dem sie großen Wert auf eine umfassende Nachhaltigkeit durch eine einfache und authentische Bauweise gelegt haben.

Die Fassade lässt sich großzügig über Türen und Tore öffnen und wird dadurch lebendig.
Für die Fahrzeuge und deren Instandhaltung gibt es insgesamt drei Garagen, die von der Rückseite über ein Lichtband mit Tageslicht versorgt werden.
An der Rückseite lugt das Gebäude nur wenig über das Gelände hinaus. Hier sieht man die PV-Anlage auf dem Dach sowie die Wärmepumpen-Außeneinheit.

Betriebshöfe sind nicht selten unbeachtete Gebäude, die vor allem praktischen Anforderungen genügen sollen. Das fiel auch Jan Kalivoda und Vojtěch Kaas von Progres Architekti, als sie mit der Planung des neuen Betriebshofs in Lysolaje betraut wurden: „Bei der Vorbereitung des Projekts stellten wir fest“, erzählen die beiden aus der Entwurfsphase, „dass die meisten technischen Gebäude in der Tschechischen Republik anders als im Ausland ohne architektonische Sorgfalt gebaut werden. Oft sind es teure Gebäude ohne Konzept und Kontext, bei denen das poetische Potenzial ganz verloren gegangen ist.“ Daher haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, das Gebäude von Beginn an ganzheitlich zu denken und den Fokus dabei auf die Themen Funktionalität, Wahrhaftigkeit, Flexibilität, Nachhaltigkeit, Respekt vor dem Umfeld, Qualität des Innenraums und die Pädagogik zu legen.

Rücksicht auf die Umgebung

Am selben Ort befand sich viele Jahre lang ein einfacher Schuppen mit zwei Garagen, der durch einen Wellblechverschlag ergänzt wurde. Diese improvisierte Lösung wird nun durch das neue Gebäude ersetzt und ein hochwertiger Raum für die städtischen Mitarbeitenden geschaffen. Das 31 x 10 m große Gebäudevolumen ist zum Teil in den Hang eingebettet und nimmt dadurch die natürliche Hangkante auf. Die tragende Konstruktion ist ein vorgefertigtes Betonskelett in einem klaren Achsraster, durch das die Ansicht angenehm rhythmisiert wird. Die Füllungen, also die eigentlichen Wände, bestehen aus horizontal gefügtem Holz, wodurch ein Bezug zu den umliegenden Wohngebäuden hergestellt wird. Geschlossen wirkt die Fassade, die zur Schauseite keinerlei Öffnungen besitzt, ruhig und unaufgeregt. In Benutzung aber, wenn die Tore und Türen den Blick ins Innere freigeben, entsteht ein Wechselspiel des Öffnens und Schließens.

Natürliche Raumatmosphäre

Der Eingang wird lediglich durch zwei Steine vor dem Gebäude markiert, drei Schwenktüren ermöglichen den Weg in einen gefassten Innenhof. Der Patio dient als Eingangsatrium, als organisatorisch zentraler, zum Himmel offener, begrünter Verteilerraum und Kommunikationsknotenpunkt, dessen Öffnungsgrad sich durch die drei Türen individuell regulieren lässt. Die drei Wände zu den Innenräumen bestehen aus Industrieglas, das viel Licht, aber keine Blicke hindurchlässt. Eine Wendeltreppe führt ins kleine, aufgesetzte Obergeschoss mit einer Wohnung für die Betriebshofleitung. Alle Aufenthaltsinnenräume – das war den Gestalter*innen wichtig – erhalten natürliches Tageslicht, weswegen die Räume entlang der Gebäuderückseite mit einem inneren Oberlicht über die rückwärtige Glasfassade ausgestattet sind.

Nachhaltigkeit als ganzheitliches Thema

Alle Materialien sind möglichst ursprünglich und ohne Anstrich belassen. Die dadurch reduzierte, langlebige Materialpalette aus Beton, Holz, Glas und Stahl plus Pflanzen erzeugt somit einen natürlichen Gesamteindruck. Zudem lassen sich die Materialien am Ende des Lebenszyklus des Gebäudes so wieder trennen. Der Gebäudeteil mit den Garagen und Kaltlagern ist unbeheizt, jedoch sinkt die Temperatur hier nie in den Forstbereich, da das Gebäude zu einem guten Teil der Erde steckt. In den Umkleide-, Büro- und Aufenthaltsräumen, der Werkstatt und dem Warmlager, sind die Räume wie ein eingeschobener Kasten in leichten Stahlbetonfertigteilen konstruiert. Dieser Teil wird über eine Wärmepumpe beheizt und ist nach Passivhausstandards gedämmt.

Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage, deren erneuerbarer Strom direkt genutzt oder in Batterien zwischengespeichert wird. Anfallendes Regenwasser wird ebenfalls zwischengelagert und für die Wartung und die Bewässerung genutzt. Durch die Dachbegrünung wird das Mikroklima verbessert und Regenwasser zwischengespeichert. Das Konzept ermöglicht eine flexible Einteilung, einen Umbau oder eine Erweiterung, was den Lebenszyklus deutlich verlängern kann. „Das Gebäude soll eine Inspiration für die Öffentlichkeit sein“, erklären Jan Kalivoda und Vojtěch Kaas. Nachhaltigkeit bedeutet eben immer auch, einfach gute Architektur zu schaffen. -tg

Bautafel

Architektur: PROGRES architekti, Prag
Projektbeteiligte: Losík statika, Prag (Tragwerk); PSP – GDS, Prag (Generalunternehmer)
Bauherr*in: Bezirk Prague-Lysolaje
Fertigstellung: 2022
Standort: Květová 375/22, 165 00 Praha 6, Tschechien
Bildnachweis: Alex Shoots Buildings, Prag

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Grundstücksbegrünung mit künstlicher Wasseranlage.

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Auswirkungen des Mikroklimas auf Gebäude

Das Hochhaus Bolueta im spanischen Bilbao entspricht dem Passivhaus-Standard.

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Einführung

Energieverbrauch und Baustandards

In der nördlichen Hemisphäre erzielen Südfassaden im Winter die höchsten solaren Wärmegewinne, im Sommer lassen sie sich am leichtesten gegen Überhitzung schützen (im Bild: VM Häuser in Orestad/Kopenhagen, 2005; Architektur: BIG + JSD = PLOT, Kopenhagen).

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Planungsgrundlagen

Solarenergie nutzen

Funktionsprinzip einer Wärmepumpe: Der Luft wird Wärmeenergie entzogen, die unter Einsatz von Antriebsenergie in Form von Strom auf ein für Heizung und Warmwasser erforderliches Temperaturenniveau angehoben wird.

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Gebäudetechnik

Wärmepumpen