Baukultur mit Bestand
Triest Verlag, Zürich 2025
112 Seiten
Format 14,8 × 21,0 cm, Klappenbroschur
Preis: 25 EUR
ISBN 978-3-03863-086-9
Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie sich Gebäude, Quartiere und Städte nachhaltiger entwickeln lassen. Das Wissen dafür ist vorhanden: Fachleute fordern den sparsamen Umgang mit Ressourcen, Erhalt und Umnutzung bestehender Bausubstanz und eine stärkere Orientierung an Klima- und Umweltzielen. Trotzdem wird vielerorts weiterhin abgerissen, neu gebaut und versiegelt. Der Schweizer Architekt und Urbanist Stefan Kurath geht in seinem Buch Baukultur mit Bestand der Frage nach, warum sich viele dieser Erkenntnisse so schwer in die Praxis übertragen lassen.
Seine zentrale These lautet: Nicht fehlendes Wissen ist das Problem, sondern die Umsetzung. Zwischen den Ideen von Planer*innen, den Interessen von Eigentümer*innen, politischen Entscheidungen, wirtschaftlichen Zwängen und den Bedürfnissen der Nutzer*innen gehen viele ursprünglich formulierte Ziele verloren. In diesem Widerspruch sieht Kurath eine veritable „Planungskrise“. Nachhaltige Entwicklung scheitere häufig nicht an fehlenden Konzepten, sondern daran, dass gute Absichten im Laufe eines Planungs- und Bauprozesses verwässert oder verändert werden.
Eine besondere Bedeutung misst der Autor der vorhandenen Bausubstanz zu. Bestehende Gebäude seien weit mehr als Rohstofflager oder CO2-Speicher. Sie prägten das Erscheinungsbild von Orten, stifteten Orientierung und bewahrten Erinnerungen. Wer einen Bestand weiterentwickelt, arbeitet deshalb nicht nur mit Materialien und Konstruktionen, sondern auch mit gewachsenen Beziehungen zwischen Menschen und ihrer gebauten Umwelt. Genau diese sozialen und kulturellen Qualitäten würden in der Planung jedoch oft hinter technischen, rechtlichen oder wirtschaftlichen Fragen zurücktreten.
Kurath stützt seine Argumentation auf Erfahrungen aus Forschung, Lehre und Praxis. In kurzen, essayartigen Kapiteln untersucht er, weshalb Planung oft weniger Wirkung entfaltet als erhofft und wie sich dies ändern ließe. Sein Plädoyer richtet sich gegen die Vorstellung, dass sich bessere Städte und Gebäude allein durch neue Vorschriften oder ausgefeiltere Planungsinstrumente erreichen lassen. Stattdessen fordert er eine stärkere Verbindung zwischen Planung, Gesellschaft und Baupraxis sowie einen bewussteren Umgang mit dem Vorhandenen.
Aus dem Inhalt:
- Der blinde Fleck der Baukultur
- Die Planungskrise überwinden
- Planung schafft Möglichkeiten
- Die Verbindungsprobleme der Planung
- Das Weltbild der Planung überdenken
- Mittels Ideen, Skizzen, Modellen und Plänen Verbindungen herstellen
- Gesellschaftliche Verbindungen im Bestand nutzen
- Der Wert des Bestandes
- Gesellschaftliche Anschlussfähigkeiten herstellen
- Verbindungen über Mitwirkungen herstellen
- Der Weiterbau von heute ist der Bestand von morgen
- Von der Bauordnung zu einer Umbaukulturordnung
- Zwölf Erkenntnisse für eine Baukultur mit Bestand
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