Benjakitti Forest Park in Bangkok
Wassersensible Stadtentwicklung
Wie eine wassersensible Stadtentwicklung im postindustriellen Zeitalter funktionieren kann, zeigt ein Projekt im Herzen von Bangkok. Wo einst eine große staatliche Tabakfabrik stand, erstreckt sich heute ein weitläufiger Park mit Wasser- und Waldlandschaft. Die neue grüne Lunge dient nicht nur als Naherholungsgebiet für die Nachbarschaft, sondern reguliert und reinigt auch Regenwasser. Das chinesische Landschaftsarchitekturbüro Turenscape, bekannt für seine internationalen Schwammstadtprojekte, entwarf den Benjakitti Forest Park gemeinsam mit dem lokalen Büro Arsomsilp Community und Environmental Architect. Das preisgekrönte Projekt eröffnete 2022.
Bereits 1991 beschloss die Thailand Tobacco Monopoly, das zentral gelegenen Fabrikgelände in einen öffentlichen Park umzuwandeln. 2004 eröffnete der erste Teil des Benjakitti Parks: ein 200 Meter breiter und 800 Meter langer künstlicher See, der in einer einstigen Aushubsgrube der Fabrik angelegt wurde. Eine 1,8 Kilometer lange Uferpromenade führt um das Wasser. Neben Spaziergänger*innen und Joggenden zieht der See auch Wassersportbegeisterte an, die hier Ausflugsboote mieten können. 2006 gab die staatliche Tabakbehörde das angrenzende Fabrikgelände für die Entwicklung eines weiteren Parkstücks frei. Der Entwurf von Turenscape und Aromsilp ging als Sieger aus dem Wettbewerb zur Neugestaltung hervor: Wasser wurde zum zentralen Gestaltungselement.
Schutz vor Überschwemmungen
Bangkoks Stadtlandschaft ist vom Wasser geprägt. Die dicht besiedelte Hauptstadt liegt unterhalb des Meeresspiegels im Delta des Chao Phraya Flusses. Die Region war ursprünglich ein Sumpfgebiet, das durch den Bau von Kanälen sukzessive trockengelegt wurde. Doch der Monsunregen bringt jährlich rund 1500 mm Niederschlag, also 1.500 Liter pro Quadratmeter. Die tiefe Lage, Bodensenkungen durch Grundwasserentnahme und eine mangelhafte Entwässerungsinfrastruktur erhöhen das Hochwasserrisiko. Starke Regenfälle führten in der Vergangenheit oft zu schweren Überschwemmungen. Der neue 102 Hektar große Park soll dieser Gefahr entgegenwirken. Wie ein Schwamm nimmt er anfallendes Regenwasser auf, speichert und reinigt es. Gleichzeitig entsteht ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Das Areal war dicht mit einstöckigen Lagergebäuden bebaut, zwischen denen vereinzelt Laubbäume wuchsen. Im Norden fließt der stark verschmutzte Phaisingto-Kanal, im Westen begrenzt eine große mehrspurige Schnellstraße das Gelände, im Osten liegt der künstliche See. Das Budget für die Baumaßnahmen betrug nur 20 US-Dollar pro Quadratmeter, der Zeitrahmen des Projekts belief sich auf knappe 18 Monate. Die Projektleitung oblag der thailändischen Armee, die nur über sehr wenig Erfahrung und Kenntnisse im Bereich Landschaftsgestaltung verfügte. Die Planenden begegneten diesen herausfordernden Bedingungen mit drei zentralen Entwurfsstrategien: Wiederverwendung; Porosität und Feuchtgebiete; „chaotische Natur“.
Wiederverwendung
Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und in den Landschaftsentwurf integriert. Auch das Straßennetz der ehemaligen Fabrik blieb aus Kostengründen bestehen. Mittige Einschnitte entsiegeln den Bodenbelag zumindest teilweise und schaffen durchlässige Mulden, die Spazierende und Radfahrende voneinander trennen.
Für das in der Auslobung vorgesehene Sportzentrum sowie das Tabakfabrikmuseum wurden die bestehenden Fabrikgebäude umgebaut und in die Landschaft integriert. Teile der Dachdeckung wurden entfernt, um die Innenräume mit Tageslicht zu beleuchten. Anfallender Betonabriss diente als Material für die Erdarbeiten.
Porosität und Feuchtgebiete
Aufschüttungen und Abtragungen von Erdaushub und Betonabfällen erzeugen eine neue Topographie. Das Fundament der neuen kleinen Inseln besteht aus Abrissmaterial. Vorhandene Bäume bleiben in der Mitte der einzelnen Inseln erhalten, Setzlinge der Baumkronen werden auf den neuen Hügeln angesiedelt. Diese „Cut-and-Fill“ Technik verwandelte den betonierten und harten lehmigen Boden in eine poröse Landschaft, die während der Monsunzeit bis zu 200.000 Kubikmeter Regenwasser speichern kann. In der Trockenzeit benötigt das neue Feuchtgebiet nur minimale Bewässerung und Pflege. Diese modulare Landschaft konnte mit einem einzigen Bagger und damit auch von der Armee als ansonsten landschaftlich wenig kenntnisreicher Organisation angelegt werden.
Die Feuchtgebiete bestehen aus einem tiefer gelegenen Kern und einer terrassierten, flachen Uferlinie. Ein lineares Wasseraufbereitungsfeuchtgebiet verläuft entlang der Nord- und Westgrenze des Parks und filtert das verschmutzte Kanalwasser, das anschließend in die Feuchtgebiete geleitet wird. Die Menge des gereinigten Wassers reicht aus, um das Gelände während der Trockenzeit zu versorgen.
„Chaotische Natur“
Mit der initialen Aussaat von Samen und dem Pflanzen von Setzlingen soll eine pflegeleichte, naturnahe Vegetation wachsen, die sich kontinuierlich und spontan durch einheimische Arten weiterentwickelt. So soll eine symbiotische ökologische Wechselbeziehung zwischen Fauna und Flora entstehen — eine „chaotische Natur“, die nicht geplant werden kann. Bereits kurz nach Eröffnung wurden 91 Vogelarten im Park gesichtet. Auch Menschen finden hier ihren Platz: Holzstege führen entlang der flachen Ränder der Feuchtgebiete, um Besucher*innen einen Einblick in die neue städtische Natur zu bieten. Ein Skywalk verbindet den Park über die Schnellstraße hinweg mit einer bereits bestehenden Parkanlage. So entsteht ein zusammenhängender Grünzug, der Wasser, Natur und Stadtleben verbindet. -hs
Bautafel
Architektur: Turenscape, Peking; Arsomsilp Community and Environmental Architect, Bangkok
Projektbeteiligte: Kasemdesign & Consultant (Tragwerksplanung); Plan Motif (Beschilderung); Optimology (Bautechnik); Stonehenge (Bauleitung); Royal Thai Army (Bauunternehmen)
Bauherrschaft: Finanzministerium
Standort: PHH4+Q2, Khwaeng Khlong Toei, Khet Khlong Toei, Bangkok 10110, Thailand
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Turenscape & Arsomsilp (Fotos und Pläne)
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