Bauteile wiederverwenden

Bauteile wiederverwenden

Hrsg. Institut Konstruktives Entwerfen; ZHAW Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen et.al

Ein Kompendium zum zirkulären Bauen
Park Books, Zürich 2021
Gebunden, 344 Seiten, 21,5 x 28,5 cm
455 Abbildungen, Pläne und Grafiken

Preis: 58 EUR; 65 CHF

ISBN 978-3-03860-259-0

Auf dem Areal Lagerplatz im Schweizer Winterthur befinden sich die Reste einer Maschinenfabrik aus dem 19. Jahrhundert, die Ende der 1980er-Jahre stillgelegt und verlassen wurde. Eines der Gebäude namens Kopfbau 118 am Lagerplatz 24 dient als experimenteller Ausgangspunkt sowie als Fallstudie für eine dreigeschossige Aufstockung plus zusätzlicher Erschließung – aber nicht als Neubau, sondern mit soviel wiederverwendeten Materialien und Elementen wie nur möglich. K.118 besteht nicht nur aus verschiedensten Fenstern und Türen, sondern auch aus Stahlträgern, Fassadenblechen, Heizkörpern, Waschtischen, sogar einer Photovoltaikanlage bis zu Briefkästen, die aus anderen zum Abbruch vorgesehenen Gebäuden regelrecht ausgeschlachtet und damit gerettet und zu neuem Leben erweckt wurden.

In einem Zusammenwirken der Stiftung Abendrot als Bauherrin, dem Baubüro in situ sowie Zirkular, dem Institut Konstruktives Entwerfen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und Eva Stricker, Guido Brandi, Andreas Sonderegger; Marc Angst, Barbara Buser sowie Michel Massmünster wurde dieser Prozess wissenschaftlich begleitet, akribisch erfasst und reflektiert.

Das Buch Bauteile wiederverwenden. Ein Kompendium zum zirkulären Bauen ist nicht nur eine Dokumentation von K.118, sondern ein Handbuch und Nachschlagewerk zu architektonischem Sampling und flexiblem Learning by Doing im Sinne von Collage und Bricolage. Auch der Begriff Adhocismus wird zitiert, als Verweis auf Einfallsreichtum in einer sozialistisch geprägten Mangelwirtschaft, als einem Aufspüren nach geeigneten Materialien.

Die Analyse umfasst dabei folgende Parameter beim Bauen mit Recycling und Re-Use:

  • gestalterisch und konstruktiv
  • bauphysikalisch und energetisch
  • ökonomisch und finanziell
  • organisatorisch, logistisch und zeitlich
  • juristisch, insbesondere haftungs- und gewährleistungsrelevant
  • baugeschichtlich und architekturtheoretisch
  • ökologisch
  • wertschätzend und bauunterhaltend
  • soziokulturell
Das Thema des Bauens mit recycelten oder zukünftig wiederverwertbaren Bauteilen wird mit Beispielen und Arbeiten von Architekten wie Jean Prouvé, Alexander Brodsky, Rotor, Flury + Flurrer, Lacaton & Vassal und vielen anderen ergänzt. Als eine Art Fazit werden acht Thesen unter anderem zu Ansprüchen, Identitäten und Vielfalt formuliert, die zu einer unbedingt fortzusetzenden Diskussion einladen.

Leider wird das Lesen der inhaltlich wirklich sehr guten Texte durch eine viel zu enge und damit visuell anstrengende Typografie und ein unruhiges Layout erschwert. Informativ und überzeugend sind dagegen die zahlreichen Diagramme, die ausführliche Fotodokumentation mit Ausführungszeichnungen. -sj

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