Bains des Rives in Lausanne
Temporäre Sauna am Seeufer
Dem Winter trotzen – nirgendwo gelingt das besser als in einer Sauna am See. Bellerive heißt ein beliebtes Schwimmbad am Seeufer in Lausanne, das seit einigen Jahren um eine Attraktion reicher ist. Sechs Monate lang lässt sich die kalte Jahreszeit in einer Sauna- und Erholungsanlage namens Bains des Rives überbrücken, die sich in das bestehende Freibadensemble wie selbstverständlich einfügt, dabei temporär und reversibel gebaut ist und somit jedes Jahr aufs Neue errichtet wird.
Ein quaderförmiger Leuchtturm am Ufer des Genfersees
Die Idee setzte ein Team bestehend aus den ortsansässigen Planer*innen von RGB Architectes und Teodori & Wellinger Architectes gemeinsam mit lokalen Handwerksbetrieben um. Das Konzept sieht eine flächige Gerüstkonstruktion vor, die sich kreuzförmig oberhalb eines durchgehenden Decks aus Lärchenholz erstreckt. Am Kreuzungspunkt erhebt sich die Struktur über drei Gerüstetagen in die Höhe und bildet so ein markantes Zentrum aus. Planen schützen die Innenräume vor Witterung und dienen gleichzeitig als Sichtschutz. Runde Jurten mit einem Holztragwerk schneiden sich in die lineare Struktur ein, um einerseits eine Bar mit Aufenthaltsbereich auszubilden oder aber die zwei angrenzenden Saunen im nordwestlichen Bereich des Kreuzes zu beherbergen. Zwei Container sind zudem zu Umkleide- und Lagerräumen ausgebaut und ergänzen die insgesamt knapp 290 Quadratmeter umfassende Wellnessanlage.
Wind- und wetterresistent
Die Architekt*innen nahmen mit ihrer Konstruktion Rücksicht auf
die örtlichen Gegebenheiten. Der Standort sei aufgrund der
Seeuferlage der Witterung besonders ausgesetzt, erklären sie. Um
dem starken Wind oder Regen standzuhalten, ist eine belastbare
Konstruktion gewählt worden, die gegebenenfalls auch schnell wieder
rückgebaut werden kann. Die hohe Beanspruchung erfordere außerdem
eine regelmäßige Wartung. So würden die verwendeten Textilien
regelmäßig gepflegt und die Holzelemente alljährlich geschliffen
werden.
In den Sommermonaten lagern die Bauelemente in den Werkstätten des ausführenden Bauunternehmens. Die Container können kompakt vom entsprechenden Lieferanten wieder entfernt und zurückgebracht werden, außerdem stellt die Stadt einen freien Raum für temporären Lagerungsbedarf der Möbelausstattung und Gastronomie zur Verfügung. Durch einfache, möglichst natürliche Materialien, eine schlüssige Konstruktion und eine leicht aufgeständerte Position bei bestehender Barrierefreiheit bleibt der Eingriff in die (Stadt-)Landschaft sehr gering. Die Aussicht auf die alpine Umgebung, den See sowie die Bestandsarchitektur des Schwimmbads von Marc Piccard tun ihr Übriges für eine gelungene Überwinterung.
Bautafel
Architektur: RGB Architectes Sàrl, Lausanne mit Teodori & Wellinger Architectes Sàrl, Lausanne
Projektbeteiligte: Roth Gerüste AG (Gerüstbau), Zeltwelt GmbH (Jurte- und Textilelemente); Bois Initiale SA (Holztragwerk); Calandi Charpente Sàrl (Brandschutz); Jak Sanitaire (Sanitäranlagen); GV électricité (Elektroinstallationen); Jaquet (Container)
Bauherr*in: Stadt Lausanne
Standort: Quai de Bellerive, 1007 Lausanne, Schweiz
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Matthieu Croizier (Fotos); RGB Architectes und Teodori & Wellinger Architectes (Pläne)