Basketballplatz 68 in Mannheim

Supergrafik für die Stadt der Quadrate

Mannheim ist bekannt für seine Quadrate. Der quadratische Grundriss der heutigen Innenstadt geht auf eine im 17. Jahrhundert geplante Festungsanlage zurück. Die zeitgleich errichtete Bürgerstadt erhielt damals ein orthogonales Straßenraster mit Häuserblöcken anstelle von Straßenzügen, um ein queres Kanonenschießen zu ermöglichen. Diese funktionale Anforderung ist glücklicherweise längst Geschichte und neben den „Quadraten“ prägen heute auch barocke Architekturen und Infrastrukturbauten wie der historische Wasserturm oder die großen Industrieanlagen das Stadtbild Mannheims. Zwischen den beiden Flüssen Rhein und Neckar gelegen, siedelten sich hier im 19. Jahrhundert viele Industrien an. Doch wie viele andere Städte in Deutschland ist auch Mannheim vom Strukturwandel betroffen. Ein positiver Aspekt der postindustriellen Veränderungen ist die Wiederentdeckung der Flussufer als Naherholungsgebiete.

Die Neugestaltung des Basketballplatzes stammt aus der Feder des Mannheimer Büros City Super Graphics.
Die prominente 68 verweist auf die Postleitzahl und ist hier in Anlehnung an Sporttrikots als Rückennummer der Stadt interpretiert.
Die Farben sind dem Stadtwappen entlehnt.

Neckarwiesen

Der Neckar fließt nördlich des Stadtzentrums und trennt die Innenstadt von den auf der anderen Uferseite liegenden Stadtteilen Neckarstadt West und Ost. Diese Lage trägt zur großen Beliebtheit der Neckarwiesen bei. Dieser städtische Grünraum wird von den Mannheimer*innen für verschiedene Freizeit- und Sportaktivitäten genutzt. Dazu zählt auch ein öffentlicher Basketballplatz am Fuße der Friedrich-Ebert-Brücke. Zwar sorgten Hochwasserereignisse in den letzten Jahren immer wieder für Beschädigungen, doch der Platz bleibt nach wie vor ein beliebter Treffpunkt am Hermann-Heimerich-Ufer.

Farbenfrohe Orte der Begegnung

Das Potenzial des Ortes erkannte auch der österreichische Energiegetränk-Hersteller Red Bull und wählte den Basketballplatz als Zwischenstation für seine Half Court Basketball Tour aus. Hierfür finanzierte Red Bull die Sanierung des Platzes und beauftragte das lokale Büro City Super Graphics mit der Neugestaltung. Gründer und Grafikdesigner Florian Budke wollte einen farbenfrohen Platz mit Lokalbezug und Ausstrahlungskraft schaffen und entwarf eine Supergrafik mit dem Titel 68 – Mannheim.

Die Farbigkeit ist dem Stadtwappen entliehen; die gedrungene, große „68“ verweist auf die Postleitzahl der Stadt und ist inspiriert von den Rückennummern von Sporttrikots. Auch der Wasserturm ist in abstrahierter Form aus der Vogelperspektive wiederzuerkennen, je nach Perspektive kann darin auch ein Basketballkorb gesehen werden. Die Spielfeldmarkierungen bleiben in strahlendem Weiß inmitten des Farbenspiels klar sichtbar.

Widerstandsfähige Beschichtung mit „coolen“ Farben

Die Farben sind als Bodenbeschichtung auf das 44 Meter lange und 24 Meter breite Spielfeld aufgebracht und halten bis zu fünf Jahre den Witterungsbedingungen stand. Das Beschichtungssystem auf Acrylharzbasis eignet sich für Beton- und Asphaltuntergründe, die starkem Fußgänger- und Straßenverkehr ausgesetzt sind. Wichtig für den Sportplatz ist vor allem die Rutschfestigkeit der Beschichtung. Die bunten Farben kühlen zudem den Boden, da sie das Sonnenlicht reflektieren: je höher der Solarreflexionsindex (SRI), desto kühler der Untergrund.



Im Vergleich zu einer Durchschnittstemperatur der schwarzen Asphaltflächen von 45,5 °C bei einer Lufttemperatur von 25 °C konnte City Super Graphics auf den farbigen Feldern eine deutliche Temperatursenkung messen. Der Unterschied lag zwischen 4 °C auf den roten, 9 °C auf den gelben und sogar 16 °C auf den weißen Flächen.


Eines der Hauptanliegen des Büros City Super Graphics ist, vormals graue, asphaltierte oder betonierte Flächen in farbige Begegnungsräume zu verwandeln und so zu einer Reaktivierung und Aneignung städtischer Freiräume beizutragen. Gerade in Zeiten des Stadtumbaus im Zuge der Mobilitätswende werden asphaltierte Flächen zunehmend autofrei und bieten sich für ein buntes Experimentieren mit neuen Nutzungen an. Vielleicht finden die City Super Graphics so ihren Weg aus den Quadraten in andere Städte und an andere Flussufer. -hs

Bautafel

Gestaltung: City Super Graphics / Florian Budke, Mannheim
Projektbeteiligte: All Hustle No Luck, Köln (Agentur); Sax und Klee, Mannheim (Asphaltierung); Mapei (Farbhersteller, Farbe: Mapecoat TNS Race Track)
Auftraggeber: Red Bull Deutschland
Fertigstellung: 2022
Standort: Hermann-Heimerich-Ufer, 68167 Mannheim
Bildnachweis: Marius Heimburger, Daniel Schulz (Fotos), Florian Budke (Pläne)

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