Berghotel Muottas Muragl im Oberengadin

Erdsonden, Wärmepumpen, Abwärme, PV und Solarthermie

Auf einer Höhe von 2.456 Metern über dem Meeresspiegel liegt einer der schönsten und sonnenreichsten Aussichtspunkte im schweizerischen Oberengadin: der Muottas Muragl oberhalb von Samedan. Bereits 1907 fanden hier die Jungfernfahrt der gleichnamigen Standseilbahn und die Eröffnung der Bergstation mit Restaurant und Gästezimmern statt. Seitdem erfreut sich Ort in luftiger Höhe größter Beliebtheit. In seiner mehr als 100-jährigen Geschichte wurde das Hotel mehrfach umgebaut und durch zahlreiche Anbauten ergänzt bis es schließlich von Fanzun Architekten aus Chur umfassend saniert und um 1.000 m² erweitert wurde. Nach Fertigstellung der Baumaßnahmen ist es das erste Plusenergie-Hotel im Alpenraum.

Der Gebäudekomplex liegt 2.456 m über dem Meeresspiegel
Die Terrasse des Hotels liegt in einer der sonnenreichsten Lagen der Schweiz
Die Standseilbahn ist die älteste Bergbahn im Engadin

Das dreigeschossige, historische Hauptgebäude ruht mit dem neuen eingeschossigen Längsanbau auf einem weit auskragenden, ebenfalls neu gestalteten Natursteinsockel. Dieser nimmt zusätzlich zur Technik Personalräume, Toiletten und Lager auf, aber auch den neuen Ankunfts- und Abfahrtsbereich der Bergbahn. Von hier gelangen die Gäste entweder zur Hotelrezeption und zum Restaurant im Erdgeschoss oder direkt auf die Sonnenterrasse. In den beiden Obergeschossen gibt es 16 zeitgemäße Doppel- und Familienzimmer sowie einige Sitzungsräume.

Das Hotel wurde nach den Vorgaben des Schweizer Minergie-Labels, das ungefähr dem des deutschen Niedrigenergiehauses entspricht, mit einem optimierten Wärmeschutz umgebaut und saniert. Trotz der Erweiterung von 1.700 auf 2.700 m² konnte der Energiebedarf von 436.000 kWh/a auf 157.400 kWh/a stark gesenkt werden. Heute erzeugt das Hotel mehr Energie als es verbraucht – und das bei einer Jahresmitteltemperatur von eisigen -1°C, die dazu führt, dass an 330 Tagen geheizt werden muss.

Energiekonzept
Beim Energiekonzept wurde auf fossile Brennstoffe komplett verzichtet. Das Hotel ist ein kleines erneuerbares Kombikraftwerk, das seine Wärme und den Strom für Restaurant, Hotel und Wärmepumpe selbst erzeugt. Letzteren liefert eine 455 m² große Photovoltaik-Anlage, die sich entlang der Trasse der Standseilbahn auf einer Länge von 230 m erstreckt und jährlich rund 100.000 kWh Ökostrom erzeugt. Allerdings ist die komplette Stromversorgung aus Sicherheitsgründen nicht autark und ans öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Die Wärme für Warmwasser und Heizung produziert eine Solarthermieanlage: Flachkollektoren auf 84 m² Dachfläche der Bergbahnstation und Röhrenkollektoren auf einer Fläche von 56 m² an den südseitigen Fenstern erzeugen rund 50.000 kWh Wärme im Jahr. Überschüssig erzeugte Sonnenwärme wird in einem Erdsondenfeld im Felsuntergrund gespeichert und später wieder über eine Wärmepumpe nutzbar gemacht. Dadurch kann sich der Erdspeicher regenerieren, was den Heizbetrieb mit der Wärmepumpe effektiver macht. Diese wird über 16 Erdsonden in 200 m Tiefe mit einer Länge von insgesamt 3.200 m kontinuierlich mir Wärme versorgt. Sie schaltet nur dann zu, wenn die erzeugte Solarwärme nicht ausreicht. Abwärme aus dem Betrieb der Seilbahn sowie aus den Kühlanlagen der Großküche ergänzen die Wärmeversorgung des Gebäudes.

Zusätzlich nutzt das Hotel die passive Solarenergie über die nach Süden ausgerichteten Fenster der gesamten Alage. Mit einem Wärmeeintrag von fast 90.000 kWh decken sie knapp 41% der gesamten Transmissionsverluste der Gebäudehülle. Eine passive Solarnutzung erfolgt über nach Süden orientierte Fenster. Mit einem Wärmeeintrag von fast 90.000 kWh deckt der passive Solargewinn 41 Prozent der gesamten Transmissionsverluste der Bauhülle. Speicherfähige Bodenbeläge, Decken- und Wandaufbauten im Gebäudeinneren optimieren die Solargewinne.

Weil sich die Energieproduktion und der Bedarf nicht in ihren zeitlichen Profilen decken, sind vier Wärmespeicher mit unterschiedlichen Temperaturniveaus unverzichtbar für das nachhaltige Energiekonzept. Die gespeicherte Wärme wird über Fußbodenheizungen in den Räumen verteilt. Sie ist dicht unter der Fußbodenoberfläche verlegt, damit die Heizung möglichst schnell auf Temperaturschwankungen durch die Sonneneinstrahlung reagieren kann.

Das sanierte und erweiterte Romantik Hotel Muottas Muragl wurde u.a. mit dem Schweizer Solarpreis 2011 und dem Schweizer Energiepreis Watt d'Or 2012 ausgezeichnet.

Bautafel

Architekten: Fanzun Architekten + Ingenieure, Chur
Projektbeteiligte: Fanzun Architekten + Ingenieure, Chur (Generalplanung, Statik, Energiekonzept, Gebäudetechnik, Bauleitung); Current, Zürich (Investor Photovoltaikanlagen)
Bauherr:
Bergbahnen Engadin St. Moritz, St. Moritz
Fertigstellung:
2010
Standort:
Muottas Muragl, Samedan Engadin, St. Moritz, Schweiz
Bildnachweis: Fanzun Architekten + Ingenieure, Chur; KMU Fotografie, Sils Maria; Daniel Gerber, Zürich; Daniel Martinek, St. Moritz/Zürich

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