Bambuskonstruktion als Ausstellungsfläche

Pavillon für eine Kunsthandwerksmesse im indischen Faridabad

Die traditionsreiche Surajkund International Crafts Mela fand im vergangenen Jahr zum 36. Mal statt. Sie gehört zu Indiens größten und beliebtesten Messen für Handweberei und Kunsthandwerk und gastiert alljährlich in Faridabad, der größten Stadt des Bundesstaats Haryana nur 30 Kilometer südlich von Neu-Delhi. Mehr als 1 Million Besucher zieht die dreiwöchige Veranstaltung an. Für die Ausgabe im Sommer 2023 errichtete das in Mumbai verortete Architektur-, Landschaftsarchitektur- und Stadtplanungsbüro atArchitecture einen Pavillon als reine Bambuskonstruktion. Dieser dient als permanente Ausstellungsfläche für die Präsentation der acht nordöstlichen Bundesstaaten Indiens auf der Messe.

Ansicht des Pavillons aus südlicher Richtung
Zum Teil durchdringen vorhandene Bäume die Konstruktion.
Der Pavillon hat eine Fläche von 420 Quadratmetern.

Zur geografischen und politischen Verwaltungseinheit Nordostindien (offiziell North Eastern Region – NER) gehören die acht Staaten Arunachal Pradesh, Assam, Manipur, Meghalaya, Mizoram, Nagaland, Tripura und Sikkim. Deren zahlreiche Ethnien und vielfältige Webtradition lieferten die Inspiration für den Schwerpunkt der Ausstellung, in der acht Webstühle und verschiedene Arbeitsmethoden der Handwerkskunst vorgestellt wurden.

Runde Galerien in rechteckigem Grundriss

Ebenso traditionsreich ist in der NER die Bauweise mit Bambus, die für den Pavillon gewählt wurde. Errichtet wurde die Konstruktion in nur 60 Tagen von erfahrenen Handwerkern aus der Region. Viele Design- und Umsetzungsdetails entwickelten sich dabei erst im Prozess der Entstehung, die durch eine enge Zusammenarbeit mit den rund 90 erfahrenen Facharbeitern möglich wurde.

Der Pavillon hat einen rechteckigen Grundriss, darin repräsentieren acht abgegrenzte Galerien jeweils einen Bundesstaat. In der vergangenen Messeausgabe war in jeder der Galerien je ein Handwebstuhl ausgestellt. Die zylindrisch gefassten Räume durchdringen teilweise das hyperbolische Dach in unterschiedlicher Höhe, was die hügelige Topografie des Nordostens Indiens widerspiegeln soll. Dazu zitieren die Galerien auch die typische Landschaft der ausstellenden Region. So repräsentiert etwa der zentrale Innenhof den Staat Meghalaya, der zu den regenreichsten Gebieten der Welt gehört, indem er darin symbolisch ein Wasserbecken integriert. Andere Galerien umschließen jahrhundertealte Bäume, die auf dem Gelände erhalten blieben und durch die Architektur inszeniert wurden.

Bambuskonstruktion mit geschraubten Verbindungen

Die einfache und gut lesbare Konstruktion besteht aus Bambusstäben in zwei Reihen, mit verschraubten Verbindungen. Lediglich das Dach aus geflochtenen Bambusblättern schließt größtenteils dicht ab, ansonsten ist das Bauwerk auf sein Tragwerk beschränkt und offen durchlässig. Ein sich durchschlängelnder Weg lässt den Pavillon zu einem neuen zentralen Element der Messe werden, der das rund 100 Hektar große Gelände stimmungsvoll ergänzt. Die weitgehend naturbelassene Umgebung ist hier allgegenwärtig. Der Standort der Messe befindet sich am künstlich angelegten Surajkund-See, der im 10. Jahrhundert von König Suraj Pal aus der Tomar-Dynastie in Auftrag gegeben wurde. Die offene Struktur und das natürliche Baumaterial des neuen Pavillons lassen die Grenzen zwischen gebauter und natürlicher Landschaft verschwimmen: Neben den menschlichen zieht er auch tierische Besucher regelmäßig an – ganz unabhängig vom Messebetrieb.

Architektur: atArchitecture/ Avneesh + Neha, Mumbai

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